Genuss
04.07.2017

Wie Sie Ihren Kaffee im Urlaub richtig bestellen

Trotz Globalisierung gibt es nicht überall einen Cappuccino zu trinken: Der österreichische Kaffeeröster Johannes Hornig klärt über die röstfrischen Gepflogenheiten anderer Länder auf.

Portugal: Milchschaum ist hier unbekannt

Portugiesischer Kaffee ist kurz, heiß und schwarz: Traditionell wird mehrmals am Tag im Lieblings-Café ums Eck ein schneller Espresso getrunken. Eine Besonderheit ist das Fehlen des Cappuccinos, denn die Zubereitung von Milchschaum ist in dem südlichen Land unbekannt. Man hat die Wahl zwischen einem "Cafe" – einem Espresso –, einem "Pingo" – Espresso mit ein wenig Milch – und einem "Meia de Leite" – einem großen Milchkaffee mit einer halben Tasse Milch – oder einem "Gialão" – mit mehr Milch als Kaffee. Für die beiden Milch-Varianten nehmen sich Portugiesen aber viel Zeit.

Spanien: Ob Milch oder Schnaps, hier gibt es alles

Die große Auswahl an Kaffee-Spezialitäten erinnert an Österreich: Anders als hierzulande wird den Kaffeebohnen während des Röstens Zucker zugesetzt, damit die Bohnen karamellisieren. Bevor sie gemahlen werden, werden die torrefacto-gerösteten Bohnen mit herkömmlichen gemischt. Durch dieses Verfahren soll der Kaffee säureärmer und weniger bitter schmecken. "Eine Besonderheit in Spanien ist außerdem, dass der Kaffee anders geröstet wird. Der Robusta-Bohnen-Anteil ist höher und daher ist er meistens auch stärker als in Österreich", so Johannes Hornig, Geschäftsführer von J. Hornig. Wer Espresso trinken möchte, bestellt schlicht einen "Café solo". Ein Espresso mit einem Schuss Milch oder einem Löffelchen Milchschaum wird Cortado genannt. Gewöhnungsbedürftig ist ein "Café Bombón", dieser Espresso wird mit gezuckerter Kondensmilch serviert.

Griechenland: Instant-Kaffee lieber eiskalt als heiß

Auf griechischen Inseln gibt es tatsächlich einen hohen Konsum von Instantkaffee, dieser ist nämlich für den "Café Frappé" unbedingt notwendig. Der Löskaffee, auch nes ( Nescafé) genannt, wird auch zu Hause statt Filterkaffee getrunken. Griechen trinken das eiskalte Sommergetränk sowohl zum Frühstück als auch untertags: Das Pulver wird mit Wasser und Zucker in einem Shaker aufgelöst und mit Eiswürfeln serviert, auf Wunsch wird dieser mit Milch oder Kondensmilch ergänzt. Eisliebhaber können ihn auch mit Vanille-Eis als "Frappé Pagotó" bestellen. Beim klassischen Espresso handelt es sich um einen mehrmals aufgekochten Kaffee – ähnlich einem türkischen Mokka.

Türkei: Zweimal aufgekocht und mit Bodensatz

Einst wurde der ungefilterte türkische Kaffee in einem Kännchen in einem Sandbett einer Feuerstelle erhitzt. Wasser, Zucker und besonders fein gemahlener Kaffee werden in ein spezielles Gefäß gefüllt: Wenn der Mokka zu kochen beginnt und sich an der Oberfläche ein fester Schaum bildet, ist er fertig. Beim ersten Aufkochen wird der Schaum auf die Tassen verteilt, nach dem zweiten Aufkochen wird die Flüssigkeit und der Bodensatz in die Tassen eingeschenkt. Charakteristisch für den Mokka ist daher der Kaffeesatz und dass der Kaffee oft gesüßt serviert wird. Generell gibt es mehrere Kategorien für die Süßungsstärke.

Italien: Cappuccino zum kleinen Frühstück

Bekanntlich richtet sich die italienische Kaffeekultur nach den Tageszeiten: Kaffee mit Milch wird ausschließlich am Vormittag getrunken. Ab Mittag gibt es nur noch Espresso, er ist auch nach jedem Essen ein Muss: Wer allerdings einen starken Kaffee wünscht, der bestellt nicht einen Espresso, sondern einen "caffè doppio". Ob man nun Espresso oder einfach nur "caffè" bestellt, es wird eine italienische Röstung mit wenig Säure und Koffein serviert. Für diesen wird Wasser unter hohem Druck (9 bar) durch ein sehr fein gemahlenes Kaffeepulver gepresst. "Eine italienische Eigenart ist auch die Konzentration des Kaffees, je weiter man nach Süden kommt, desto schwärzer und intensiver wird er. Bestellt wird er allerdings überall in Italien als Caffe", weiß Johannes Hornig. Im Süden bekommt man ihn bereits gesüßt.