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Interview
07/05/2013

"Renaissance alter Sorten dank Bio"

AMA-Expertin Karin Silberbauer hofft auf höheres Interesse an alter Obstsorten.

von Anita Kattinger

Eigentlich sollten wir heimische Erdbeeren und Kirschen derzeit in den Supermärkten vorfinden – allerdings ist das schwieriger als gedacht. Der KURIER sprach mit Karin Silberbauer, AMA-Marketingmanagerin für Obst, über den fruchtigen Konsum der Österreicher und die Renaissance alter Sorten.

KURIER: Was ist die Lieblings-Obstsorte der Österreicher und können wir den Bedarf durch heimischen Anbau decken?
Karin Silberbauer: Äpfel, aufgrund der guten Lagerfähigkeit ist heimische Ware das ganze Jahr ausreichend verfügbar.

Die Kirschenzeit neigt sich dem Ende zu, aber in den Supermärkten sieht man vor allem italienische und deutsche Kirschen. Woran liegt das?
Weil der Lebensmittelhandel damit versucht, die sehr kurze Saison der Kirschen zu verlängern, und das ist mit heimischer Ware nicht möglich.

Früher war Dunkelrot ein Zeichen für Reife. Stimmt es, dass Konsumenten vermehrt hellrote Erdbeeren und Kirschen kaufen?
Dies wäre mir noch nicht aufgefallen. Farbe ist zwar ein gewisses Indiz für Reife – in erster Linie hängt die Farbe aber von den Sorten ab. Genauso ist der Geschmack viel mehr von der Sorte als von der Farbe abhängig.

In der Debatte um Regionalität wird gern auf heimisches Obst und Gemüse verwiesen. Ist es in Sachen Klimaschutz wirklich effizienter, eine österreichische Salatgurke im März zu kaufen, die nur dank beheiztem Glashaus wachsen kann?
Die hiesigen Betriebe haben schon aus eigenem Antrieb ein großes Interesse, energieeffizient zu arbeiten – immerhin ist Energie der größte Kostenfaktor in der Produktion. In Wien sind beispielsweise viele Betriebe an die Fernwärme angeschlossen. Man darf bei der Debatte um Regionalität aber nicht vergessen, dass nicht nur CO2 ein Thema ist. Mit regionalen Produkten kauft man ja auch österreichische Produktionsstandards und gesetzliche Vorgaben, wie hinsichtlich Wasserrecht, Sozialstandards und Pflanzenschutz.

Es boomen vergessene und alte Sorten. Stört es Sie denn selber, dass es in den Supermärkten nur fünf Äpfel-Sorten gibt, die nach nichts schmecken?
Uns ist die Renaissance alter Sorten sehr wichtig. Das ist ein ganz enormer Vorteil im Bio-Landbau. Aber prinzipiell gilt auch hier: Es ist eine Abwägung zwischen Ökonomie und Ökologie. Alte Sorten entsprechen oft nicht den Konsumentenansprüchen nach perfektem Aussehen – und das über lange Zeit. Sprich, diese Äpfel würden im Regal liegen bleiben. Und deswegen würde sie der Lebensmittelhandel über kurz oder lang auch aus dem Programm nehmen. Aber es gibt bereits einige kleine Nischen-Programme mit solchen Sorten. Ich hoffe, dass sie auf dem Markt immer mehr Chance bekommen, sich bei den Konsumenten etablieren zu können.

Hat es Ihrer Meinung nach Sinn, dass wir in den Supermärkten Drachenfrüchte und Bananen kaufen können, die überhaupt nicht so schmecken wie in den Ursprungsländern?
Offenbar ist der Bedarf danach da, sonst würde sie der Lebensmittelhandel nicht ins Regal legen. Ich glaube auch, dass viele Menschen gar nicht die Gelegenheit bekommen, Obst mit „Originalgeschmack“ probieren zu können, also vielleicht gar nicht wissen, wie diese im Ursprungsland schmecken. Ich persönlich kaufe solche Exoten gar nicht – 1 Kilo Bananen im Jahr wäre schon viel. Dafür freue ich mich jedes Jahr wie ein kleines Kind auf die ersten Erdbeeren, denn zu diesem Zeitpunkt kann ich nach fünf Apfel-Monaten schon keine Äpfel mehr sehen.

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