Willi Bründlmayer: "Man muss ein Produkt machen, das einem schmeckt."

© /Weingut Bründlmayer

Wein
04/25/2016

Bründlmayer: Der Sir unter den Winzern

Unter den angesehenen Weingütern des Landes sticht der Name Bründlmayer hervor. Das liegt an der Idee, feinen Wein zu machen, die der Vater dem Sohn mitgegeben hat. Und am Wunsch zu träumen.

von Axel Halbhuber

Der Weinskandal war voll im Gange, 1985 war die Reputation österreichischen Rebsafts dahin. Der junge Langenloiser Willi Bründlmayer hatte vor ein paar Jahren das elterliche Weingut übernommen. Er hatte schon die feine Machart des Vaters geschätzt und ging den Weg des sorgfältigen, bedachten Weinbaus weiter. Schon in den ersten Jahren hatte er eigene Ideen umgesetzt, den Verzicht auf chemische Düngung etwa. Und bastelte an großen Weinen. Als nun der Weinskandal tobte, kelterte er gerade Chardonnaytrauben, die weltweit verbreitetste und wichtigste Weißweinsorte. Als dieser Chardonnay ’85 in der Flasche war, nahm ihn ein deutscher Journalist zur wichtigsten Prämierung nach Italien mit, ohne Bründlmayers Wissen.

Im Jahr 1986 kannte man Österreich dann für Glykolwein einerseits. Und für den weltbesten Chardonnay in diesem Jahr andererseits.

"Ich habe das erst im Nachhinein erfahren", sagt Bründlmayer, der sich als Willi vorstellt. "Der Wein war auch längst ausverkauft, aber es kamen viele Liebhaber. Und zum Kosten war noch was da." Dann geschah etwas, das Bründlmayer als weiteren entscheidenden Schritt seines Winzerlebens bezeichnet: Er ließ all die Kenner den Chardonnay verdeckt mit einigen besonders guten Grünen Veltlinern verkosten. Bei den meisten schnitten die Veltliner noch besser ab. Plötzlich war der urösterreichische Wein, der immer als mitteltoll galt, in Mund und Kopf der ganz großen Weinexperten.

"Der Winzer ist nicht so kreativ"

Wenn der 64-jährige Winzer von den ersten Jahren erzählt, von Tüfteleien, Gedanken und Versuchen, versteht man den heutigen Ruf seines Weins: absolute Oberliga, elegant, unaufdringlich, sehr natürlich, nie aufgesetzt. "Das ist so", sagt Bründlmayer und schafft es, nicht überheblich zu klingen. Bestimmt, aber nicht angeberisch. Kraftvoll, aber nicht aufdringlich, würde man es bei Wein nennen. "Wir versuchen, Risken von Vornherein zu vermeiden, die absolute Sauberkeit zu erreichen und das Potenzial aus dem Weingarten möglichst zu 100 Prozent in die Flasche zu bringen."

Wenn Bründlmayer über Wein spricht, geht er ins Detail, als ob er eine Flasche öffnet und jeden Schluck genießt. Er redet dann von Qualität und dass man als Winzer das ganze Jahr Fehler machen kann, von Trauben, die verbrennen, wenn man zu stark Blätter vom Stock nimmt, oder die unter zu viel Laub ersticken. Von zu wenig Luft bei der Gärung, was die Hefe stresst, aber dass zu viel Sauerstoff Aromen killt. "Da verliert man immer etwas an Qualität. Viele glauben, der Winzer ist so kreativ. Der Meinung bin ich nicht. Es ist viel Kleinarbeit, die sorgfältig zu machen ist. Das kreative Element kommt von außen – vom Jahrgang, von der Lage. Wir müssen das möglichst perfekt umsetzen." In der Branche gilt Bründlmayer als Sir, der sein Produkt liebt. Er nickt mit verlegenem Lächeln und ist auch Diplomat, wenn er sagt: "Man muss ein Produkt machen, das einem selber schmeckt."

