Rachel Khoo freut sich auf ein Schnitzel in Wien.

© /Lara Messer

Interview
02/03/2016

Rachel Khoo - diese TV-Köchin müssen Sie kennen

Der britische Koch-Star Rachel Khoo hat eine österreichische Mutter – und kommt zum Opernball.

Sie ist die aktuelle Antwort auf Jamie Oliver. Ihre Kochsendung "Paris in meiner Küche" wird mittlerweile in 15 Sprachen übersetzt, bei uns ist sie auf Sixx zu sehen. Das Geheimnis ihres Erfolges ist eine Mischung aus entwaffnender Fröhlichkeit, Anti-Perfektionismus, erfrischendem Retro-Look und herzerwärmenden Rezepten. Flotte 1,56 Meter Frauenpower. Morgen, Donnerstag, kommt Rachel Khoo auf Einladung von Dominique Meyer zum Wiener Opernball.

"Auch die Menschen sind in Wien so nett."

KURIER: Waren Sie schon einmal in Wien?
Rachel Khoo: Zum ersten Mal kam ich mit der Schule nach Wien, wir besuchten ein Kloster, nicht wirklich prägend (lacht). Auch 2015 war ich auf Kurzbesuch hier, um mein Kochbuch vorzustellen und ich wollte unbedingt wieder zurück. Ich habe acht Jahre in Paris gelebt, vieles hier erinnert mich daran. Diese herrlichen Torten und Kuchen, die Architektur ... ich fühle mich super wohl hier. Auch die Menschen sind so nett. Noch nie kamen so viele Menschen zu einer Signierstunde wie hier.

Was erwarten Sie vom Ball?
Als Mädchen bewunderte ich die schönen Kleider und den eleganten Tanz. Das hat sich nicht geändert. Als ich meiner Mutter von der Einladung erzählte, sagte sie: " Du bist wirklich eingeladen? Nein, das kann nicht sein!"

Was werden Sie anziehen?
Eine Robe von Lena Hoschek: Ich liebe ihre Kleider und habe ein Dirndl von ihr.

"Ein gutes Schnitzel muss sein."

Haben Sie kulinarische Pläne für Wien?
Ein gutes Schnitzel muss sein. Mein Lieblingsgericht aus der österreichischen Küche sind Kasspatzeln. Beim Süßen gehören Marillenknödel, vor allem die meiner Großtante, und Strudel zum Besten. Ich liebe Süßes, nicht umsonst habe ich ein Konditorstudium bei Le Cordon Bleu in Paris gemacht, aber schon als Kind mit meiner Mutter zu backen begonnen. Meine Großmutter hatte ein Strudelbrett, wo man den Teig darüberspannen konnte. Es hat mir immer imponiert, dass sie ihn so lange zog, bis das Muster darunter zu erkennen war.

Ihre Mutter kommt ja aus Österreich, woher genau?
Ja, sie kommt aus Vorarlberg, aus Feldkirch. Manchmal habe ich Probleme, meine Verwandten zu verstehen, aber sie ziehen mich nur auf, weil ich Hochdeutsch spreche. Bei den Kasspatzeln verstehen wir uns dann wieder perfekt.

Wo haben sich Ihre Eltern kennengelernt?
Mein Vater hat in London studiert, meine Mutter war Au-pair-Mädchen und sie haben sich typisch britisch in einem Pub kennengelernt. Ich bin ich London aufgewachsen, dann war ich fünf Jahre in Bayern in der Klosterschule. Dann zurück nach London zum Kunststudium, zwei Jahre machte ich PR und hing mit Mitte 20 einen gut bezahlten Job an den Nagel. Ich packte meine Koffer und fuhr nach Paris, um Kuchen zu backen. Meine Eltern hielten mich für verrückt. Aber man muss etwas riskieren, wenn man gewinnen will.

Haben die Themen Essen bzw. Kochen schon immer eine große Rolle in Ihrem Leben gespielt?
Ja, auf jeden Fall. Aber der Weg zum Kochen führte bei mir über das Backen. Gutes Essen ist meine Leidenschaft, das wurde mir in die Wiege gelegt. In Malaysia, der Heimat meines Vaters, fragt man nicht "How are you?", wenn man sich kennenlernt, sondern "Hast du schon gegessen?".

Als Ihre Mutter hörte, dass Sie eine Koch-Show präsentieren sollen, war sie erstaunt und fragte: Warum soll Dich jemand im Fernsehen sehen wollen? Du bist normal! Stimmt das?
Was ist schon normal? Wie ich mich im Fernsehen präsentiere, so bin ich. Ich bin keine Schauspielerin. Als ich zum ersten Mal gedreht habe, wollte mich die BBC in einen Kurs schicken. Aber der Regisseur sagte: "Rachel, just cook!" Ich habe mir dann einfach vorgestellt, die Kamera wäre eine Freundin und wir plaudern über das, was ich gerade mache. Ich bin nicht so ernst, wenn ich Fehler mache, schneiden wir es nicht raus, sondern lachen darüber. Und das ist wohl das, was die Menschen an meiner Sendung mögen.

"Ich habe einen Piloten gedreht und ihn mit ein paar Schokoladenkeksen an die BBC geschickt."

Eine junge Britin mit malaysisch-österreichischen Wurzeln lebt in Paris und bekommt eine Kochshow bei der BBC – wie wurden Sie entdeckt?
Ich arbeitete gerade an meinem dritten Kochbuch, in dem ich etwas über mein Leben in Paris schreiben wollte. Als es fast fertig war, dachte ich mir, das wäre eigentlich eine ganz nette Sendung für das Fernsehen. Ich habe dann einen Piloten gedreht und ihn mit ein paar Schokoladenkeksen an die BBC geschickt. Das war's!

Haben Sie jemals erwartet, so erfolgreich damit zu werden?
Nein, nie. "Paris in meiner Küche" ist in 15 Sprachen übersetzt worden, dieses Jahr sogar auf Koreanisch. Es macht mir viel Freude, obwohl die Drehtage auch anstrengend sein können. Manchmal drehen wir bis vier Uhr früh. Aber mit ein bisschen Gaudi überlebt man das auch ganz gut. Wenn ich keinen Spaß mehr daran habe, mache ich etwas anderes.

Wie sehen Ihre Pläne aus?
Ich habe in den vergangenen vier Jahren fünf Kochbücher geschrieben und fünf verschiedene Formate gedreht, das war ziemlich turbulent. Dieses Jahr konzentriere ich mich auf meine neue Website khoollect.com. Für mich ist das eine Plattform, auf der ich alles schreiben kann, was mich interessiert – von Reisen über Essen bis zu Mode und vor allem Menschen. Ich würde gerne ihre Geschichten erzählen. Gemäß meines Lebensmottos: Ich mache einfach, was ich will.

Martina Hohenlohe ist Chefredakteurin des Gault Millau – dieses Interview entstand in Kooperation.