Welcher Wein passt zu Mendelssohn-Bartholdy?

Gibt es eine ideale Paarung von Musik und Wein? Nach der Meinung des Grazer Musikprofessors Chia Choiu und dem Sommelier Alexander Koblinger lautet die Antwort ja.
Ein Glas Weißwein steht auf einem schwarzen Klavier.

Darf’s zum Klaviertrio vielleicht ein Glas Wein sein? Aber ja. Ein neues künstlerisches Format war vor kurzem in Wien zum ersten Mal zu erleben. Später Sonntagnachmittag. Der Rittersaal des Palais Niederösterreich in Wien.

Zuschauer sitzen in einem Saal und lauschen einem klassischen Konzert.

Sommerlich gekleidetes Publikum schwänzte den Nachmittag am Teich oder im Bad, um Kammermusik von Eduard Lalo, Kelly Marie-Murphy und Felix Mendelssohn Bartholdy zu lauschen. Allein, sie taten es mit einem Glas Wein in der Hand.

Kein Betrinken mit Musikhintergrund, seriöses Tasting zu ausgewählter Musik der vergangenen Jahrhunderte ist das Ergebnis der Zusammenarbeit zwischen "Voce:Divino" und dem Mastersommelier Alexander Koblinger. "Voce:Dinvino" ist ein Projekt, entwickelt von Chia Chou, Professor für Kammermusik und angewandte Kunst in Graz. Er ist zweifacher Träger des Echopreises, die Mitglieder des Ensembles des Trio Alba gehören zur Zeit zu den angesagten Stars der Kammermusik-Szene.

Gäste sitzen bei einer Veranstaltung mit Weingläsern in einem holzvertäfelten Raum.
Alexander Koblinger muss man heimischen Weinfans oder Stammgästen des Restaurants Obauer in Werfen nicht mehr vorstellen. Der Master Sommelier erreicht in internationalen Wettbewerben zum Thema Weinerkennen und Weinservice regelmäßig tolle Plätze. In Werfen sucht er die Weine zu den komplexen Gerichten von Karl und Rudi Obauer aus.

Für "Voce:Divino" hörte er sich in die Musik so lange ein, bis ihm ein Wein einfiel, der durch das gleichzeitige Hören der ausgesuchten Stücke noch an Qualität gewinnen würde.

Mehrere Flaschen Rully 2008 von Domaine Vincent Dureuil stehen auf einem Tisch mit Weingläsern.
Was im Hirn passiert, wenn geschmackliche und akustische Eindrücke gleichzeitig wahrgenommen werden, ist in jüngster Zeit auch Gegenstand der Forschung. Nur soviel: Dass etwas passiert, steht außer Zweifel. Wer schon einmal in einem heimischen Spitzenrestaurant der Durchschnittsmusik aus der Konserve zum Haubenmenü lauschen musste, weiß, was gemeint ist.

Ein paar Takte Beethoven zum Riesling sollten dann auch den Riesling bitterer schmecken lassen. Nur bei diesem Detail konnte der Autor dem Professor nicht gleich folgen.

Zur Musik von Eduard Lalo passte Koblinger ein Riesling vom Weingut Neumayer aus dem Traisental, Jahrgang 2008. Zu den zackigen Eindrücken des Stücks von Kelly Marie-Murphy, die an die Filmmusik der Hitchcock-Streifen aus den 50er Jahren erinnert, war es ein mineralischer Burgunder, ein toller Rully 2008 von der Domaine Vincent Dureuil-Jahnthal und zu Mendelssohn-Bartholdy ein dunkler Shiraz 2010 aus Südafrika vom Weingut Salomon.

Fazit: Premiere hervorragend verlaufen, um Wiederholung wird gebeten.

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