Genuss
15.02.2018

Behörden schließen McDonald's-Schlachthof

Der Verein Soko Tierschutz veröffentlichte Aufnahmen, wonach Rinder in einem deutschen Schlachthof nicht korrekt betäubt wurden. McDonald's selbst erstattete Anzeige gegen seinen Zuliefer-Betrieb.

Die Fastfoodkette McDonald's und Tierrechtsaktivisten haben nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Verantwortliche eines Schlachthofs in Baden-Württemberg gestellt. Es gehe um den Verdacht des Verstoßes gegen den Tierschutz, teilten das Unternehmen und der Verein Soko Tierschutz mit. Für eine Bestätigung war die Staatsanwaltschaft Mosbach am Mittwoch nicht zu erreichen.

Der Schlachthof in Tauberbischofsheim wurde am Mittwoch von den Behörden geschlossen. Vom Veterinäramt gesichtete Überwachungsvideos hätten Anlass zum sofortigen Handeln gegeben, sagte ein Sprecher des Landratsamts.

Firmenzentrale stellte Produktion sofort ein

Der Schlachthof gehört zur Firma OSI mit Europa-Sitz in Gersthofen bei Augsburg, einem Lieferanten von McDonald's. Täglich wurden dort laut Landratsamt circa 200 Rinder geschlachtet. McDonald's bezog nach eigenen Angaben rund 30 Prozent des Fleisches. OSI kündigte eine Untersuchung und ein erneutes Training bezüglich der firmeneigenen Tierwohlstandards an: "Auch wenn wir das Videomaterial nicht gesehen haben, finden wir die Anschuldigungen beunruhigend und haben die Produktion im Schlachthof (...) vorübergehend gestoppt."

Anlass für die Schließung waren vom Verein Soko Tierschutz mit versteckten Kameras gedrehte Bilder. Darauf ist unter anderem zu sehen, dass sich Rinder beim Einstich in den Hals und beim Ausbluten bewegen – das hält der Vorsitzende Friedrich Mülln für einen Hinweis darauf, dass sie nicht richtig betäubt sind. Er spricht von "verheerenden Tierschutzzuständen".

Auch ein McDonald's-Sprecher sagte: "Die uns vorgelegten Aufnahmen aus dem Schlachthof beinhalten auch aus unserer Sicht gravierende Verfehlungen in dem Schlachtbetrieb. Dies ist für uns nicht akzeptabel."

Der Schlachthof, in dem schon 2015 Mängel angemahnt worden waren, bleibt nun nach Behördenangaben geschlossen, bis die Einhaltung des Tierschutzes sichergestellt ist. Das Bildmaterial aus dem Schlachthof wurde von Soko Tierschutz auch an das Fernseh-Magazin Stern TV übergeben, das am Mittwochabend auf RTL darüber berichten wollte.