Neuer Eissalon in der Wiener Innenstadt

Ferrari
Foto: Sebastian Wegerbauer <a href="http://www.ferrari-gelato.at/" target="_blank">Ferrari Natural Gelato</a>: ein langer Name für ein kleines Geschäft (Krugerstraße 9, 1010 Wien).

Eine kleine Eis-Manufaktur in der Wiener Innenstadt besinnt sich auf traditionelles Eismachen ohne künstliche Hilfsmittel.

Wer Ferrari hört, denkt an rote Autos. Noch. Wiener denken künftig an Eis. Wenn Pietro über Eis spricht, beginnen seine Augen zu strahlen. Schon als kleiner Bub bekam er große Augen, wenn er in der bekannten Gelateria Zampolli in Triest mithelfen durfte. Seine Eltern betrieben damals das Nachbargeschäft und waren froh über die Neugierde ihre Sohnes. Wie das Leben so spielt, entschied sich der Wahlösterreicher gegen seinen Traum und für eine Laufbahn im Haushaltswarenhandel. Das Thema Eis ließ ihn aber nie wieder los.

Ferrari Foto: Sebastian Wegerbauer In einem kleinen Geschäft in der Wiener Krugerstraße steht Pietro Viscovich nun täglich in der Auslage. Wörtlich gemeint. Denn der Quereinsteiger macht mit seiner Ehefrau Samuela Ferrari in ihrem neu eröffneten Eissalon Ferrari Gelato, den sie liebevoll Eis-Manufaktur nennen, täglich frisches Eis vor den Augen der Konsumenten. Die flüssige Haselnuss-Rohmasse kommt aus dem Piemont, Mandeln und Pistazien aus Sizilien und die Schokolade aus Belgien. Viscovich: "Für drei Liter Eis brauchen wir bis zu 45 Minuten. Es kann also vorkommen, dass nicht alle Sorten im Geschäft verfügbar sind."

Ferrari Foto: Anita Kattinger Dieses Vorgehen könnte durchaus auf Unverständnis stoßen, sind Eis-Konsumenten doch in Wien gewohnt, stets alle Sorten vorzufinden. "Ich bin ein Extremist. In Sachen Geschmack gehe ich keine Kompromisse ein. Wir verwenden keine fertige Mischungen, keine Stabilisatoren und keine Zusatzstoffe, darum hält es auch nicht lange. Frische Milch und frisches Obers haben schließlich ein Ablaufdatum. Unser Eis soll man nicht nur bei heißem Wetter essen, sondern als Dessert ansehen. Wir lagern das Eis auch deswegen in keiner Kühlvitrine, dort würde es nur austrocknen."

Ferrari Foto: Anita Kattinger Für die Fruchteissorten schwört der Eismacher auf Wasser, Früchte und Fruktose. Keine Eier, keine Milch, kein Zucker. Viscovich verdreht die Augen. "Milch würde das Obst überlagern. Nur so bekomme ich Fruchteis, das aus 70 Prozent Frucht besteht." Auch sein Schokoladeneis verträgt keine Kompromisse. "Ein Schokoladeneis muss wie eine Tafel Schokolade schmecken. Ein Ei würde nur den Geschmack verfälschen." So viel Handwerk hat auch seinen Preis. Eine Kugel kostet 2,2 Euro, drei Kugeln kosten 4,6 Euro. Tipp: Unbedingt das Haselnusseis und das Fiocco probieren!

So entsteht Gianduja

Die Vorarbeiten erledigt Pietro Viscovich im Hinterbereich des Eissalons. Das selbst erstellte Rezept liest der Quereinsteiger noch vom Ipad ab, in wenigen Wochen wird er es wohl auswendig können. Acht von 24 Eissorten bestehen aus einer vorgefertigten, gut gekühlten Grundmenge (meistens Zucker und Milch), die mit frischen Zutaten vermischt wird. Für das Gianduja mischt er flüssige belgische Schokolade und die flüssige Haselnuss-Rohmasse in einen Messbecher. Anschließend gießt der Eismacher die Masse mit frischer Bio-Vollmilch und frischem Schlagobers auf. Jetzt muss die Masse mehrere Minuten gut gemixt werden. Für die nächsten Part wechselt Viscovich in die "Auslage" des Geschäfts und bereitet das Eis vor den Augen der Kunden zu. In zwei Cattabriga-Eismaschinen wird das Eis gekühlt und durchgerührt. Für drei Liter Eis braucht er bis zu 45 Minuten. Falls die Lieblings-Eissorte des Kunden gerade nicht vorrätig ist, empfiehlt sich ein Espresso der Turiner Marke Costadoro.

