Fanfare ist zurück und schmeckt wie damals

Fanfare, Revival, zurück, Kult-Süßigkeiten
Foto: Fanfare

Der Lebensmittelkonzern Mars Austria bringt anlässlich seines 50-jährigen Bestehens "das Stück Wiener Backtradition" in die Supermarktregale zurück. Achtung: Nur als Limited Edition.

Die schrulligen Großtanten und Großonkeln bescherten bei Sonntagsbesuchen mit After Eight und Mon Chérie für ausgiebiges Augenrollen angesichts der Schärfe von Minze und Branntwein. Wohlmeinendere Verwandte schenkten lieber Katzenzungen, Mannerschnitten oder die Haselnuss-Röllchen Fanfare – die Kinder der Siebziger und Achtziger dürfen jetzt aufjubeln, denn die Kult-Süßigkeit kehrt als "Limitied Edition" zurück.

Anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums setzt der Lebensmittelkonzern Mars Austria auf die Röllchen, die einst als "Stück Wiener Backtradition" bezeichnet wurden. 1973 führt der Konzern die Nascherei in Österreich ein, Anfang der 90er verschwand dann diese sukzessive vom Markt. Seit dieser Woche ist die Kult-Süßigkeit bei Hofer (2,49 Euro pro 150 Gramm-Packung) erhältlich, bereits seit vergangener Woche bei Billa, Spar und Merkur. Der Vorrat sollte rund zwei Monate reichen. Wie viele Packungen genau in den Verkehr gebracht wurden, wollte Mars Austria nicht verraten.

Die unauffällige Verpackung schaut etwas anders aus als in den 80ern: Das gediegene Holz-Portal, das an Wiener Traditionskonditoreien um die Jahrhundertwende erinnert, ist verschwunden. Geschmacklich kommt die Neuauflage fast an das Original heran: Die Rezeptur ist weniger süß und weniger fett, leider auch weniger nussig. Mars Austria erklärt, dass früher ganze Haselnussstückchen für die Zubereitung der Creme verwendet wurden, wegen strengerer Richtlinien (u.a. Allergene) wird für die Neuauflage auf eine Haselnusspaste zurückgegeriffen.

Aufmerksamkeit durch leidenschaftliche Fans

Bis 2004 produzierte das Mars Austria-Werk in Breitenbrunn für Österreich und Deutschland Fanfare. 14 Jahre mussten Fans auf die Rückkehr warten – mit den Jahren machten u.a. Crispy Rolls (freilich mit Milch-Füllung) und ab 1998 Amicelli dem Kult-Produkt Konkurrenz, übrigens ebenfalls Produkte aus dem Hause Mars, die in der Süßwarenfabrik für den weltweiten Export produziert werden.

Immer wieder sorgen Fan-Gruppen für die Wiedereinführung von kultigen Lebensmittel: Besondere Aufmerksamkeit erfuhr das Absetzen von Tschisi im Jahr 1999 und dessen Revival im Jahr 2013. Innerhalb der ersten Verkaufswoche setzten die Supermärkte 1,7 Millionen Stück des kultigen Eis am Stiel ab. Im Jahr 2015 kehrte schließlich der Plattfuß in Österreichs Kühltruhen zurück.

Kultige Süßigkeiten aus unserer Kindheit

Jedes Kind hatte in den 70er und 80ern seinen Lieblingsgeschmack: Das österreichische Dreh und Trink feiert diesen Mai sein 40-jähriges Jubiläum. Am liebsten wird Kirsche in Österreich getrunken. Die Firma Klosterquell am Fuße des Schneebergs füllt für die bunten Flascherl österreichisches Gebirgsquellwasser ab. Im englischsprachigen Raum heißt die Marke drink and twist. Lange bevor die Erdnussbutter durch amerikanische Sitcoms hierzulande bekannt wurde, bissen wir in das Swedy: ein Riegel aus Erdnusscreme umhüllt von Schokoglasur. Das rot-grün-goldene Stanniolpapier schaut ziemlich retro aus. Swedy gehört übrigens zu Niemetz! Die Sportgummis durften bei keinem Kino-Besuch oder Stadion-Besuch fehlen. Bereits mehr als 80 Jahre sind die fruchtig-sauren Gelee-Zuckerl alt. Die Marke Egger gehört zur nächsten kultigen Marke: Da möchte noch einer sagen, dass früher die schädliche Wirkung von Tabak nicht bekannt war. Eduard Haas III erfand 1927 PEZ, um Rauchern eine "gesunde" Alternative zu bieten. Daher auch der Spruch: "Rauchen verboten, PEZen erlaubt." Erst in den 50ern erkannte man das Potenzial bei Kindern und entwickelte fruchtige Geschmacksrichtungen und Spender mit Comicfigur-Köpfen. Es gab nur entweder oder oder: Entweder man liebte das Wiener Gebäck oder man hasste den Zuckerschaum in Form von Semmerln und Kipferln. So süß, dass man jedes einzelne Zuckerkorn auf der Zunge spürte. Für das Kaffeekränzchen mit Teddy und Puppe hatte es genau die richtige Größe. Unglaublich, aber wahr: Die Katzenzungen von Küfferle gibt es in Österreich seit 1892. Gut möglich, dass Kaiser Franz Joseph und Sisi sie aus dem Schaufenster kannten. Da sie die Form von Biskotten haben und diese auf Französisch langue-de-chat heißen, bekamen sie den Namen Katzenzungen. Für die ältere Generation gab es nur einen Namen: Manner Stollwerk. Heute heißen sie Manner Karamellen. Sie bestehen aus karamellisierter Kondensmilch. Damals wie heute gibt es sie auch einzeln in den alten Zuckerlgeschäften zu kaufen. Jede Generation merkte sich ihren Preis: 10 Groschen das Stück klingt, als wäre es eine Ewigkeit her. Zum Hause Manner gehört noch ein weiterer Klassiker: Gebrannte Aschantinüsse klingt exotisch, ist aber nur ein anderer Name für Erdnüsse. Manner hüllt sie in knuspriges Karamell. Lange bevor die Kinos auf amerikanisches Eis und amerikanische Schokoriegel umstellten, gehörten die Nüsse zu jedem guten Film. Je Engelhofer - je lieber: Jedes Kind kannte den Spot. Die Wiener Zuckerl durften in keiner Arztpraxis fehlen. Wer es nicht aushielt, lutschte nicht, sondern biss kräftig zu, damit das Fruchtmark herausquoll. Die Orangenlimonade Frucade gibt es seit 1952. Hermes Phettberg verschaffte der kultigen Limonade in den 90ern Aufschwung, indem er fragte: "Eierlikör oder Frucade?". Und natürlich die Schwedenbomben, deren Zukunft dank Heidi Chocolat vorerst gesichert scheint. Die ersten Schwedenbomben entstanden bereits im 19. Jahrhundert in Frankreich! Seit 1929 verkauft die Traditionsfirma Niemetz den süßen Eiweißschaum mit Schoko-Überguss.

(Kurier) Erstellt am
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