“Reserve Roastery“ – so nennt US-Kaffeegigant Starbucks sein neues Geschäftskonzept.

© REUTERS/STEFANO RELLANDINI

freizeit Essen & Trinken
11/11/2019

Kaffeekult(ur) 2.0: Warum Konzepte wie Starbucks funktionieren

Der US-Kaffeeriese Starbucks zeigt vor, wie wir in Zukunft genießen könnten – Österreich holt auf.

von Anita Kattinger

Kalter Dampf entweicht der mit Sauerstoff angereicherten Kaffee-Eiscreme, die Baristas stellen den Espresso auf die beheizte Marmor-Bartheke, meterlange Rohre schießen die Kaffeebohnen durch die riesigen Hallen zu den Rösttrommeln – die neue Erlebniswelt des US-Giganten Starbucks erinnert an die märchenhafte Schokoladenfabrik von Willy Wonka.

Der US-Kaffeeriese will nicht „nur“ Kaffee in Pappbechern verkaufen: Der Gast soll in ein sensorisches Abenteuer eintauchen, und sei es nur für eine Stunde. Diesen Freitag eröffnet der weltgrößte Starbucks in Chicago.

Nach Mailand, New York, Seattle, Shanghai und Tokio handelt es sich um den sechsten Standort des neuen Designkonzepts "Reserve Roastery". Die Strategie gibt dem Konzern recht – der Gewinn legte im Jahresvergleich um sechs Prozent auf 720 Millionen Euro zu. Österreich steht leider nicht auf der Agenda.

Handwerk erleben

Aber wie sieht es hierzulande in Sachen Erlebnisgastronomie aus? Event-Profi Hannes Jagerhofer im Interview mit dem KURIER: "Inszenierungen haben ihre Berechtigung – im Trend liegt Education-Entertainment wie Schau-Bäckereien."

Zaghaft etablieren sich in der Bundeshauptstadt einige prominente Beispiele wie jene von Georg Öfferl oder Gragger & Chorherr (Anm: Eröffnung demnächst), in denen der Gast an das Handwerk des Brotbackens mitten im Gastraum herangeführt wird.

"Freilich reicht es aus, wenn man gut kocht und eine hochqualitative Küche zu einem guten Preis anbietet. Aber der Kunde will mehr als nur sitzen: Es ist ein Erlebnis, wenn ich wie im Wirtshaus Steirereck am Pogusch als Gast in den Keller gehen und den Wein auswählen darf."

Vom Keller an die Bar

Wenn auch nicht auf tausenden Quadratmetern wie Starbucks, aber immerhin auf drei Stockwerken und 800 eröffnete vor drei Jahren der Flagshipstore von Wein & Co in der Wiener Innenstadt: Das Restaurant ist mit einem Sichtfenster zur Küche getrennt, im Souterrain liegt der Shop mit Delikatessen sowie ein Raritätenkeller.

Johannes Vasak, Marketingleiter bei Wein & Co: "Der Gast kann gemeinsam mit den Sommeliers den perfekten Wein zum Essen auswählen und sich diesen direkt aus dem Shop für ein Stoppelgeld im Restaurant oder an der Bar servieren lassen. Die Kunden möchten ihre Eindrücke in den sozialen Medien teilen, und da ist es ein großer Vorteil, wenn man Emotionen wecken und gute Storys schaffen kann."

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