Das Leben, ein Traum

Die Idee dazu hat der 1952 geborene Willi in die Wiege mitbekommen. Er ist nach seinem Vater Wilhelm senior die zweite Generation, die den Betrieb als reinen Weinbau führt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Gegend verwüstet und die Zeit hart. "In dieser Phase fragten sich meine Eltern: Wovon träumen wir eigentlich? Meine Mutter von Urlaub. Der Vater sagte: Von nichts als von feinem Wein." Die Eltern gaben die klassische Landwirtschaft mit den Tieren auf, um manchmal wegfahren zu können. Und verkauften alle Grundstücke mit fetten, ertragreichen Böden, damals sehr gefragt, und kauften Hanglagen mit trockenen, steinigen Böden, die keiner wollte. Auf denen aber der beste Wein wächst. Bründlmayer nennt das die "Säule des Betriebs" – die besten Lagen der Gegend. "Mein Vater hat gemacht, was seine Passion war. Tollen Wein." Nachdenkpause, ein bescheidenes Lächeln, und: "Das war natürlich damals weniger anerkannt, als es heute ist."
Der Respekt vor dem Werk des Vaters machte 1981 die Übergabe des Betriebs leichter. Bründlmayer hatte Volkswirtschaft in Wien studiert und Weinbau erlernt, teilweise auch im Ausland. "Ich bin in Langenlois im Haus geboren und wollte auch etwas anderes machen und sehen." Ob er sich als Nachfolger mit dem Vater als einem der großen Weinpioniere der Zeit vertragen wird, wusste er nicht. Konnte es sich aber auch nicht mehr überlegen: Als sein Vater einen Schlaganfall erlitt, musste Willi über Nacht in den Betrieb einsteigen.

"Dieser Unglücksfall war hilfreich", sagt Bründlmayer. Ob er Dinge immer so balanciert sieht? "Eine gewisse Reifung hilft, problematische Momente zu überleben. Je länger man lebt, umso mehr weiß man auch, dass das wieder vorbeigeht."

Der Weg zu Bio

Er ging im Betrieb den Weg des Vaters weiter und und änderte doch vieles. "Ich hatte meine Anliegen. Man spritzte damals mit Mitteln, die man nicht einmal einatmen wollte. Ich stellte rasch die Bodenbewirtschaftung um, verzichtete auf wasserlösliche Düngemittel und pflanzte vielfältige Vegetation in den Zeilen, um der Monokultur entgegenzuwirken." Immer unsicher, ob das dem Vater gefällt. "Als er sich regeneriert hatte, nahm er dankbar zur Kenntnis, dass ich so eingesprungen bin. Mein Status war schlagartig anders. So hat er meine Tollheiten akzeptiert." Es ging ja noch immer um feinen Wein. Und die Zeit war jetzt viel reifer dafür. "Feiner Wein war in Mode."

Nach dem Schritt zur biologischen Landwirtschaft wollte Bründlmayer mit Grünem Veltliner anders umgehen, einen großen Wein daraus machen, wie Chardonnay oder Burgunder. (siehe Interview rechts). Als dritten Meilenstein bezeichnet er seine Familiengründung. Und meint nicht nur die Liebe zur Pariserin Edwige, die er 1980 heiratete, und den drei Kindern. Denn seine Frau brachte selbst die Liebe zu Champagner mit. "Es ärgerte mich zunehmend, dass ich nicht herstelle, was meine Frau so gerne trinkt." Da kam wieder seine Sorgfalt ins Spiel: Er vertiefte sich in das Thema, hatte 1989 endlich "perfekte Trauben für bestmöglichen Sektgrundwein", brachte ihn zur Analyse in ein Labor in die Champagne. Und belauschte dort zufällig mit seiner Frau ein Gespräch der Experten: "Hast du den Österreicher probiert, ist doch fantastisch, unsere geben sich kaum mehr Mühe." Trockenes Fazit: "Wir wussten, wir sind gut unterwegs."

Bei Rosésekt ist er Marktführer

Heute ist der Sekt nach traditioneller Methode, den man nur Champagner nennen darf, wenn er aus der Champagne ist, ein Steckenpferd Bründlmayers. So wie davor die großen Veltliner. Beim Rosésekt ist er seit Jahren sogar Marktführer. "Weil wir das als Erste ernst genommen haben. Damals war der meist süßlich, auch aus einem falschen Frauenbild heraus." Die Französin an seiner Seite habe diese dünnen Rosésekte jedenfalls verabscheut. Und wieder quillt es: Rosé dürfe nie aufdringlich sein, die Farbe nur die Andeutung einer Farbe, der Geschmack nach Früchten nur Andeutung eines Geschmacks. Wer so über Wein spricht, meint es ernst. "Wir haben großen Fokus und Sorgfalt investiert. Zum Beispiel pro Kilo Trauben maximal einen halben Liter Wein gepresst, da kriegt man einen ganz eleganten Saft." Nie auswringen, eine klare Angabe für alle Mitarbeiter. "Qualität muss man auch organisieren."

Einen der derzeit so beliebten Sortensekte will Bründlmayer nicht herstellen. Da seien die Aromen immer – richtig – zu aufdringlich. "Man muss nicht alle Moden mitmachen. Aber: Es gibt kein Produktionsverbot. Wenn mein Sohn Vincent einmal einen Riesling-Sekt aus der Lage Heiligenstein machen will, soll er." Der älteste Sohn arbeitet schon im Betrieb. "Und macht großartige Weine aus alten Veltliner-Reben", wie der stolze Vater betont.

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