Genuss
21.08.2017

Genial: Milchkapseln, die sich im Kaffee auflösen

Weniger Müll: Wissenschafter der Uni Halle entwickelten Milchkapseln für die Espressomaschine.

Umweltschützer sehen Espressokapseln angesichts der steigenden Müllberge besonders kritisch. Eine durchschnittliche Kapsel besteht aus zwei bis drei Gramm Verpackung und sechs bis sieben Gramm Kaffee – die Hälfte des Produktgewichtes ist also Verpackung. Zum Vergleich: Bei einer 500-Gramm-Packung Kaffee macht die Verpackung rund 15 Gramm aus.

Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) wollen jetzt das Verpackungsproblem gelöst haben: Sie entwickelten eine Milchkapsel mit einer löslichen Hülle – werden die Kapseln in ein heißes Getränk gegeben, lösen sie sich von selbst auf. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um Zuckerwürfel, die mit Milch oder Kondensmilch gefüllt sind. "Durch ihre Zuckerkruste haben die Kapseln eine Verpackung, die sich in heißen Flüssigkeiten einfach auflöst", sagt Martha Wellner, die das Verfahren im Rahmen ihrer Promotionsarbeit entwickelte. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Chemical Engineering & Technology veröffentlicht.

Bei Raumtemperatur drei Wochen haltbar

Für die Produktion der speziellen Kapseln stellten die Forscher eine Lösung aus Milch und dem gewünschten Zucker her, die in eine Form gegossen wird. Während des Abkühlens der Lösung wandert der überschüssige Zucker an den Rand und es bilden sich Kristalle – im Inneren bleibt die Lösung flüssig. Die Kapseln können in verschiedenen Formen hergestellt und bei Raumtemperatur gelagert werden, in der kristallinen Form hält sich die Milch mindestens drei Wochen. An einer ungesüßten Milch-Variante arbeiten die Forscher bereits: "Unser Verfahren lässt sich auch für andere Flüssigkeiten einsetzen. Wir können zum Beispiel Fruchtsaftkonzentrat einkapseln", so Wellner weiter. Laut den Forschern könnte das Verfahren als mögliche Alternative für die Verpackung von Kaffeeobers dienen, das gerne in Hotels und Flugzeugen angeboten wird.

Das Verfahren haben die Forscher der Uni Halle bereits 2015 zum Patent angemeldet – noch geprüft werden müsse, ob die Kapseln in großer Stückanzahl produziert werden können.