Genuss
11/04/2016

Das neue Wein & Co-Restaurant hat eröffnet

Auf 800 qm² eröffnete Heinz Kammerer seinen neuen Flagship-Store. Neu im Konzept: Frühstück und eine coole, moderne Wiener Küche.

Es mag vielleicht ein wenig unfair klingen, aber optisch war so manche Wein & Co-Filiale bereits in die Jahre gekommen. Darum haben sich Heinz Kammerer und das Architektenbüro BEHF ein komplett neues Design überlegt – und das kann was. Industrial-Chic auf 800 qm² mit viel unverputztem Beton, Bacchus-Fresken an der Decke und roten Pölstermöbeln von Wittmann. Und dank getönter, goldener Spiegel lächeln einem die Götter entgegen. Besonders schön geht das Konzept anhand der Wendeltreppe auf: Im Erdgeschoß befindet sich das Restaurant mit einem Sichtfenster zur Küche – hier ist auch der schönste Tisch mit dem Lieblingsplatzerl von Kammerer –, im Souterrain liegt der Shop mit einer feinen Auswahl an Delikatessen. Hier bunkert der Wein & Co-Chef in einem separaten Bereich einen Teil seiner Sammlung, die er seit Sommer verkauft, der KURIER berichtete. Schließlich will der neue 2,5 Millionen Euro schwere Flagship-Store finanziert werden.

Neben dem neuen Interieur, das nicht auf die anderen Filialen ausgedehnt werden soll, setzte Kammerer seine Lieblingsgerichte auf die Speisekarte und holte sich den 33-jährigen Simon Siebdrath, ein ehemaliger Schüler von Haubenkoch Christian Petz, als Küchenchef. Dieser hat mit Martin Kammlander, der für alle Restaurants zuständig ist, eine moderne österreichische Küche umgesetzt.

Eiernockerl von Frau Glomser

Der Tag lässt sich im neuen Wein & Co übrigens mit einem Frühstück starten: Da der Chef auf Croissants von Ströck-Patissier Pierre Reboul bestand, kommt auch ein himmlisch saftiges, knuspriges Mischbrot und ein Blunzenbrot von dort. Den Stehkaffee an der Bar gibt es übrigens um wohlfeile 1,5 Euro, das Butterbrot um 3 Euro. Die teuerste Frühstückskombi ist mit 15 Euro durchaus fair kalkuliert und beinhaltet Semmel, Brot, Kipferl, Saft, Heißgetränk, Brie von Pöhl, Avocado, weiches Ei, Marmelade und Butter. Neben Knuspermüsli, Ham & Eggs gibt es auch Beinschinken von Thum.

Der Renner in den vergangenen Tagen während der Soft-opening-Phase waren aber die Eiernockerl (7 Euro die kleine Portion, 11 Euro die große) nach Frau Glomser. Kammerer: "Die Frau Glomser war 30 Jahre meine Wirtschafterin, die Eiernockerl sind eine Hommage an sie. Das Rezept haben wir von ihr bekommen. Dazu gibt es einen Häuptelsalat mit gezuckerter Marinade nach Wiener Art."

Äpfel im Schlafrock wie bei den Großeltern

Neben dem Wiener Ur-Klassiker finden sich aber auch faustgroße Kärntner Kasnudeln (15 Euro) mit viel brauner Butter, die von einem Kärntner stämmigen Koch perfekt gekrendelt werden, die restliche Küchenmannschaft scheiterte bisher an der Handfertigkeit. Für die Füllung gab's nur eine Möglichkeit: groben Topfen mit viel schwarzer Minze und Kerbel. Eine Portion beinhaltet zwar "nur" zwei Stück, ein Teigpatzerl wiegt ohne Füllung aber stolze 130 Gramm. Nochmal Kärnten gibt es beim Wiener Zwiebelrostbraten von der Kärntner Kalbin (25 Euro), der zart rosa in einer sämigen, Zwiebel-Rotweinsauce serviert wird. Besser kann Wiener Küche nicht schmecken.
Der marinierte Saibling (13 Euro) wird mit eingelegtem Kraut serviert – überhaupt hat sich das Küchenteam auf eingelegtes Gemüse spezialisiert, das in einem Sud aus Chili, Salz, Koriandersamen, Reisweinessig, Zucker und Weißwein eingelegt wird. Nicht typisch wienerisch, passt aber zur Brettljause mit einer Wurst von FleischerStefan Windisch, die eine Kreuzung aus polnischer Pikanten und einer Käsewurst ist. Windisch, aus seiner Fleischerei stammen die Original-Sacherwürstel, hat auch ein würziges Kalbsbratwürstel kreiert, das in einem Brioche-Brot mit Kernöl-Mayonnaise serviert wird (11 Euro). Eine wirklich gelungene Kreation für die Würstel liebenden Wiener.

In den vergangenen Tagen haben die Gäste mehr vegetarische Auswahl urgiert: Wer weder Kasnudeln noch Eiernockerl essen möchte, wird vielleicht mit Äpfeln im Schlafrock glücklich, die hier leider gebackene Apfelringe (7 Euro) heißen: Würden die Äpfel im Schlafrock nicht mit einem Zweigelt-Rahmeis serviert werden, würden diese wie aus Kindertagen schmecken – mit viel Zimtzucker. Oder man wird mit einem karamellisierten Milchreis (7 Euro) glücklich, der mit einem salzigen Karamelleis serviert wird.

Info: Wein & Co, Jasomirgottstraße 3-5, 1010 Wien, Montag bis Freitag 8 bis 2 Uhr, Sonn- oder Feiertag 9 bis 24 Uhr (warme Küche bis 23 Uhr, Frühstück: Montag bis Samstag 8 bis 11 Uhr, Sonntag 9 bis 12 Uhr, Shop: Montag bis Freitag 8 bis 24 Uhr, Samstag, Sonn und Feiertag 9 bis 24 Uhr)

Das Restaurant ist barrierefrei (eine Metallplatte kann vorne bei der Stiege aufgelegt werden – hier hilft das Team, mittels Aufzug gelangt man zu Shop und Toiletten).