© Alexander Rabl

Spanische Trinkkultur
02/20/2015

Zeit für Sherry

Die besten Zeiten hat der Sherry hinter sich. Schade eigentlich.

Die Geschichte ist so unglaublich, dass sie wirklich passiert sein muss. Und es gibt tatsächlich nicht wenige, die bezeugen, dass sie dabei waren. Außerdem gibt es Bilder. Sie zeigen eine kleine Maus in einem Sherrykeller in Jerez de la Fronteira, die auf eine Leiter klettert, um am Sherry zu nippen. Es sind die Keller von Tio Pepe, berühmter und gleichzeitig einer der größten Sherryproduzenten der Welt. Man würde sich dort noch viele Mäuse wünschen, die weltweit an der Bewältigung der großen Mengen an Sherry arbeiteten. Denn der Verbrauch am Lieblingsgetränk der Bewohner von Jerez geht weltweit nicht eben nach oben. Bei dem Likörwein handelt es sich um einen speziell gereiften Weißwein.
Die vielen Sherry-Kellereien (Bodegas) der Stadt Jerez de la Fronteira, die während der vergangenen Jahrzehnte in Restaurants umgewidmet wurden, zeugen von der großen Produktion, einer noch größeren Vergangenheit, die der Region und den Produzenten einen gewissen Wohlstand brachte. Sherry war im neunzehnten Jahrhundert extrem angesagt. Die Engländer tranken ihn, er durfte in keiner deutschen Hausbar fehlen. Das Hoch dauerte bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts: Man servierte ihn zum Aperitif, wo die Damen Cocktailkleider und die Herren Halstücher trugen.

Sie sehen schon: Sherry ist ziemlich out außerhalb von Jerez und Andalusien. Wobei out in manchen Trinker-Kreisen des Westens bedeutet, dass es wieder in ist. Und im übrigen ist das egal, denn Sherry hat in seiner Vielfalt jedenfalls seine Meriten.

Man nehme sich ein Vorbild an der Heimat des Sherry-Weins, wo sich an jeder Ecke kleine Bars befinden, in denen die Gäste zum Preis eines Euro ein kühlendes Glas vor dem Mittagessen oder am Abend serviert bekommen. Dazu gibt es Kleinigkeiten, also Tapas und man hat im Stehen eine kleine Mahlzeit zu sich genommen. (Die Südspanier nehmen ihr Abendessen erst sehr spät am Abend ein, weshalb nach der Arbeit am frühen Abend ein Snack durchwegs willkommen ist.)

Nicht nur zum berühmten Jabugo-Schinken ist der kühl servierte Fino die ideale Begleitung, sondern auch zu leichten, lauwarmen oder kalten Gemüsegerichten, wie sie in unseren Breiten gerne als Vorspeise serviert werden. Als Begleitung einer Tortilla ist er geradezu ideal. Und sonst?

In Jerez und also auch bei Tio Pepe produziert man nicht bloß die trockene Aperitif-Variante, sondern eine Vielfalt von Sherrys, mit denen man ein ganzes Essen begleiten könnte. (Wobei viele davon in Österreich nicht oder nur schwer zu bekommen sind.)

Die halbsüßen Sherrys passen perfekt zu Fisch und Meeresfrüchten, aber auch zu Snacks wie den beliebten Alici oder mit Sardellen gefüllten Oliven. Überhaupt: Oliven und Sherry, eine Kombination, die ihresgleichen sucht.

Was nebstbei interessant ist, ist die Kombination von süßen Sherrys mit Käsen nach Art des Manchego oder des italienischen Pecorino oder Gorgonzola. Und zu Schokolade gibt es kaum bessere Getränke.

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