Lebensmittel sind wertvoll: Verwenden statt verschwenden sollte daher das Motto in der Küche lauten.

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Genuss
03/19/2019

Lebensmittelmüll: So landet Essen auf dem Teller, nicht in der Tonne

Verwenden statt verschwenden: Wie man richtig lagert, clever verkocht und Verdorbenes am besten erkennt.

Wer beim Öffnen eines Joghurts trübe Flüssigkeit entdeckt, mag versucht sein, es wegzuwerfen. Tatsächlich ist das Milchprodukt problemlos genießbar – und nur ein Beispiel für ein als verdorben verkanntes Lebensmittel. So landen weltweit jährlich 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel im Abfall. Rund 42 Kilogramm essbare Lebensmittel wirft allein jeder Österreicher jedes Jahr weg. Gut die Hälfte davon wäre vermeidbar, weiß Angelika Kirchmaier, Ernährungsmedizinerin und Autorin des Buches "Nicht alles ist Mist".

Am häufigsten werden Produkte weggeworfen, die als Lockangebote angepriesen werden – etwa Fleisch, Milch und Milchprodukte. Oder Lebensmittel, die von Haus aus zu Dumpingpreisen erhältlich sind, wie beispielsweise Süßgebäck oder Billigbrot. Lebensmittel, die nicht mehr ganz makellos aussehen oder allzu lange haltbar sind, landen auch häufig in der Tonne.

Generationenfrage

Um eine Lösung für dieses Problem zu finden, muss man dessen Ursache kennen: das mangelnde Wissen der Bevölkerung. "Viele kennen die Merkmale verdorbener Nahrung schlichtweg nicht mehr", sagt Angelika Kirchmaier. Ebenso viele Menschen wüssten zudem nicht, wie man Essen richtig aufbewahrt: "Zum Beispiel, wo man was im Kühlschrank lagert, oder was gar nicht erst dorthin gehört."

Entstanden sind diese Wissenslücken nicht von heute auf morgen, erklärt die Gesundheitswissenschafterin. Jüngere Generationen hätten sich zunehmend von Lebensmitteln entfremdet: "Kinder werden in puncto Essen nicht mehr in der Familie, sondern in der Kinderkrippe, im Hort oder am Mittagsbuffet sozialisiert. Sie sehen also immer seltener, wie Lebensmittel zubereitet werden."

Neben dem Hausverstand sei es wichtig zu wissen, dass von verdorbenen Lebensmitteln in den meisten Fällen keine Lebensgefahr ausgeht. "Es gibt nur ganz wenige Produkte, wo das passieren kann. Die sind im Handel mit dem Verfallsdatum extra gekennzeichnet."

Haltbarkeit kennen

Für Konsumenten ist es entscheidend, zwischen diesem und dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu unterscheiden. Ersteres erkennt man durch die Aufschrift "zu verbrauchen bis". Derart leicht verderbliche Waren sollte man nach Ablauf dieses Datums nicht mehr essen. Das Mindesthaltbarkeitsdatum sagt hingegen nicht, dass die Ware nach Ablauf des Datums verdorben ist. Das Lebensmittel kann auch danach noch genießbar sein. Selbst wenn man es isst, "droht maximal eine Magenverstimmung".

Der bewusstere Umgang hat jedenfalls nicht nur globale Vorteile: "Die Leute ahnen nicht, wie viel Geld sie zum Fenster rauswerfen, weil sie Lebensmittel mehrfach anschaffen ohne diese dann zu verwenden", sagt Kirchmaier. Aus Studien wisse man mittlerweile, dass in Europa nahezu jeder dritte Einkauf weggeworfen wird. "Man würde sich also rund 30 Prozent der Kosten sparen, wenn man bewusster und gezielt konsumiert." Das schont nicht nur das Börserl, sondern auch den Müllberg.