Lieblings-Eissalons der KURIER-Redaktion

Gelateria Valentino, 1050 und 1060
In dem kleinen Eissalon neben der Fleischerei Ringl ist noch alles so, wie es früher war. Hier heißt die Tüte Stanitzel, veganes Eis ist ein Fremdwort und die Reklame könnte genauso gut aus den Achtzigern stammen. Unser Tipp: Das Schokoladeneis hatte eine ausgewogene Balance zwischen Süße und Herbheit, Eier und Fett kamen wunderbar zur Geltung. Das Kokosnusseis schmeckt wegen seiner Milde und Cremigkeit auch jenen, die Kokosnuss hassen. Gumpendorferstraße 105, 1060 Wien Gregors Konditorei, 1050 Wien
Gregors Konditorei nahe der U4-Station Pilgramgasse ist ein echter Geheimtipp. Hier werden nicht nur Kuchen selber gebacken, sondern auch die Eiscremen selber gemacht. Das Hollereis erinnerte an ein tiefgefrorenes Soda-Holler und katapultierte uns in einen Sommertraum, der abrupt endete, als das Eis aufgegessen war. Veganista, 1070 Wien
Die Schwestern Cecilia Blochberger und Susanna Paller eröffneten vergangenes Jahr einen veganen Eissalon und landeten damit einen Volltreffer. Im Veganista erfreuen Eissorten auf Basis von Soja-, Mandel-, Reis- und Hafermilch. Unser Tipp: Weiße Schokolade und Orange-Safran-Olivenöl, dieses mundet fruchtig und weich zugleich. Gelati da Salvo, 1190 Wien
Ein Urgestein im noblen Wien-Döbling - dank der Lage zwischen vielen Schulen kommen vor allem viele Teenager im Gelati da Salvo vorbei. Ohne Übertreibung die besten Fruchteissorten in ganz Wien. Unser Liebling: Apfel. Eisgreissler, 1010 und 1060
Wer hätte gedacht, dass Bedarf nach mehr Eis auf der Mariahilfer Straße besteht. Aber es sieht so aus als würde Shopping Lust auf Eis machen. Egal, ob Rotenturmstraße oder Mariahilfer Straße, unsere Favoriten im Eisgreissler: Erdbeere und Birne - als würde man in tiefgefrorenes Obst beißen, herrlich fruchtig! Tuchlauben, 1010 Wien
Ob es nötig ist, dass traditionelle Eissalons wie das Tuchlauben-Eisgeschäft mit der Zeit gehen? Jedenfalls gibt es hier auch Frozen Yogurt. Das beste Pistazieneis gibt es natürlich südlich von Neapel - jenes vom Tuchlauben kann sich aber sehen lassen und erinnert an das Innenleben von Mozartkugeln. Hoher Markt, 1010 Wien
Die Gelateria Hoher Markt fehlt tatsächlich in keiner Bestenliste. Und das mit Recht: Die ältere Generation schwört auf Malaga und Oberskirsch. Unser Tipp: Topfen! Eissalon am Schwedenplatz, 1010 Wien
Noch lange bevor vegan in aller Munde war, gab es hier laktosefreies Eis. Molin Pradel, der Chef vom Eissalon am Schwedenplatz, überrascht immer wieder mit neuen Kreationen wie Safran-Honig. Unser Favorit: Cappuccino mit Schokostückchen! Tichy, 1100 Wien
Seit den 50ern gehört der Tichy zu Favoriten wie das Schnitzel zu Österreich. 1967 meldeten Kurt und Marianne Tichy ihre Eismarillenknödel zum Patent an. Unser Tipp: Neben den legendären Eismarillenknödel unbedingt das Haselnusseis probieren! Bortolotti, 1030 Wien
In keiner Liste darf Bortolotti fehlen. Zwar sind alle namensgleichen Betreiber miteinander verwandt, die Filialen gehören aber unterschiedlichen Familien. So mancher KURIER-Redakteur schwört auf den Standort bei der Landstraßer Hauptstraße. Bortolotti, 1220 Wien
Für viele Wiener heißt es im Sommer: Zuerst die Abkühlung im Gänsehäufel suchen und dann eine Abkühlung beim Bortolotti ums Eck suchen. Und wer weiß nicht, dass Eis nach dem Schwimmen noch besser schmeckt. Polly's Eis, 1200 Wien
Polly's Eissalon am Friedrich Engelsplatz können Sie gar nicht übersehen. Seit 30 Jahren wird hier Eis verkauft und nicht nur das. Unser Tipp: Eispalatschinken bestellen. Eissalon Daniel, 1150 Wien
Niemand kann im Sommer die lange Schlange vor dem Eissalon Daniel übersehen. Für Ur-Wiener gehört sein Eis zu dem besten Wiens, dieses kann auch im Schanigarten genossen werden.
Hütteldorfer Straße  70, 1150 Wien De Rocco, 1180 Wien
Zuerst Besorgungen am Kutschkermarkt erledigen und dann im De Rocco-Schanigarten über exotische Eissorten wie Granatapfel genüsslich streiten. Unser Tipp: Bitterschokolade, leider nur am Wochenende erhältlich.
Kutschkergasse 40, 1180 Wien Enrico, 1230 Wien
Anders als bei den Innenstadt-Eissalons kaufen vor allem Stammgäste ihr Stanitzel im Enrico. Seit 34 Jahren wird in der Erlaaer Straße Eis verkauft, vor wenigen Jahren kamen Pizzen dazu - die kleinsten Gäste sind begeistert.

(Kurier) Erstellt am
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