Genuss 21.12.2012

Am Herd mit Ute Bock

Im „Ute Bock“-Flüchtlingsprojekt in der Zohmanngasse 28 ist kein Platz für Eitelkeiten. Hier geht“s ums Leben und Überleben.


Gekocht hat Ute Bock schon seit 20 Jahren nicht mehr. Sie isst, was da ist. Was die Wiener Tafel liefert, was bei Bäckern oder Cateringfirmen übrig bleibt, was Spender vorbeibringen. Für unsere Kocherei bittet sie einen ihrer Schützlinge um Unterstützung. Malkhaz Phanjakidze aus Georgien empfängt uns mit französischer Kochmütze in einer der Ein-Zimmer-Wohneinheiten. Zwei Familien teilen sich diesen Raum derzeit, für uns haben sie sich auf den Gang zurückgezogen. Auf dem Esstisch stehen Teller mit üppig bunten Vorspeisen bereit: georgische Chatschapuri, kaukasische Tschebureki, gefüllte Paprika, rote Bohnen mit Walnüssen auf Gurkenscheiben.

Für den gelernten Koch stellt die Aufgabe eine mehr als willkommene Abwechslung dar, ist es ihm als Asylwerber doch nicht möglich, einer Arbeit nachzugehen. Seit vier Jahren lebt er mit seiner Familie in Österreich. Frau Bock greift sich den Nudelwalker und rollt den samtigen Teig aus. Darauf jeweils einen Löffel Fülle, dann legt sie den Teigrand behutsam in kleine Falten und drückt ihn oben fest zusammen. Bevor die Täschchen ins kochende Wasser kommen, rührt es Malkhaz noch kräftig um, damit sich die Chinkali fröhlich im Kreis drehen und nicht absinken.

70 Personen beherbergt das Haus in Favoriten zur Zeit. Viele Tschetschenen, Afghanen, Somalier. Außerdem dient es rund 1000 Obdachlosen als Kontaktadresse. Die Chefin führt es mit strengem Regiment, tagtäglich erlebt sie Geschichten, die sich die meisten von uns gar nicht einmal vorstellen können.

Mit ihrer Arbeit hat sich die selbstlose 70-Jährige nicht nur Freunde gemacht. Aber „alle, die auf ein schnelles Ende hoffen, muss ich enttäuschen. Meine Mutter und Großmütter – alle sind um die 90 geworden.“ Weihnachten – was wird gebraucht? Fertiggekochte Speisen? „Nein. Kochen ist auch eine Beschäftigung.“ Lebensmittel ja, sehr gern.


Gibt es einen prägenden Geschmack aus Ihrer Kindheit?
Mutters Eierkuchen mit Zucker habe ich gehasst,
weil’s ihn ständig gab ...
Welche Küche der Welt ist Ihnen am liebsten?
Ich kenn ja nur eine.
Was würden Sie nie essen? Diese ganzen besonderen Viecher, etwa gestopfte Gansln.
Ihr größtes kulinarisches Missgeschick?
Ich tät nie was kochen, von dem ich nicht 100 Prozent
sicher bin, dass es was wird.
Was werden Sie zu Weihnachten essen? Was kommt.

Chinkali

Die Zutaten:

1 kg Mehl (50:50
glatt und griffig)
400 ml Wasser
800 g faschiertes Rindfleisch
2-3 Zwiebeln
2-3 Knoblauchzehen
50 g Petersilie
Salz, Chili getrocknet
gemahlener Kümmel
gemahlener Koriander

Mehl in eine Schüssel geben. Nach und nach gesalzenes Wasser einkneten, bis ein glatter Teig entsteht. 1 Stunde rasten lassen, dabei immer wieder zusammenklappen und flachdrücken. Fleisch mit Zwiebel, Knoblauch, Petersilie fein faschieren, mit 1 Prise Kümmel, 2 Prisen Koriander, Salz und Chili würzen. Ev. etwas Wasser zugeben, die Masse soll saftig sein. Teig in Stücke teilen, 0,5 cm dick auswalken. Kreise ausstechen (5 cm Durchmesser), diese hauchdünn auswalken. Jeweils 1 EL Fülle draufsetzen, den oberen Rand in kleine Falten legen, zusammendrücken, überstehenden Teig abreißen. 5-10 min in Salzwasser kochen.

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( Kurier ) Erstellt am 21.12.2012