Teure Rohstoffe ärgern Süßwaren-Macher

Weltgrößte Süßwarenmessen in Köln gestartet: 1.400 Aussteller aus 67 Ländern.

Nougat mit Salznote, Salmiak-Schokolade oder Apfelpürree-Zuckerl: Die weltgrößte Süßwarenmesse ISM ist am Sonntag in Köln mit vielen neuen Geschmacksvariationen und Produkten speziell für Allergiker an den Start gegangen. In Köln zeigen gut 1.400 Aussteller aus 67 Ländern vier Tage lang ihre Trends für das laufende Jahr. Die Hersteller sind nach sinkenden Exporten und wegen deutlich steigender Preise für Rohstoffe wie Zucker, Mehl und Fetten unter Druck. Auch auf den Handel und den Endverbraucher kommen in diesem Jahr nach Branchenangaben Preissteigerungen zu.

Gluten- und laktosefrei

Unter den Neuheiten sind diesmal zahlreiche laktose- und glutenfreie Süßigkeiten und Knabberartikel. Zudem präsentieren die Hersteller aus aller Welt kalorienreduzierte, vegane und vegetarische Produkte. Punkten wollen sie beim Verbraucher auch mit ungewöhnlichen Kombinationen wie Nougat mit salziger Note, Salmiak-gepuderter Schokolade, Gemüse-Chips, Zuckerl mit Apfelpüree oder Pralinen, die auf der Zunge prickeln

Die Deutschen und die Amerikaner essen am meisten Süßes

Deutschland gehört weltweit neben den USA, Großbritannien und den Niederlanden zu den Staaten, in denen am meisten Süßwaren verzehrt werden. 2012 konsumierte ein Deutscher im Durchschnitt knapp 32 Kilogramm Schokolade, Fruchtgummi, Eis, feine Backwaren und salzige Snacks. Die Gesamtproduktion in Deutschland verringerte sich dennoch leicht auf knapp 3,8 Millionen Tonnen und einen Umsatz von 12,5 Milliarden Euro.

Grund für das Minus sind die wichtigen Exporte, die erstmals seit 2005 sanken - laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie um vier Prozent auf knapp 1,7 Millionen Tonnen. Als Ursache nennen die Hersteller stark steigende Rohstoffpreise in der EU, die zu einer Schwächung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit führten.

Der deutsche Verbraucher konnten sich 2012 zwar über die europaweit niedrigsten Preise für Süßwaren freuen, in diesem Jahr rechnet die Branche aber mit einem Anstieg. Der Handel hatte 2012 noch einen Umsatzzuwachs von 2,5 Prozent auf zehn Mrd. Euro verbucht. Die für die Industrie kritische Rohstoffsituation werde aber 2013 auch Handel und Verbraucher erreichen - und das schlägt sich im Preis nieder, prognostiziert der Handelsverband Deutschland HDE.

Partnerland der 43. Internationalen Süßwarenmesse ist Russland, einer der wichtigsten Absatzmärkte Deutschlands außerhalb der EU. Die Süßwarenindustrie ist die drittgrößte Branche der Ernährungsindustrie mit derzeit 220 Herstellern und 49.000 Beschäftigten - nach einem Rückgang um 500 Mitarbeiter im vergangenen Jahr.

Eintritt für Kinder unter 12 verboten

Eine kleine Skurrilität am Rande, die aber auch zeigt, dass man sich schon bewußt ist, dass Süßes im Übermaß nicht so wirklich gesund ist. Kindern unter 12 Jahren ist der Zutritt zur Messe verboten. Babys bis zu einem halben Jahr dürfen getragen werden. So verheißt es zumindest die Webseite der Messe.

Die Trends bei Schokolade und Gummibären

Es ist eine bittere Wahrheit: Das gute alte Bonbon hat langsam ausgedient. Man greift zu Pralinen und anderen Schokoladen, teilweise aus hochwertigen Zutaten. Man könnte auch sagen: Je stärker die Krise, desto größer der Hunger auf Süßes. Aber es soll ethisch und ökologisch korrekt sein. Allergien und Unverträglichkeiten werden von den Produzenten immer ernster genommen. Die Naschkatzen wollen einfach glutenfrei und ohne Laktose, wenn es sein soll. Ansonsten ist der Hunger auf Süßigkeiten in den Ländern, wo auch Diabetes und Fettsucht auf dem Vormarsch sind, ungebrochen: Amerika und Deutschland. Die Russen entdecken ihre Liebe für Schokolade. Sie gehören zu den wachsenden Märkten für Süßigkeiten. Kakao und Zucker werden immer teurer. Deshalb greifen Produzenten gerne auf billige (und ziemlich ungesunde) Ersatzfette zurück, zum Beispiel Palmöl.
(apa) Erstellt am
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