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Engpass
08/18/2014

Kubaner schwitzen ohne Bier

Wegen fehlender Braugerste müssen die Kubaner auf ein kühlendes Bier diesen Sommer verzichten.

Ausgerechnet im drittheißesten Sommer in Kuba seit 1951 geht dem kommunistischen Karibikstaat ein kühlendes Getränk aus: Bier ist wegen eines deutlichen Produktionsrückgangs in der größten kubanischen Brauerei Bucanero derzeit Mangelware. Weil es in Geschäften kaum noch zu finden ist, kaufen viele Durstige ihr Bier für viel Geld in den neuerdings legalen kleinen Privatrestaurants, den "Paladares".

"Es war eine Odyssee, Bier für eine Abschiedsparty am Dienstag zu finden", sagte ein chilenischer Auswanderer der Nachrichtenagentur AFP. "Ich bin in halb Havanna in Supermärkte, Tankstellen und Alkoholgeschäfte gegangen, bevor ich es schließlich in einem Restaurant kaufen musste" - für 15 Prozent über Normalpreis. Im Fernsehen sagte ein genervter Kubaner: "Gerade jetzt im Sommer wünscht man sich ein kühles Bier, und man findet keines."

Dieser Sommer ist mit Temperaturen von durchschnittlich 28 Grad Celsius besonders heiß. Kubanischen Medienberichten zufolge geht der Bier-Engpass auf verspätete Importe von Braugerste in den ersten Monaten des Jahres zurück. Allerdings werden auch Hamsterkäufe von Biertrinkern sowie von den boomenden "Paladares" verantwortlich gemacht.

Bucanero, ein Joint Venture des kubanischen Staates und des Brauereikonzerns Anheuser-Busch InBev, produziert vier Marken: Bucanero, Cristal, Cacique und Mayabe. Das Unternehmen hat quasi ein Monopol in Kuba, importierte Biere sind in dem Land Luxusware.

Mojitos und Schokolade bald nur noch für Millionäre?

Die Limette ist eine mittlerweile in jeder Cocktailbar und vielen Haushalten auffindbare Verwandte der Zitrone. Sie dient besonders zum Würzen von Obstsalaten und ist vor allem eine unverzichtbare Zutat für Caipirhinhas und Mojitos.

Ziemlich Pech haben Cocktailfans gerade in den USA. Denn die Limettenernte in Mexiko ist so jämmerlich schlecht ausgefallen, dass der Nachschub immer schwieriger wird. Was sich auf die Preise auswirkt, der KURIERberichtete. Ein Mojito ums doppelte Geld? Da verschluckt sich so mancher Barbesucher.

Und wir haben es mit einer beispielhaften Situation zu tun, wo schlechte Ernten oder andere vom Menschen nicht kontrollierbare Phänomene sich mehr oder weniger merkbar auf unseren täglichen Speisezettel auswirken.

Das leidige Thema Kakao

Für Liebhaber echter Schokolade, also Schokolade mit hohem Kakaoanteil, gab es an den Warenbörsen vor kurzem keine guten Nachrichten: Wegen Missernten und teilweise von den Produzenten verursachten Ausfällen sollen die Preise für Kakao heuer kräftig steigen.

Daneben sind es die Arbeiter auf den Plantagen, die vollkommen zu recht menschenwürdige Entlohnung fordern. Auch die wachsende Lust der Asiaten auf Schokolade macht Kakao bei schrumpfender Produktion nicht eben billiger. "Schokolade könnte bald so etwas wie Champagner werden", hörte man in diesem Zusammenhang von einem Produzenten.

Für die preissensible Masse bedeutet das, dass die Produzenten vermehrt auf Ersatzstoffe für Kakao ausweichen werden. Diese sind zwar nicht unbedingt todbringend, aber deutlich weniger gesund und weniger schmackhaft wie originaler Kakao.

Vom Arbeiteressen in die Luxusabteilung

Nehmen wir Flusskrebse. Vor einigen Jahren waren sie auf Österreichs Tellern so rar wie unheimlich teuer. Nur in wenigen Feinschmeckerrestaurants gab es die kleinen Krabbeltiere aus den Flüssen, man musste damals Unsummen dafür bezahlen.

Das hat sich mittlerweile geändert. Einige hervorragende Züchter sorgen für Nachschub, und die Genießer können zwischen Steirereck, Landhaus Bacher und Steirawirt mit spannenden Kreationen zum Thema Flusskrebs rechnen, ohne sich dafür finanziell ausbluten zu müssen.

Vor mehr als hundert Jahren übrigens gab es in Österreich soviele Flusskrebse, dass es per Dekret verboten wurde, sie Fabriksarbeitern öfter als Mahlzeit zu servieren. So ändern sich eben die Zeiten.

Teurer Shrimpscocktail

Während es für die Freunde von Flusskrebsen gute Nachrichten gibt, müssen Liebhaber eines klassischen Shrimpscocktails vielleicht bald unter steigenden Preisen leiden.

Wie Meldungen zum Beispiel des amerikanischen Bon Appetit zu entnehmen ist, ist der größte Shrimpsexporteur der Welt, Thailand, gerade Opfer einer Seuche namens EMS (early mortality syndrome), die in den Shrimpsbeständen wütet. Die Preise für die trotz mancher zweifelhafter Fütterungsmethoden immer noch beliebten Shrimps könnten sich locker verdoppeln.

Billiges Hendlfleisch

Hühner sollen laut Bon Appetit hingegen billiger werden. Das freut Massenketten wie McDonald's, die ihren Kunden den Schmäh vom gesunden Hühnerfleisch erzählen, ist aber keine gute Nachricht für die Spezies Huhn selbst.

Denn die Zuchtmethoden und die Art der Tierhaltung werden tendenziell noch unethischer und sind bei sensiblen Konsumenten geneigt, sofortigen Brechreiz auszuüben.

Ethik und Empathie für Tiere und Pflanzen sind in der Lebensmittelindustrie allerdings schon lange kein relevanter Faktor mehr, solange die Konsumenten immer mehr vom billigen Fleisch fordern.

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