Wie der Burgherr im Mittelalter gegessen hat

Rosenburg, Ausstellung, Essen im Mittelalter
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In der alten Schlossküche auf Rosenburg findet eine Sonderausstellung zum Thema "Esskultur im Mittelalter" statt.

Die Küche im Mittelalter war geprägt durch Gegensätze – der Adel speiste Delikatessen, während große Teile der bäuerlichen Bevölkerung mangelhaft ernährt und ständig Hungersnöten ausgesetzt waren. Kunsthistorikerin Alice Selinger stellte in der Schlossküche auf Rosenburg im Waldviertel eine Sonderausstellung zum Thema "Esskultur im Mittelalter" zusammen.

Rosenburg, Ausstellung, Essen im Mittelalter Foto: Lichtstark.com Bereits im Rahmen des historischen Burgtreibens Anfang Mai eröffnete Schloss Rosenburg in der alten Schlossküche die Sonderausstellung "Esskultur im Mittelalter". So lernt man in der Ausstellung die Speisefolge der ausschweifenden Festmähler des Adels kennen: Gefärbte Schwäne oder Hasenfleisch in Form eines Löwen waren auf großen Festen keine Seltenheit. Für die einfache Bevölkerung stellte Haferbrei jahrhundertelang die wichtigste Speise des Mittelalters dar, Brot wurde erst im 13. Jahrhundert zum Hauptnahrungsmittel. Zudem war der gesellschaftliche Rang eines Menschen in der hierarchischen Welt des Mittelalters auch daran zu erkennen, welche Brotsorte er aß.

Die Menschen tranken untertags Wein oder Bier, da dieses weniger oft verunreinigt war als Wasser. Die Klöster leisteten Pionierarbeit im Acker- und Weinanbau, bei der Fischzucht, der Käseproduktion, dem Bierbrauen und der Züchtung von Obstsorten.

Als das Tischtuch noch als Serviette diente

Die Autoren Sonja Stummerer und Martin Hablesreiter widmen sich in ihrem neuesten Geniestreich "eat design" der Geschichte des Esswerkzeugs und der Tischutensilien. Das älteste Tafelgerät ist der Löffel. Schon in der Steinzeit saßen unsere Urahnen mit einem handgeschnitzten Löffel aus Knochen oder Horn bei ihrem Mahl. Bis ins 19. Jahrhundert galten Holzlöffel als kostbarer Besitz, den man ständig bei sich trug. Löffel aus Metall galten sogar als Luxus. Erst die Industrielle Revolution machte den Metalllöffel zu einem Massenbesitz. Der Löffel wird im Unterschied zur Gabel in allen Kulturen verwendet. Den langen Stiel des Löffels verdanken wir wahrscheinlich der Renaissance: Um den Mund trotz Halskrausen zu erreichen, musste der Löffelstiel entsprechend lang sein. Zudem war das Essen aus einer gemeinsamen Schüssel in der Mitte des Tisches mit einem langen Löffel einfacher. Vor rund 4000 Jahren entstanden Messer mit Klingen aus Bronze, Eisen oder Stahl. Als individuelles Esswerkzeug wird das Messer erst seit 500 Jahren verwendet. Ursprünglich stand es nur dem Fürsten oder König zu, das Fleisch am Tisch anzuschneiden. Im Mittelalter stand ein gemeinsames Messer der ganzen Tischgesellschaft zur Verfügung. Wer es benutzte, säuberte es anschließend mit dem Tischtuch. Als es zum individuellen Gebrauchsgegenstand avancierte, übernahm es auch die Funktion einer Gabel. Messer und Löffel bildeten nun das "Besteck" – damit war der Köcher gemeint, in dem Messer und Löffel am Gürtel von Männern steckten. Die Welt teilt sich in Gabel-, Stäbchen- und Fingeresser. Ursprünglich diente die Gabel dazu, das sich die Finger italienischer aristokratischer Damen nicht rot oder blau färbten, wenn sie Obst aßen. Ägypten, Griechen und Römer aßen mit den Fingern. Nur zum Tranchieren verwendeten die Römer einen zweizinkigen Spieß. Die Gabel stammte ursprünglich aus dem Orient, um klebrige Süßigkeiten aufzuspießen. Ende des 16. Jahrhunderts führte König Heinrich III. die Gabel als offizielles Tischgerät ein. Die Kirche verdammte sie als Teufelsspieß und sah ihre Verwendung als Sünde. Das heutige Design der Gabel stammt übrigens aus dem 18. Jahrhundert. Erste Tische entstanden im alten Ägypten aus Stein für Präsentationen. Die Römer verwendeten Tafeln, die nach dem Speisen mitsamt den Essensresten aus dem Raum getragen wurden. Im Barock bekam die feine Gesellschaft Besteck für das Festmahl zur Verfügung gestellt. Damit musste das eigene nicht mehr mitgenommen werden. In der Jungsteinzeit wurden Schüsseln und Becher aus Stein, Holz und Ton fabriziert. In bäuerlichen Kreisen aß man bis ins 20. Jahrhundert aus gemeinsamen Schüsseln. Zu Beginn fing man mit Brotscheiben die Essensreste auf, diese wurden nach dem Mahl verspeist. Später entstanden Teller aus Holz und Metall. Ab der Renaissance bekam jeder Brettchen oder Teller. Die Urform des Trinkgefäßes ist der Becher. Bis Ende des Mittelalters kannte man keine hitzebeständigen Tassen. Als Heißgetränke aufkamen, verbrannte sich die feine Gesellschaft die Finger an Metall-Bechern, Keramik-Becher zersprangen. Um Kaffee oder Tee abkühlen zu lassen, tranken ihn die Noblen aus Untertassen. Mehr spannende Fakten stehen in dem Buch "eat design" (Metroverlag, 39,90 Euro, ISBN: 978-3-99300-152-0).

Info: Esskultur im Mittelalter, Schloss Rosenburg, 1. Mai bis 29. Oktober 2017, 9 bis 17 Uhr (Oktober 9:30 bis 17 Uhr) kosten: 4 Euro pro Person

(Kurier) Erstellt am
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