Genuss
14.10.2017

Salz & Pfeffer: Rien

Mehr als eine Zwischenlösung: Man kann jetzt schon trauern, dass es das "Rien" nur bis Jänner geben wird, oder die Zeit nutzen und möglichst oft hingehen.

Klar ist es schade, wenn ein Wiener Kaffeehaus schließt. Beim „Griensteidl“, das im Juni zumachte, handelte es sich allerdings nicht um das legendäre Original, sondern um einen Nachbau aus dem Jahr 1990. Und es kam etwas Besseres nach: Die Künstlergruppe „friendship.is“ wurde mit der Zwischennutzung beauftragt, worauf Künstler Revkin einen riesigen Wal an die Decke malte, Küche und Bar von den Kreativköpfen des ehemaligen Lokals „Die Liebe“ besiedelt wurden. Mit dem Effekt, dass man in dem temporären „Rien“ jetzt wirklich großartigen Kaffee bekommt und dass Cocktail-Zauberer Hubert Peter Aperitifs mit selbst angesetztem Wermut serviert. Die Karte bietet ein paar Standards wie Gulasch oder Nuri-Sardinen, deren Köstlichkeit mit fermentiertem Dill und einer Paste aus fermentiertem Knoblauch noch drastisch gesteigert wird (€ 8,50). Was die Küche sonst noch kann, bleibt überraschend (Überraschungsmenü in drei, fünf oder neun Gängen € 31/47/78,–), da kommt dann etwa ein Ensemble aus gebackenen Steinpilzen, Herbsttrompeten und Frühlingszwiebel, ein grandioses Schnecken-Gulasch oder eine Wienerische Form der Ceviche mit Lachsforelle und Sauerkraut. Oder Rahm-Fisolen-Kutteln mit Speck oder erstklassiges Schulterscherzl mit Minz-Spinat. Und hoffentlich diese unglaubliche Esterházy-Schnitte der jungen Patissière Viola Bachmayr-Heyda.
Freche, frische, unprätentiöse Gastronomie, wie man sie hier zwischen Kohlmarkt und Hofreitschule nicht erwarten würde. Die Fiaker-Kutscher vom Michaelerplatz sind jedenfalls schon traurig, dass es das „Rien“ nur bis Ende Jänner geben wird.

Rien,
Wien 1, Michaelerpl. 2,
Tel: 0680/309 65 63,
Di-Sa 9-1, So 9-18,
www.rien.at

Max.
Küche 26 35
Keller 6 10
Service 13 15
Atmosphäre 14 15
Preis/Wert 15 20
Familie 4 5
78 100

florian.holzer@kurier.at