Weltpremiere: Geflügelfleisch aus der Petrischale

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Foto: Memphis Meats Knuspriges Labor-Huhn.

Mahlzeit: Silicon-Valley-Unternehmen züchtete Hühner- und Entenfleisch im Labor.

Der Hunger auf Fleisch wird immer größer – laut Berechnungen werden im Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Damit wird sich der Fleischkonsum im Vergleich zum Jahr 2000 verdoppeln und die Nachfrage enorm steigen. Die US-Firma "Memphis Meats" hat nun das welterste, in der Petrischale gezüchtete, Geflügelfleisch entwickelt – ein Huhn- bzw. Entenfleischersatz aus Zellen im Labor. Jetzt wurden beide Fleischsorten erstmals verkostet – es soll tatsächlich nach Huhn bzw. Ente schmecken.

Fleisch für die Welt - und für das Weltklima

Meat2.jpg Foto: Memphis Meats Der Markt dafür scheint enorm: In den USA ist Hühnerfleisch beliebt und gilt als wichtige Proteinquelle, Ente wiederum spielt bei chinesischen Konsumenten eine  große Rolle. Mit der Entwicklung des Laborfleischs würde sich die Hühner- oder Entenzucht erübrigen. Die Silicon-Valley-Firma  hat sich auf die Entwicklung von Laborfleisch spezialisiert – ihr erklärtes Ziel ist es, die Art und Weise des Fleischgenusses zu verändern. Der Fleischersatz wird aus Zellen von Tieren hergestellt, aber ohne Mast und Schlacht.  Dies sei gut für die Umwelt und würde den Treibhauseffekt reduzieren, so die Behauptung.

Labor-Rindfleisch: ein wenig zu trocken

Meat4.jpg Foto: Memphis Meats Bereits im Jahr 2016 stellte Memphis Meats ein "In-vitro"-Fleisch-Rindfleischbällchen vor. In fünf Jahren sollen Produkte wie Hamburger, Hotdogs oder eben Ente und Huhn marktreif sein und in den Verkaufsvitrinen liegen. Weltweit wird mit Fleisch aus der Petrischale experimentiert. Im August 2013 präsentierten Forscher der Uni Maastricht einen Burger, dessen Fleisch (Rind) im Labor "wuchs". Das damalige Urteil der Testesser fiel aber etwas zurückhaltend aus: Das Fleisch war zu trocken. Die österreichische Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützer, die den Hamburger exklusiv verkosten durfte, meinte auch, dass dem Fleisch noch das gewisse Etwas fehle. Und das, obwohl die Entwicklung der Kunst-Delikatesse 325.000 Dollar gekostet hatte.  

Für die Pressekonferenz arbeitete das Wissenschafter-Team rund um Mark Post mit einem Showeffekt: Ein Koch bereitete den ersten Labor-Burger vor Publikum zu. Der Erfinder des "Frankenstein"-Burgers erklärt die Herstellung im Labor. Auf die Frage, ob er den Burger seinen Kindern auftischen würde, antwortet er zögernd. So sieht der Stammzellen-Burger im Rohzustand aus. Laut Koch brutzelt das im Labor erzeugte Fleisch genauso wie das Fleisch von einem Rind. Nach wenigen Minuten auf beiden Seiten ist das Laibchen fertig. Bevor die Tester das Fleischlaibchen kosten, wird es abgetropft. Der Burger wird auf einem Teller hübsch angerichtet. Die österreichische Food-Forscherin Hanni Rützler darf als Erste kosten. Sie schmeckt zwar außen Fett vom Anbraten, aber sie ist erstaunt, dass das Fleisch doch recht saftig ist, obwohl es nur aus Muskelfasern besteht. Ihr Fazit: "Kommt sehr nahe an Fleisch heran. Die Konsistenz ist perfekt. Es sieht Fleisch sehr ähnlich." Und weiter: "Ich vermisse Salz und Pfeffer."
(Kurier / GK) Erstellt am
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