Genuss
19.07.2017

Auf diese Schmankerl können Sie im Urlaub stoßen

In der Urlaubszeit gibt es genügend Gelegenheiten, außergewöhnliche Delikatessen wie Kugelfisch oder Vogelspinnen mit viel Knoblauch zu probieren. Teil 2.

Japan: Kugelfisch als Nervenkitzel

"Ich möchte Fugu essen, hänge aber an meinem Leben" – so soll eine japanische Redewendung lauten. Hauchdünn geschnittenes, rohes Muskelfleisch des Kugelfisches gilt in Japan bekanntlich als besonderes Schmankerl. Das Gift wirkt auf die Nerven, kann Lähmungserscheinungen oder sogar einen Herzstillstand hervorrufen: Tatsächlich steht beim Fugu nicht der Geschmack im Vordergrund, sondern der Nervenkitzel. Mehr als ein prickelndes Taubheitsgefühl im Mund sollte es besser nicht sein, sonst sollten Gastronomen die Rettung rufen. Besonders gefährlich sind Eierstöcke und Leber des Fisches, sie enthalten das Gift Tetrodotoxin (TTX). Es gibt rund 20 essbare Kugelfisch-Arten, wobei der Gehalt von TTX je nach Fugu-Art variiert.

Kambodscha: Vogelspinnen mit viel Knoblauch

In Kambodscha gilt Skun als die "Spinnenstadt" schlechthin – in Garküchen können die frittierten Schmankerl von mutigen Touristen gekostet werden. Nach dem Fangen müssen die Giftzähne der Vogelspinnen gezogen werden, danach werden sie gesäubert, mariniert und frittiert. Zu den beliebten Zutaten zählen Zucker, Salz, Knoblauch und Chilli. Der Heißhunger entstand erst in den 70ern, als die Bevölkerung vor den Roten Khmer in den Dschungel flüchteten. Das Schmankerl steht im ganzen Land auf Speisekarten: Im Abgang sollen die Spinnen angeblich etwas kratzend schmecken.

Mexiko: unreifer Kukuruz mit violett-blauem Pilz

Unreifer Kukuruz wäre wohl an sich bereits ein ungewöhnliches Schmankerl – Mexikaner lieben die unreifen Maiskörner jedoch, wenn die von einem Pilz befallen sind. Bei der Delikatesse Cuitlacoche verwandelt der Maisbeulenbrand den Kukuruz in ein violett-blaues bis schwarzes schimmelndes Schmankerl. Mexikaner lieben den süßen Geschmack, der an Trüffel erinnert, und verwenden die spezielle Zutate für zahlreiche Speisen. Übersetzt bedeutet der uto-aztekische Begriff übrigens "Der schlafende Kot".

Norwegen: in Birkenasche eingelegter Trockenfisch

Die Norweger haben sich eine spezielle Weiterverarbeitung des Trockenfisches überlegt: Für den Lutefisk legen sie gewässerten Dorsch mehrere Tage lang in eine Lauge aus Birkenasche ein – so erhält der Fisch eine gelatineartige Konsistenz. Durch diese spezielle Form der Konservierung machten Norweger so den Fisch über die langen Wintermonate haltbar. Nach dem Einlegen wird der Fisch gewaschen und weiterverarbeitet: Vor und zu Weihnachten gilt er als traditionelle Speise, die gerne mit Speck, Erbsenpüree und Erdäpfeln serviert wird. Angesichts seines starken Geruchs und durch den wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahrzehnte, wird der Fisch immer seltener gegessen.

Spanien: in Olivenöl gebackene Seeanemonen

Da Spanien zu den beliebtesten Destinationen der Österreicher gehört, möchte man meinen, die bekanntesten Speisen zu kennen. In Cádiz werden bemehlte und in Olivenöl herausgebackene Seeanemonen angeboten. Von der Konsistenz her erinnern sie an Austern, durch das Frittieren schmecken sie nur noch ein wenig nach Algen und Meer.

Polen: saure Suppe mit Kuttelfleck

Die polnische Kuttelflecksuppe namnes Flaki war bereits im 17. Jahrhundert beim polnischen Kleinadel beliebt. Durch die Donaumonarchie kam die Suppe auch nach Wien, ähnlich wie bei der heimischen Variante ist die Suppe leicht gesäuert und gebunden. Bei Kutteln handelt es sich um in Streifen geschnittene Pansen, dem größten der drei Vormägen. Damit die Innereien überhaupt gegessen werden können, müssen Kutteln vor der Zubereitung gereinigt und mehrere Stunden gewässert werden. Anschließend werden sie dann in Suppen oder Ragouts stundenlang gegart. Mit Essig oder Majoran wird gerne nachgewürzt.

Philippinen: angebrütetes Hühnerei

Balut gilt vor allem auf den Philippinen, in Vietnam, Kambodscha und Laos als Delikatesse: Die angebrütete Hühner- und Enteneier als Delikatesse. Nach neun Tagen wird das Ei durchleuchtet, ob ein Küken darin wächst – als ideal gilt ein Alter der Embyronen von 19 Tagen. Die Balut werden rund 20 bis 30 Minuten gekocht, danach wird das Ei geschält und mit ein wenig Salz oder Sojasauce gewürzt. Das dunkle Fleisch soll ein wenig salzig schmecken, die Körperteile des Embrysos wie Schnabel und Füße sind deutlich zu erkennen. Balut gibt es mit verschiedenen Saucen zudem in Konservendosen zu kaufen.