Genuss
04.09.2017

Warum unsere Currywurst besser als die deutsche ist

Würstelstand-König Josef Bitzinger spricht anlässlich des Tags der Currywurst im Interview mit dem KURIER über den Lieblings-Snack der Deutschen.

Die Deutschen lieben sie: die Currywurst. Anders als bei österreichischen Spezialitäten, wo der Senf säuberlich daneben drapiert wird, wird der Mix aus Ketchup, Curry und Worcestersauce oben drauf geklatscht. Wen das nicht stört, der kann sich an dem Berliner Ur-Snack leicht satt essen, denn mit 300 Kalorien und 30 Gramm Fett handelt es sich nicht gerade um eine leichte Speise.

Wie kann es auch anders sein, die Currywurst soll in Berlin erfunden worden sein: Zeit ihres Lebens wollte sich Herta Heuwer erinnern, sie das erste Mal am 4. September 1949 in ihrer Imbissbude am Stuttgarter Platz kredenzt zu haben. Allerdings gibt es bei dieser Geschichte einige Ungereimtheiten und auch andere Deutsche wollen die Erfindung für sich reklamieren – fest steht, dass sich die Gastronomin zehn Jahre später den Mix aus Paprika, Paprikapulver, Paradeisermark und Gewürzen patentieren ließ. 40 Jahre später starb Heuwer – die Zutaten ihres Originalrezepts wurden nie gelüftet.

Und weil die deutsche Kult-Speise heute am Tag der Currywurst ihren 68. Geburtstag feiert, klärt Würstelstand-Betreiber Josef Bitzinger im Interview mit dem KURIER darüber auf, dass auch wir Österreicher auf die Wurst stehen.

KURIER: Können die Wiener mit der Currywurst überhaupt etwas anfangen?
Josef Bitzinger: Sie geht bei uns schon gut, relativ viele Wiener essen sie sogar. Sie wird definitiv nicht nur von deutschen Touristen bestellt.

Und Sie?
Mir schmeck's auch. Wir haben sie schon ewig auf der Karte, ich glaube seit 1999, als ich den Würstelstand bei der Albertina übernommen habe.

In Deutschland handelt es sich um eine nicht gepökelte und nicht geräucherte Bratwurst: Und bei uns?
Der große Unterschied ist, dass wir eine deutlich gewürzte Klobasse servieren. Um es vorsichtig auszudrücken: Die deutsche Variante schmeckt doch sehr indifferent – ein geschmackloses Würstchen. Noch dazu verwenden die Deutschen meistens einen Kunstdarm, da wird das Brät hinein gefüllt und nachdem es fest geworden ist, wird es wieder abgezogen. Das Würstel muss dann in relativ viel Fett gebraten werden.

In Deutschland wird in die Fleischmasse ja auch Currypulver gemischt.
Den Geschmack gewinnen sie aber nur durch die Sauce – und meistens wird in Berlin einfach Ketchup mit ein bisschen Currypulver darüber gegossen. Wir produzieren selber eine richtige Currysauce und geben sie warm über die Wurst, zum Schluss streuen wir Currypulver für ein bisschen Duft darüber.

Schon fast Religion ist die Frage, wie die Currywurst präsentiert wird: geschnitten oder ganz?
Natürlich geschnitten, sonst kann man sie am Würstelstand nicht essen.