Eier bis Fleisch: Wie man Verdorbenes erkennt

 

Beim Ei der Nase trauen

Die gute Nachricht: Ein verdorbenes Ei erkennt man sofort. Die schlechte: Es stinkt fürchterlich. Bei penetrantem Schwefelgeruch muss man die Finger von dem Tierprodukt lassen. Auch verdorbene gekochte Eier stinken übelst und sind unverkennbar. Ein grüner Ring um einen gekochten Eidotter weist hingegen nur darauf hin, dass das Ei sehr lange gekocht wurde. Es ist problemlos genießbar.

Übrigens: Der Test im Wasserglas sagt nichts über Verderb aus, sondern nur über die Frische. Ein frischgelegtes Ei hat fast keine Luftkammer und bleibt im Wasserglas ganz unten liegen, je älter das Ei, desto mehr steigt es auf.

Mär von der Milchfrische

Milch, Joghurt, Topfen und Co. werden oft vorschnell entsorgt. Dabei halten diese und andere Milchprodukte bei entsprechend kühler Lagerung bis zu Wochen länger als auf der Packung angegeben. Eine aufgeblähte Packung kennzeichnet nicht automatisch einen Verderb, sondern nur, dass das Produkt zu warm gelagert wurde und deutlich rascher zum Verderb neigt. Eine mehr oder weniger gelbliche Verfärbung von Frischmilch deutet ebenfalls nicht auf einen Verderb hin, sondern stellt ein Qualitätskriterium dar. Je mehr Gras das Tier frisst, desto gelblicher wird die Milch. Produkte, die faul oder schimmlig aussehen, ungewöhnlich sauer riechen und bitter schmecken, sind nicht mehr genießbar.

Trockenes trocken lagern

Müsli, Brösel, Getreide, Mehl, Stärke, Grieß oder Flocken gehören zu den widerstandfähigsten Nahrungsmitteln – vorausgesetzt man gönnt ihnen die nötige Trocken- und Dunkelheit. Hält man sich nicht an diese Empfehlung, werden sie schnell ranzig oder schimmelig und schmecken muffig. Auch Schädlingsbefall wird durch Feuchtigkeit unterstützt. Werden die Produkte feucht, verklumpen sie. Das muss allerdings nicht bedeuten, dass sie verdorben sind, aber es bildet sich oft innerhalb weniger Tage Schimmel.

Trockenprodukte einzufrieren mag für viele befremdlich klingen, doch Brösel und Co. eignen sich wunderbar zum Tiefkühlen und können direkt, ohne aufzutauen, weiterverarbeitet werden. Füllen Sie dazu die Trockenprodukte am besten in Behälter mit Schraubverschluss, zum Beispiel Honiggläser, dann können Sie den Inhalt bequem entnehmen.

Erdäpfel mögen es dunkel

Kühl, dunkel und, wenn möglich, im natürlichen Erdmantel halten Kartoffeln viele Monate. Wer das stärkehaltige Gemüse getrennt von anderen Obst- oder Gemüsesorten, z. B. Äpfeln oder Zwiebeln, lagert, verlängert die Lebensdauer ebenfalls.

Was viele nicht wissen: Große Kartoffeln und jene, die noch mit Erde überzogen sind, halten besser als kleine und gewaschene. Eine runzelige Kartoffel hat nur an Feuchtigkeit verloren und ist ohne Bedenken genießbar. Verdorbene Erdäpfel erkennt man meist deutlich an ihrem modrigen Geruch und ihrer glitschig-schleimigen oder breiigen Konsistenz. Kartoffeln mit grünen Stellen, Keimen über ca. ½ Zentimeter und Schimmel sollte man ebenfalls nicht mehr essen. Verfaulte oder verschimmelte Kartoffeln sollte man sofort aussortieren, sonst verdirbt binnen weniger Tage der gesamte Beutel.

Keine Fleischexperimente

Bei Fleisch, Fleischwaren und Fisch gilt es achtsam zu sein: Verzehrt man verdorbene Produkte dieser Kategorie, droht eine Lebensmittelvergiftung. Da der Verderb optisch und vom Geruch her nur schwierig zu erkennen sein kann, sollte man immer auf das am Produkt angegebene Verbrauchsdatum achten (siehe Haupttext in der Mitte) und dieses nur bis zu diesem Tag verwenden. Je kleiner die Fleischstücke, zum Beispiel Faschiertes, umso eher verdirbt das Produkt. Auch Innereien, wie z. B. Leber, und frischer Fisch verderben rasch.

