Genuss
25.09.2017

Das Tian geht an den Weissensee

Christian Halper macht keine halben Sachen: Auch in seinem Hotel am Weissensee wird ab Oktober vegetarisch gekocht. Damit überträgt er das Konzept des Stadt-Restaurants aufs Land – und sorgt jetzt auch dort für Essens-Erlebnisse der Extraklasse.

Wenn Geschmack auf Geld trifft, ist das Ergebnis meist wunderbar.

Im Tian, wird eine Vision gelebt. Christian Halper, ehemals super Superfund-Manager und immer noch großer Finanz-Guru, ist ein Paradiesvogel mit Tiefgang: er lebt die Nachhaltigkeit, die Ressourcenschonung, das Leben mit der Natur. Und dazu gehört auch, dass er sich ordentlich vegetarisch bzw. sehr viel vegan ernährt. Weshalb der Multimillionär nach seinem Ausstieg aus dem Finanzbusiness das vegetarische Luxusrestaurant Tian im ersten Bezirk in Wien aufgebaut hat – und es seither betreibt. Es ist sein Hobby, und noch viel mehr als das.

Wie ernst es Halper mit dem Thema ist, sieht man auch daran, dass er das Konzept der vegetarischen Küche mit 1. Oktober an den Weissensee verfrachtet. Dort hat er vor einigen Jahren den Weissenseerhof gekauft, das Hotel umgebaut, ein Badehaus wie aus dem Bilderbuch errichtet (siehe Bild oben). Die Gäste können hier entspannen, abschalten, kuren und in dieser Idylle am höchsten See Österreichs (kleine Bergseen ausgenommen) wieder zu sich selbst finden. Ab Oktober wird hier also ausschließlich vegetarisch gekocht – und das ist bei Gott keine Drohung.
Es ist nämlich was Besonderes, vegetarische Küche auf dem Land zu erleben. Dort, wo die Kühe auf den Wiesen grasen, die Fische im Weissensee vorbeischwimmen - die besten Zutaten nur einen Steinwurf entfernt sind. Halper hat Mut genug - und diesen offenbar nicht in der Finanzbranche aufgebraucht -, um das Küchenkonzept komplett umzustellen. Denn leicht ist es nicht, die Küche 500 Kilometer von Wien entfernt auf ein vegetarisches Haubenniveau zu bringen. Das Meisterstück ist ihm aber gelungen, gemeinsam mit Hoteldirektor Florian Klinger, ein Spezialist für Gesundheitskonzepte.

Die vegetarische Küche im Weissenseerhof ist mehr als der Wegfall von Fleisch und tierischen Produkten. Der Star ist das Gemüse. Man kommt dabei gar nicht auf die Idee, dass das Gericht durch Fleisch, Fisch oder ein unglückliches Shrimps aufgemotzt werden muss. Denn das Gemüse bekommt starke Unterstützung - vom aromatisch reduzierten Sellerie-Jus, der so gut und intensiv schmeckt, dass man sich fragt, warum der Suppenwürfel je erfunden wurde. Oder von Beilagen wie Brezel-Serviettenknödel oder einem Venere Risotto, serviert mit einer Cremigkeit und Nussigkeit, die man selten findet. Gewöhnungsbedürftig, aber im Trend sind die eiskalt servierten Gemüsesorbets. Der Koch schafft es aber, sie in ihrer Intenstität so stark zu machen, dass sie sogar am Gefrierpunkt allerfeinst schmecken.

Tian - there is another Nature. (Noch) kein offizieller Slogan des vegetarischen Vorzeigebetriebs, sondern eine wunderbare Erfahrung.