Anisschnaps wird trüb, wenn man ihn mit Wasser spritzt.

© Bernd Jrgens/Fotolia

Wissenschaft
09/01/2016

Darum wird Ouzo trüb

Falls Sie sich im Urlaub gefragt haben, warum Ouzo milchig wird: Wissenschafter haben Tropfen beim Verfärben gefilmt.

von Anita Kattinger

Wasser, Alkohol und ätherische Öle – das macht den Geschmack des Nationalgetränks der Griechen und Türken aus. Der geübte Griechenland- und Türkei-Urlauber weiß, dass Ouzo bzw. Raki trüb wird, wenn er mit Wasser gespritzt wird. Aber warum ist das so? Aus Kosmetik-Werbungen kennen wir den Begriff Öl-in-Wasser-Emulsion: Wasser und Öl lassen sich nicht mischen. Das Besondere bei Anisschnaps ist allerdings, dass sich Anisöl in Alkohol lösen kann. Der Schnaps besteht also aus Wasser und einer Alkohol-Anisöl-Mischung. Je trüber die Flüssigkeit, desto mehr Anisöl ist im Schnaps enthalten.

Die Wissenschaft erklärt den Effekt der Trübung durch Reflexion: Wegen besonders kleiner Tröpfchen streut sich Licht – man kann durch den an sich glasklaren Schnaps plötzlich nicht mehr hindurch sehen. Wissenschafter der Universität Twente in Enschede wollten es aber genauer wissen und stellten sich die Fragen, woraus die Licht streuenden Tröpfchen genau bestehen und warum sie erst nach dem Spritzen mit Wasser entstehen, wie die FachzeitschriftPNASberichtet.

Mit Wasser spritzen: Das passiert im Glas

Durch das Hinzufügen von zusätzlichem Wasser gerät die spezielle Mischung aus dem Gleichgewicht: Das Wasser stößt das Öl ab, das sich daraufhin zu winzig kleinen Tröpfchen bildet. Die Wissenschafter filmten einzelne Ouzo-Tropfen dabei, wie sie sich langsam trüb verfärbten. Die Verfärbung gelang allerdings ganz ohne Zugabe von Wasser, da Alkohol an der Luft verdunste. Der sogenannte Ouzo-Effekt trat ein.

Zuerst gingen die Wissenschafter davon aus, dass der Alkohol am Rande des Tropfens leichter verdampft. Allerdings sieht man in dem Video, wie immer mehr Alkohol wegen der starken Strömung zum Rand fließt. Am Rand lagern sich mit der Zeit immer mehr Öltröpfchen ab, bis in der Mitte nur noch Wasser ist und die Flüssigkeit wieder klar wird. Der Ouzo-Effekt schaltet sich quasi wieder von selbst aus.

Die Wissenschafter benötigen die Erkenntnisse unter anderem für die Herstellung von Solarzellen aus Flüssigkeiten.

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