© Sleaford Mods/Roger Sargent

Gewinnspiele
08/12/2019

Sleaford Mods haben die Wut im Bauch und Spinnen am Kebap

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Ein Künstler weigert sich, seine Kreativität an den kommerziellen Markt zu verkaufen, bleibt deshalb erfolglos. Er sitzt mit einem billigen Kebap auf der Straße und der Albtraum seines Scheiterns kriecht in Form einer Spinne aus dem Döner.

 

Dieses surreale Bild hatte Sleaford-Mods-Frontmann Jason Williams im Kopf, als er für das jüngste Album „Eton Alive“ den Hit „Kebap Spider“ schrieb. Anlass dafür: Das Duo, das der britische Lyriker und Rapper zusammen mit dem Beatbastler Andrew Fearn betreibt, erlebte in den letzten Jahren einen ungeahnten Hype.

 

Die elektronischen, monoton dahin grummelnden Lo-Fi-Rhythmen gepaart mit Williamsons wütenden, schlicht, aber pointiert formulierten Schimpftiraden über das Leben der britischen Arbeiterklasse, den Stressabbau im Pub und soziale Missstände trafen bei Kritikern und Publikum einen Nerv. In der Folge wurden die Sleaford Mods regelmäßig zu Awards-Shows eingeladen.

Selbsreflektion

Für Williamson Anlass für Selbstreflektion. „Ich fand es ziemlich verstörend, zwischen all diesen Promis zu stehen, die Ruhm und Geld für überhaupt nichts besitzen“, erzählte er dem uMagazine. „Was die machen, ist Scheiße. Das ist natürlich allgemein bekannt, aber wenn man so unmittelbar damit konfrontiert ist, werden einem die Dimensionen bewusster. Wenn man zu so etwas geht, besteht die Gefahr zu dem zu werden, was man kritisiert. Du beginnst, dich ein wenig dafür zu hassen.“

Diesen Konflikt greift Williamson auch in dem Song „OBCT“ von „Eton Alive“ auf. Und natürlich widmen die grantigen Alt-Herren auf dem Album auch dem bevorstehenden Brexit einige deutliche Kommentare.

Gegründet hat der 48-Jährige Williamson die Sleaford Mods 2007 – nachdem er sich vergeblich in diversen Gitarrenbands versucht hatte, während er sich mit Jobs als Koch, Lagerarbeiter und im Mode-Handel über Wasser hielt. Sein Partner damals: Simon Parfrement. Sie veröffentlichten vier Alben ohne großen Erfolg. Der kam erst, als Williamson 2012 als musikalischen Partner Fearn holte, und Parfrement zum Fotografen Media-Produzenten der Band wurde.

 

Mit „Eton Alive“ gehen die Sleaford Mods jetzt einen Schritt weiter: Weil Williamson nicht mehr so wütend darüber ist, kein Geld zu haben, sind seine Texte nachdenklicher geworden. Und die Musik hat mehr Elemente aus Soul und R&B angenommen. In dem Song „When You Come Up To Me“ singt er sogar. „Ich habe viel Chaka Kahn gehört“, sagt er. „Das sollte in dieses Album einfließen.“