Genuss
27.06.2017

Hering könnte infolge des Brexit teurer werden

Beim EU-Austritt der Briten könnten traditionell genutzte Fanggebiete vollständig verloren gehen.

Die deutschen Fischer warnen vor einem möglichen Preisanstieg beim Hering infolge des Brexit. "Das Szenario, dass gerade der Hering teurer wird, ist nicht unrealistisch", sagte der Generalsekretär des Deutschen Fischerei-Verbandes, Peter Breckling, am Dienstag in Bonn. Es müsse bei guten Verhandlungen nicht so kommen, sei aber denkbar.

Die Branche fürchtet, dass beim EU-Austritt der Briten traditionell genutzte Fanggebiete vollständig verloren gehen könnten - und für Ex- und Importe Zölle fällig werden. Bisher dürfen deutsche Fischer in britischen Hoheitsgewässern auf Fischfang gehen. Nach Angaben des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes werden dort 100 Prozent der deutschen Nordseeherings-Quote gefangen.

57 Heringsarten weltweit bekannt

Bereits Anfang des Jahres hatte der Interessensverband Sorgen geäußert, dass Großbritannien nach dem "Brexit" den EU-Staaten die Einfahrt in seine 200-Seemeilen-Zone verwehren könnte. "Unser Ziel ist es, dass durch den Brexit keine Arbeitsplätze gefährdet werden und auch Preissteigerungen für den Verbraucher vermieden werden", hieß es damals. Weiters betroffen sind der Handel mit Makrele, Blauer Wittling, Plattfische und Kaisergranat.

Beim Hering handelt es sich um einen Salzwasserfisch aus dem Atlantik, der Nordsee und der Ostsee – weltweit sind 57 Arten bekannt, unter anderem die Sardine: Durch seinen Fettanteil von 20 Prozent ist er ein sehr kalorienreicher Speisefisch, wovon ein hoher Anteil jedoch auf ungesättigten Omege-3-Fettsäuren entfällt.

So macht der Haubenkoch einen Heringssalat

Kaiserin Maria Theresia wachte noch streng über die Einhaltung der Fastenregeln. Gasthäuser durften an den rund 150 Fasttagen pro Jahr keine Fleischspeisen kochen. Beauftragte Häferlgucker kamen unangemeldet in die Küchen, um die Einhaltung zu überprüfen. Wer dennoch Fleisch servieren wollte, musste diese in separaten Zimmern servieren, wie das Kulinarische Erbe Österreich schreibt.

Zu traditionellen Fastenspeisen zählten einfache Fastensuppen wie Einbrenn- oder Erbsensuppe, Fisch, Erdäpfel, Fastenbrezeln und Fastenbeugeln (ähnlich einem Bagel). Bereits in den Wochen zuvor bietet der Lebensmittelhandel eine große Auswahl von verschiedenen Heringssalaten an: Aus dem Ritual heraus, auf Fleisch zu verzichten, entwickelte sich die Tradition des Heringsschmauses. Hering galt früher als "Arme-Leute-Essen", da der saure Fisch sehr günstig war. Streng genommen verträgt sich ein üppiger Heringsschmaus mit der kirchlichen Fastenzeit nicht: Denn in dieser sind Gläubige dazu aufgerufen, sich in Verzicht zu üben und sich zu mäßigen.

Wiener zelebrieren den Heringsschmaus seit 1850

Zu der traditionellen österreichischen Variante zählen Erdäpfel und Äpfel – die sauren Noten der Äpfel gleichen den besonders fettreichen Hering aus. Diese Spezialität entwickelte sich aus einem italienischen Rezept, er ging aus dem sogenanntenwälschen Salat hervor, für den auch manchmal Sardellen verwendet wurden. Zu den wichtigsten Restaurants, die bereits 1850 einen Heringschmaus veranstalteten, zählten Dommayer in Hietzing, die Sträußlsäle im Josefstädter-Theater, die Sophiensäle, die Redoutensäle und das Sperl. Zwischen den Jahren 1860 und 1880 etablierte sich der Heringschmaus in Wien als kulinarischer Höhepunkt.

Zahlreiche Länder wie Deutschland, Polen oder Schweden kennen den Heringssalat mit unterschiedlichen Zutaten wie Zwiebel, Gurkerl oder Rote Rüben. Engländer laben sich zum Beispiel am Faschingsdienstag, dem letzten Tag vor der Fastenzeit, an Pancakes.

Zutaten für einen Heringssalat nach Helmut Österreicher:

200 g säuerlich-marinierte Heringsfilet in 1cm Würfel geschnitten
2 Stk. säuerliche Äpfel
400 g Erdäpfel, speckig
80 g Essiggurken
40 g angekeimte Berglinsen
30 g Kidneybohnen gekocht und gut abtropfen lassen
60 g Lauch
1EL Kapern
200 g Mayonnaise
200 g Sauerrahm
4 EL feingeschnittenen Schnittlauch
Olivenöl
Meersalz, Honig und Pfeffer

Erdäpfel kochen, schälen, auskühlen lassen und in Würfel schneiden. Lauch blättrig schneiden, und zusammen mit den Linsenkeimlingen in eine Pfanne mit etwas Olivenöl geben. Kurz anschwitzen und überkühlen lassen.

Nun die Äpfel entkernen und in Würfel schneiden. Die Essiggurken und Kapern hacken. Mayonnaise und Sauerrahm gut vermischen und mit allen Zutaten vermischen.

Ca. 3 Stunden stehen lassen und mit Salz, etwas Honig und Pfeffer abschmecken.

Vor dem Servieren mit Schnittlauch bestreuen.