Johannes B. Kerner im Glanz der Sterneköche.

© ZS Verlag / Wolfgang Lehmann

Buch
02/01/2016

Johannes B. Kerner tischt Kochgeschichten auf

Der TV-Moderator stand mit den besten Köchen Deutschlands am Herd – nun gibt es ein Kochbuch.

von Anita Kattinger

Zwei Millionen Zuseher verfolgten jede Woche im ZDF, wie sich fünf Köche an den Herdplatten matchten. An vorderster Front stand Johannes B. Kerner. Seitdem sind einige Jahre vergangen, die Zeit im Kochstudio konnte der 51-jährige Deutsche aber nicht vergessen. In seinem nächste Woche erscheinenden Kochbuch "Kocht!" (ZS Verlag) lässt er Anekdoten Revue passieren.

KURIER: Welche Kindheitserinnerungen verbinden Sie mit Essen?

Johannes B. Kerner: Schnitzel. Immer wenn wir zu meinen Großeltern auf Besuch gefahren sind, haben wir auf einer Raststation Pause eingelegt. Da durfte es auch verpönte Zutaten wie Ketchup geben.

Heute ist Essen hip. Sie sind 1964 geboren: War Ihre Mutter für das Essen zuständig?

Ja, mein Vater war zwar ein leidenschaftlicher Koch, aber meine Mutter war für das tägliche Kochen zuständig. Bei mir ist es ähnlich: Wäre ich für das Bekochen meiner Mannschaft (Anm: vier Kinder) zuständig, wäre die Leidenschaft nicht so präsent. Ich versuche jeden Tag etwas Gesundes und Frisches zu essen, aber ich koche nicht jeden Tag. Hauchdünnes Steak auf Rucola-Salat ist eine feine Sache ohne Aufwand.

Wie hat sich Ihr Essverhalten im Laufe der Jahre verändert?

Als Kind gab es zwei Sachen, die ich nicht essen wollte: Frischkäse und Schinken mit Speckrand. Auch Pilze habe ich lange Zeit nicht gegessen. Mittlerweile esse ich alles. Das Kochen hab ich in einem Kinderkochkurs in Bonn gelernt, für den mich meine Mutter angemeldet hat. Ich hatte unglaublich viel Spaß dort. Mit dem Thema Kochen verbinde ich nicht nur, dass ich in einem Kochtopf rühre. Ich liebe es, Einkaufszettel zu schreiben, mir die Menü-Abfolge zu überlegen, Gemüse zu schnipseln – vor Abwaschen oder Müll rausbringen drücke ich mich nicht. Mich reizt auch die logistische Herausforderung: Einmal habe ich für 19 Personen gekocht, muss aber zugeben, dass ich natürlich etwas getrickst habe. Die Amuse-Gueules und einen grünen Salat hatte ich bereits vorbereitet, dann gab es einen Zander, und die Nachspeise hatte ich ebenso vorbereitet.

Ihre Show wird schon länger nicht mehr ausgestrahlt: Wieso jetzt ein Kochbuch?

Anfangs war es glaubwürdig, wenn ich gefragt habe, wie die Suppe gemacht wird. Aber der Zuschauer hätte mir meine Fragen irgendwann nicht mehr abgenommen. Ich wollte aufhören, als es am schönsten war. Viele Fans sprechen mich noch immer auf die Show an, deswegen das Kochbuch.

Sie haben dieses Wochenende eine Live-Kochshow veranstaltet: Stimmung wie im Stadion?

5500 Zuseher kamen in die Festhalle Frankfurt – die größte Kochshow Deutschlands. Wir wollten anlässlich des 10-Jahres-Jubiläums alle Köche aus unserer Show an die Herdplatten bitten. Spiele-Shows im Fernsehen ja, aber meine Lebensplanung ist keinesfalls, mich als Entertainer von großen Live-Shows zu etablieren.

Wie erklären Sie sich, dass Ihre Kochshow so erfolgreich war?

Weil wir kein Konzept hatten, locker und authentisch waren. Die schönste Geschichte ist jene unserer ersten Folge: Cornelia Poletto schneidet sich in den Finger und ihr erster Satz lautet: "Hat mal jemand ein Pflaster" – das hat gleich von Beginn weg für Lacher gesorgt. Ein Faktor war sicher, dass unsere Köche ehrlich ihre Meinung abgegeben haben. Einmal beschrieb Johann Lafer die Zabaione einer Köchin als süßes Rührei. Nach jeder Show ist das Publikum von den Sitzplätzen aufgesprungen, hat die Küche gestürmt und mit Brot die Saucen aufgetunkt. Die Lockerheit kam gut an.

Backstage muss es doch Streit gegeben haben?

Natürlich gab es auch Konflikte und sogar Tränen hinter der Bühne, aber ich führe das auf die Stress-Situation zurück. Schließlich wurde bei uns nichts rausgeschnitten. Feindschaften gab es nie, aber nicht jeder war mit jedem befreundet.

Ihr bester Küchen-Trick?

Ich hoffe, dass so mancher Glanz der Sterneköche auf mich abgestrahlt hat. Der beste Tipp: Langsam ist noch zu schnell. Sogar Bratkartoffeln können misslingen, wenn die Pfanne zu heiß ist.

Vergangene Woche gab es einen Disput zwischen Tim Mälzer und dem veganen Kochbuchautor Attila Hildmann wegen eines Fotos von einem Schweinskopf, das den Tod von Tieren ins Lächerliche ziehen würde: Verstehen Sie die Aufregung?Tim bezeichnet sich selbst als "Küchenbulle" und ist ein Typ, der gerne nach vorne geht, der dennoch die Dinge sehr differenziert sieht. Ehrlich gesagt hab ich den Kern des Problems nicht erkannt. Vegetarisch zu leben, kann ich mir gut vorstellen, aber vegan zu leben, kann ich mir schwer vorstellen. Das Fleisch neben dem Salat wegzulassen, ist einfach, aber auf Schafskäse zu verzichten, wäre für mich schwierig.

Die Diskussion zeigt, dass Essen zur Religion wird.

Die Freiheit, dass wir essen dürfen und können, worauf wir Lust haben, ist großartig. Aber die Freiheit ist nur so lange eine Freiheit, bis wir anderen vorschreiben, was sie essen dürfen. Wobei das Thema Essen derzeit in den Hintergrund rückt, es gibt wichtigere Themen.

Wie wäre das Match zwischen Kochen und Sport zu Beginn Ihrer Karriere ausgegangen?

Ganz klar: Sportjournalist.

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