Bei Dosen zählt die Optik

Konserven halten jahrelang, vorausgesetzt sie sind nicht beschädigt oder aufgebläht. Letzteres kann ein Hinweis darauf sein, dass sich in der Dose das Bakterium Clostridium botulinum befindet, das sich im Erdreich, dem Verdauungstrakt von Tieren (inklusive Fischen) und im Meeresboden befindet. Aufgeblähte Dosen sollte man am besten gar nicht öffnen, sondern sofort entsorgen und keinesfalls davon kosten, denn das Bakterium ist hochgiftig. Auch stechender, verwester oder fremder Geruch deutet auf Verderb hin.

Früchte einfach einfrieren

Die wichtigste Grundregel: Waschen Sie Obst und Gemüse erst unmittelbar vor der Verwendung. Viele Fruchtsorten besitzen eine natürliche Schutzschicht, die vor Austrocknung und Verderb schützt. Auch der Stiel sollte bis zur Zubereitung dranbleiben. Lagern Sie einzelne Obst- und Gemüsesorten immer getrennt, viele davon verströmen Reifegase. Zu viel eingekauft? Verwenden Sie Obst für Müslis, Smoothies, Kuchenbelag und Kompott oder frieren Sie es ein, um später Marmelade daraus zu machen.

Kein Stress mit Süßigkeiten

Die Wahrscheinlichkeit, dass Süßigkeiten auf Basis von Zucker (Gummibonbons, Kaugummi, Dragées, etc.) verderben, ist sehr gering – handelt es sich doch bei Zucker um ein exzellentes Konservierungsmittel. Daher gibt es bei diesen Süßigkeiten auch kein vorgeschriebenes Haltbarkeitsdatum. Einzig Füllungen können verderben. Süßigkeiten trocken, luftdicht verpackt und vor Hitze geschützt lagern, damit sie keine Fremdgerüche annehmen und nicht schmelzen oder zusammenkleben. Normale Raumtemperatur stellt kein Problem dar.

Rezept: Süßes Restl-Crumble

Zutaten

Pro Person 300 bis 400 g nicht mehr ganz frisches Obst, ca. 5 Esslöffel Wasser; Für das Crumble (Streusel): 60 g Bio-Weizenvollkorn- oder Dinkelvollkornmehl, ca. 40 g Butter, ca. 20 g Zucker

Zubereitung

Backofen auf 180 °C Heißluft oder 200 °C Unter-Oberhitze vorheizen. Obst in nussgroße Stücke schneiden und in einer flachen, ofenfesten Form verteilen. Mit Wasser übergießen. Für das Crumble  Butter auf geringer Stufe schmelzen. Vom Herd nehmen. Restliche Zutaten schlampig unterrühren, sodass Streusel, also kleine Krümel entstehen. Streusel über dem Obst verteilen, Crumble auf die unterste Einschubleiste des Backofens stellen und ca. 30 Minuten backen.

Rezept: Pikante Restl-Tortilla

Zutaten

1 EL Öl oder Butter, 2–3 Handvoll Gemüsereste (klein geschnitten), beliebige weitere Reste, beliebige Kräuter und Gewürze (Chili, Knoblauch, Schnittlauch, etc.), ½–1 kleine Tasse Milch (ca. 60–120 g), 2–3 Eier, Kräutersalz, Pfeffer

Zubereitung

Fett in einer Pfanne erhitzen und das  Gemüse bei mittlerer Garstufe zugedeckt anbraten. Eventuell Wasser nachgießen, falls es  zu bissfest ist. Danach beliebige weitere Reste mitbraten oder nach dem Braten untermischen. Kräftig würzen. Eier und Milch mit einem Schneebesen in einer Schüssel gut verquirlen und über dem Gemüsemix verteilen. Zugedeckt bei mittlerer Garstufe stocken lassen. Mit Salz, Pfeffer und mit frischen Kräutern abschmecken.