Feldbacher Bürgermeister stoppt sexistischen Werbespot

Der Werbespot für ein "schoafes" Feldbach
Das Video, in dem eine Blondine im roten Mini "scharfe Tage" bewirbt, wurde aus dem Netz genommen.

[Update 15:16 - Video wird entfernt ]

Damit hatte Bürgermeister Josef Ober nicht gerechnet. "Ich bin überrascht von den Reaktionen", bekundete der ÖVP-Stadtchef: Seit der zweiminütige Werbespot über Feldbachs "scharfe Tage" es bis auf die Facebook-Seite des deutschen TV-Satirikers Jan Böhmermann schaffte, macht sich die Internet-Gemeinschaft über die kleine Stadt im Südosten der Steiermark lustig.

Nun scheint Ober aber die Aufmerksamkeit allzu groß geworden zu sein. Der Bürgermeister hat nun die Reißleine gezogen und das Video aus dem Netz entfernen lassen. In einer Erklärung von Vulkan TV, das den Spot produziert hat, heißt es dazu, dass dieser den Auftrag erfüllen sollte, die "Wirtschaftsaktion 'Scharfes Feldbach' zu bewerben und den klischeebehafteten Begriff 'scharf' auf unzählige Produkte und Dienstleistungen umzulenken." Man habe damit in keinster Weise einen sexistischen Aspekt zum Ausdruck bringen wollen. Um der Wirtschaftsaktion "Scharfes Feldbach" nicht zu schaden, habe man sich nun trotz des weitreichenden Werbeerfolgs dazu entschieden, die Kampagne zu stoppen.

Blondine im roten Mini

Stein des Anstoßes war der Spot für drei "scharfe" Einkaufstage in Feldbach: Darin stöckelt eine Blondine im roten Minikleid durch den Ort und muss sich anhören, dass sie zwar "scharf" sei, aber vieles andere eben "schärfer": Die Kulinarik, die Autos, der Schmuck, die Mode….Scheinbar frustriert gibt sie auf, Grammatikfehler inklusive. "Anscheinend ist in Feldbach alles schärfer wie ich. Ich geh‘ jetzt shoppen!" Dann posiert sie vor dem Hauptplatz mit einem Schild über Feldbachs "scharfe Tage".

"Eindeutig sexistisch"

Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, kam beim Anschauen des Videos aus dem Staunen nicht mehr heraus. "Das ist so eindeutig sexistisch und erfüllt alle Klischees: Knappes Kleid, ein weiblicher Körper als Stilmittel.“ Gemeinsam mit der Grazer Watchgroup Sexismus wollte sie das Video beim Werberat melden. "Diese Werbung folgt dem klassischen Modell 'Sex sells'", sagt Grabovac.

Diese Form der Diskriminierung ist in Österreich im Gegensatz zu rassistischer Werbung nicht verboten. Satiriker Böhmermann ätzte, dass die Feldbacher hier wohl von "Postfeminismus" sprechen würden. Die Firma Vulkan TV, die das Video produziert hat, freute sich über so viel mediale Werbung für ihr Produkt und frohlockte über zuletzt mehr als 400.000 Zugriffe. Ein Umstand, den auch Daniela Grabovac überlegen lässt, ob bei Werbung der mediale Aufschrei nicht schon einkalkuliert werde. "Aber wenn man das so macht, dann muss man auch mit Kritik daran rechnen."

Feldbacher Bürgermeister stoppt sexistischen Werbespot

"In keinster Weise sexistisch"

"Wir sehen hier in keinster Weise Sexismus", sagte hingegen der Geschäftsführer von Vulkan TV, Jürgen Tackner in einer ersten Stellungnahme gegenüber dem KURIER. "Das Video zeigt ein Bild, das man täglich auf der Straße sieht. Wer etwas gegen so ein Kleid hat, entfernt sich zunehmend von unserer Kultur."

Auch der Grammatikfehler sei bewusst eingesetzt worden. "Das ist in unserem Sprachgebrauch so nicht unüblich, deswegen haben wir uns dazu entschieden", sagte Tackner.

Bürgermeister: "Es ist ja Sommer"

Der Bürgermeister wollte die Kritik in einer ersten Reaktion ebenfalls nicht so recht verstehen. "Es ist ja Sommer. Es gibt sehr viele Personen, die ein ähnliches Sommerkleid tragen", verteidigte Josef Ober die Aktion zunächst. "Für mich ist die Dame eine Begleiterscheinung, nicht mehr. Ich hab‘ beim Anschauen die Produkte gesehen, zu denen sie führt und finde das nicht so extrem, wie das jetzt gesehen wird." Gemeinsam mit dem Tourismusverband Feldbach, der das Video in Auftrag gegeben hatte, hat sich die Stadtgemeinde aufgrund kritischer Stimmen nun aber dennoch dazu entschieden, das Video zu entfernen.

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