Mister Make-up
Ein Belgier erobert die Beauty-Welt
Das kam in der Beautybranche einem Erdbeben gleich: 2014 verließ der Belgier Peter Philips Chanel und wurde Kreativ- und Imagedirektor von Make-up Dior. Für Lagerfeld hat er die Chanel-Defilees zum Highlight der Fashionweeks gemacht und schminkte für Kampagnen wie Miu Miu, Louis Vuitton oder Jil Sander. Nun lässt er seinem kreativen Genie für seinen Jugendfreund Raf Simons bei Dior freien Lauf. Neben dem Show-Make-up entwickelt er auch Beautyprodukte für Dior und sieht das als seinen eigentlichen Hauptberuf.
Kreatives Dreamteam: Raf Simons und Peter Philips sind seit ewigen Zeiten Freunde und wurden fast gleichzeitig berühmt, Simons mit Mode, Philips mit Make-up. Was ihren eigenen Anziehstil betrifft, sind die beiden sehr unterschiedlich. Raf liebt T-Shirts und Sweatshirts mit Rundhals, Peter Philips trägt immer Hemden (und ab und zu ein Polo). Aber nicht irgendwelche Hemden, sondern Charvet
Im Herbst kommen Balken statt Liner! Peter Philips setzt auf extreme Eyeliner-Balken, die über das komplette Lid gemalt werden. Gewöhnungsbedürftig, aber sehr extravagant.
freizeit: Wie wurden Sie Make-up-Artist?
Peter Philips: Bis zu meinem 27. Lebensjahr hatte ich noch nie einen Make-up-Pinsel berührt. Als Student jobbte ich dann backstage bei den Schauen in Paris und fand das unglaublich faszinierend, wie sich die Models durch Make-up in die Gesichter eines Modehauses verwandelten.
Mit Raf Simons sind Sie eng befreundet, er hat Sie von Chanel weggelockt. Wie stark ist Rafs Einfluss auf Ihre Arbeit?
Stark natürlich, wir arbeiten sehr eng zusammen. Raf weiß oft besser, was er nicht will, als was er will. Und er will von den Beautylooks „umgehauen“ werden. Er vertraut mir völlig – das ist natürlich eine große Verantwortung.
Wie sprechen Sie miteinander?
In einem Mix aus Flämisch und Englisch. Wenn er etwas nicht mag, sagt er's mir auf Flämisch, das finde ich sehr rücksichtsvoll (lacht).
Brauchen Sie ein bestimmtes Arbeitsumfeld?
Der Backstagebereich ist mir wahnsinnig wichtig, alles muss extrem sauber, perfekt aufgeräumt und organisiert sein. Die Einrichtung darf nur weiß und das typische Dior-Hellgrau sein.
Viele Beautymarken vertrauen neuerdings dem Sexappeal altersloser Musen. Was halten Sie davon?
Dior arbeitet bisher schon immer mit unterschiedlichen Generationen, das ist uns sehr wichtig. Ich persönlich liebe starke Frauen wie zum Beispiel Annie Lennox oder Carmen dell'Orefice.
Haben Frauen unterschiedliche Vorstellungen von Schönheit?
Alle Frauen wollen schön sein, das ist einmal klar. Aber es gibt natürlich große Unterschiede zwischen den einzelnen Nationen – europäische Schönheit bedeutet etwas ganz anderes als US-Schönheit. Zum Beispiel unterscheiden sich Europäerinnen und Amerikanerinnen extrem in dem, was sie unter „natural make-up“ verstehen. Ich durfte einmal Jennifer Lopez schminken, sie wollte ihr typisches Nude/Glow/Natural Make-up und ist sich bei mir viel zu nackt vorgekommen (lacht). Ich musste
dann drei Reihen falsche Wimpern kleben.
Apropos „natural make-up“: Was halten Sie von Contouring?
Ganz starkes Thema. Kommt vom Bühnen-make-up. Unglaublich, was man mit Shading, Sculpting, Highlighting alles verändern kann. Fast so wichtig wie der richtige Haarschnitt. Allerdings muss man wirklich gut blenden.
Augenbrauen dick oder dünn?
Dünne Augenbrauen kann ich nicht ausstehen. Hände weg von Pinzetten und Selbstversuchen, gehen Sie lieber in die Brow Bar.
Lips or Eyes?
Das war früher, heute schminken wir auch „full look“, also beides, allerdings in soften Tönen.
Eyeliner steht für Attitude und Eleganz, und dafür steht auch Dior. Wie zieht man einen guten Lidstrich?
Gerade vor dem Spiegel sitzen, Punkte machen, wo der Strich beginnen und enden soll. Diese Punkte dann verbinden. Bei Schlupflidern setze ich den Strich nur am Augenwinkel an.
Lieblingsfarbe?
Im Augenblick Rot. Kann sich bei mir aber täglich ändern.
Lieblingsduft?
„The smell of the sea“.
Wie steht’s mit Pflegeprodukten? Haben Sie Favoriten?
Ich liebe Gesichtsöl und Bepanthencreme für die Lippen.
Muss man jedem Schminktrend folgen?
Nein, um Gottes Willen. Das Wichtigste ist, den eigenen Signature-Look zu finden und sich für ein schönes Make-up genug Zeit zu nehmen. Ich zum Beispiel habe eine Freundin, die verwendet blauen Lidschatten zu ihren blauen Augen, und dazu noch blaue Mascara. Gilt in der Beautybranche eigentlich als völlig untragbar, bei ihr sieht es aber super aus.
- Eine gute Foundation ist wichtig. Für jeden Tag etwa Nude Air. Da braucht man keinen zusätzlichen Puder zu benutzen.
- Wimpernzange sorgt für einen offenen Blick.
- Lippenstift in einem neutralen Ton kann man gleichzeitig auch als Blush einsetzen.
- Für besondere Anlässe einen Plumping-up Lipgloss (Lip Maximizer) verwenden.
- Nie ohne Mascara – aber bitte nur am Wimpernansatz auftragen.
Wichtigstes Make-up-Tool der Saison? Eyeliner! Ruhig dick auftragen, dezent war gestern. Und für unruhigere Händchen haben wir Good News: Der Eyeliner setzt jetzt oft erst in der Mitte des Lids an, dafür aber dann mit dynamischem Abschlussschwung Richtung Brauenende nach oben.
- Lid vor dem Auftragen leicht abpudern.
- Kleinen Spiegel unter das Kinn halten. In diesem Winkel ist das Augenlid schön glatt. Das macht das Auftragen des Eyeliner einfacher.
- Eyelinerstift so halten, dass der Strich in mehreren kleinen Bewegungen gezogen werden kann. Ellbogen aufstützen.
- Tinte, Creme, Gel? Ausprobieren.
- Breite Balken kommen auch im Herbst ganz stark! Da wird dann auf Lidschatten und bunte Lippenstifte ganz verzichtet.
- Auffällige Lidstriche wirken am coolsten, wenn die Wimpern nur gaaanz leicht oder gar nicht getuscht werden.
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