Brasilien: Hunderte Tote bei Feuer in Disco

In einer Massenpanik wollten alle gleichzeitig zu den Notausgängen
Menschen fliehen vor einem Brand, während ein Mann eine verletzte Person trägt.

Die Feuerwehren sprengten ein Loch in die Wand, um bergen und löschen zu können. Doch die Katastrophe in der südbrasilianischen Universitätsstadt Santa Maria war nicht mehr aufzuhalten.

Am Sonntag um 2.30 Uhr Früh (Ortszeit) brach in der Diskothek „Kiss“ ein Feuer aus, bei dem 232 Menschen ums Leben kamen. Es handele sich um 120 Männer und 112 Frauen, so die Polizei. Weitere 131 Menschen seien verletzt worden. Zuvor war offiziell von insgesamt 245 Todesopfern und 48 Verletzten ausgegangen worden.

Noch stand nicht fest, ob sich auch Österreicher unter den Opfern befinden. Die Universität Federal de Santa Maria kooperiert mit der Wiener Universität für Bodenkultur. In dem Grenzgebiet zu Argentinien und Uruguay im Bundesstaat Rio Grande do Sul leben viele deutschsprachige Auswanderer.

Augenzeugen berichteten, dass das Feuer während des Konzerts einer Rockband ausgebrochen sei. Manche sagen, dass die Musiker auf der Bühne eine kleine Pyrotechnik-Show vorgeführt hätten. Dabei geriet möglicherweise das Dämmmaterial in der Decke in Brand. Dabei sollen sich hochgiftige Dämpfe entwickelt haben.

Die Disco fasst 2000 Menschen und soll sehr gut besucht gewesen sein. Unter den Besuchern kam es zu einer Massenpanik. Alle wollten gleichzeitig zu den Ausgängen. „Die Notausgänge reichten nicht aus“, sagte eine junge Frau dem Fernsehsender Brand News. „Das war eine zu kleine Tür für so viele Leute“, sagte eine andere Überlebende, Luana Santos Silva, TV Globo.

Eine weinende Frau wird von einem Mann umarmt.

Relatives of victims of the fire at Boate Kiss nig
Eine Hand hält einen Rosenkranz über den Händen eines Verstorbenen, der in ein Leichentuch gehüllt ist.

BRAZIL FIRE
Eine weinende Frau steht an einem Sarg mit einem Foto von „Tanise“.

BRAZIL FIRE
Zwei Sargträger senken einen Holzsarg in ein Grab, während Trauernde umstehen.

Relatives and friends of Evelin Lopes, one of the
Die Fassade eines beschädigten Gebäudes mit Blumen am Boden.

Flowers deposited by residents lie below a banner
Ein Soldat mit Maske arrangiert Blumen an einem Grab auf einem Friedhof.

BRAZIL FIRE
Ein Mann wird von mehreren Personen zu einem Krankenwagen getragen.

BRAZIL DISCO FIRE
Nach einem Brand steht eine Polizistin vor einem Feuerwehrwagen und einer Gruppe von Menschen.

BRAZIL FIRE
Feuerwehrleute löschen ein Feuer in einem beschädigten Gebäude.

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Eine Menschenmenge steht an einer Straßenecke vor der „Bar do Derli“.

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Eine Gruppe von Menschen umarmt sich und weint.

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Ein beschädigtes Gebäude mit einem Polizeiauto davor.

An exterior view of Boate Kiss nightclub is seen a

Zu Tode getrampelt

Viele Opfer wurden zu Tode getrampelt, die meisten seien allerdings erstickt. Ein Sportzentrum in Santa Maria wurde am Sonntag in eine Leichenhalle umgewandelt. Die Zahl der Toten stieg Stunde um Stunde. Mindestens 48 Menschen mit schweren Brandwunden wurden in die drei Krankenhäuser der Stadt sowie in Nachbarorte eingeliefert.

Die brasilianische Staatschefin Dilma Rousseff brach ihre Teilnahme an dem EU-Lateinamerika-Gipfel in Santiago de Chile ab und flog direkt nach Santa Maria. In der Stadt leben 270.000 Menschen. Da sich hier eine der größten öffentlichen Hochschulen des Landes befindet und auch mehrere Militärstandorte angesiedelt wurden, ist Santa Maria eine sehr junge, lebenslustige Stadt, in der bis zum Sonntag viel und ausgelassen gefeiert wurde.

„Ich bin 40 Jahre bei der Feuerwehr, aber eine Tragödie solchen Ausmaßes habe ich noch nicht gesehen“, sagte Feuerwehrmann Moises da Silva Fuchs. Ein 23-Jähriger, der angeblich mehreren Menschen bei der Flucht geholfen hat, sagte der Zeitung Diario de Santa Maria: „Ich bin nur rausgekommen, weil ich sehr stark bin.“

Universitätsstadt

Eine Karte von Brasilien und angrenzenden Ländern mit Hervorhebung der Stadt Santa Maria.
Santa Maria hat 262.000 Einwohner. Die Universitätsstadt liegt rund 300 Kilometer von Porto Alegre, der Hauptstadt von Rio Grande do Sul, entfernt. Im Süden Brasiliens ist auch die größte deutsche Auswanderer-Gemeinde beheimatet.

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