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Handy
02/15/2017

Wiener Gastronomin verlangt Entgelt für Strom

Das Terrassencafé im Hundertwasserhaus verrechnete für das Anstecken des Handys einen Euro.

von Anita Kattinger

Erst vergangene Woche hatte es Aufregung wegen einer Rechnung für einen stornierten Tisch gegeben – jetzt überrascht eine Wiener Gastronomin mit dem Verrechnen der Stromkosten, weil ein Gast sein Handy mehrere Stunden im Restaurant auflud und es währenddessen benutzte.

Am Montagabend hatte sich eine Hundertwasserhaus-Besucherin in das dortige Terrassencafé gesetzt und im Laufe des Abends vier Spritzer konsumiert. Während dieser Zeit lud sie ihr Smartphone auf. Später postete sie die Rechnung auf ihrem privaten FB-Account: Die Gastronomin hatte ihr einen Euro verrechnet und dies ordnungsgemäß unter dem Begriff "Strom" in die Registrierkasse eingebucht.

Im Interview mit dem KURIER erklärt Restaurant-Chefin Galina Pokorny ihre Gründe: "Ich mache das nicht immer: Aber wenn ein Gast länger als zwei Stunden Strom konsumiert, verrechne ich einen Euro. Jeden Tag sitzen Massen von Touristen bei mir, die ihre Handys, Kameras und Tablets aufladen." Pokorny kann sich an den Gast erinnern, die Dame soll vier Stunden in dem Lokal gesessen haben und während des Aufladens mit dem Handy gespielt haben. "Es werden alle auf diese Vorgangsweise aufmerksam gemacht und die Einnahmen stehen ganz offiziell in meiner Buchhaltung. Ich will, dass meine Gäste zahlen, wenn es nicht nur um das Aufladen geht."

Aus rechtlicher Sicht können Gebühren für Strom eingehoben werden, aber nur wenn der Kunde davor zumindest mündlich darauf hingewiesen wurde, hieß es am Mittwoch seitens der Wirtschaftskammer. Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) liegen bisher keine derartigen Fälle vor, wie es auf APA-Anfrage hieß.

Kosten für Strom und Leitungswasser

Vor zwei Jahren rechnete das deutsche Jugendmagazin Bravo aus, wie viel das tägliche Laden eines Handys im Jahr kostet. Bei fiktiven Kosten für eine Kilowattstunde in der Höhe von 30 Cent kostet einmal Aufladen 1,17 Euro im Jahr. Das Laden eines Tablets kostet laut dieser Rechnung rund vier Euro im Jahr.

Das Verrechnen von Strom erinnert stark an die Diskussion um Kosten für Leitungswasser in Wiener Kaffeehäusern: Laut einer Studie der Wirtschaftskammer aus dem Jahr 2012 verlangt jeder fünfte Wirt Entgelt für Wasser aus dem Hahn. Allerdings sehen von jenen Wirten, die etwas verlangen, wiederum 80 Prozent Ausnahmen vor, und servieren Wasser zu Kaffee, Wein oder an Kinder kostenlos. 1000 Liter Wasser aus der Leitung kosten in Wien übrigens den Wirt derzeit 1,86 Euro.