Genuss
14.10.2014

Schon mal von Trappistenbier gehört?

Seit hunderten Jahren brauen Mönche: Auch in Österreich gibt es Bier mit Geschichte.

Wir schreiben das Jahr 1074. Sechs Ritter des Heiligem Römischen Reiches empfinden ihre Taten und die Befehle des Kaisers als ungerechte Grausamkeiten. Nach und nach entsagen sie der weltlichen Gewalt des Kaisers und tauschen ihre Waffen gegen schlichte Mönchskutten. In der belgischen Stadt Affligem gründen sie ihre Abtei – und beginnen mit dem Bierbrauen.

So lautet die Legende um dasAffligemBier, das es heute noch gibt. Es ist das älteste von 22 Abteibieren weltweit. Nicht viele Produkte (und Marken) bleiben fast tausend Jahre bestehen. Seit kurzem vertreibt die österreichische Brauunion das belgische Mönchsbier, das mittlerweile dem holländischen Braukonzern Heineken gehört.
Schwechater-Braumeister Andreas Urban bezeichnet das Bier wegen der obergärigen Hefe als typisch belgisches Bier. Das Besondere ist die zweite Gärung direkt in der Flasche. Der Kandiszucker und die Hefe sorgen für eine fruchtige Spritzigkeit. Charmant ist das Einschenkritual der belgischen Mönche: "Für ein intensives Geschmackserlebnis wird nämlich der letzte Schluck in der Flasche geschwenkt und in ein Stamperl gegossen. Dabei handelt es sich um das Hefedepot. So kann man die Seele des Bieres genießen. Würzig, zitronig und fruchtig."

Auch in Österreich brauen Mönche Bier

Was viele nicht wissen, auch in Österreich brauen Mönche Bier: Das oberösterreichischeStift Engelszellbesann sich im Jahr 2012 seiner Wurzeln und kehrte zum Bierbrauen zurück. Dabei handelt es sich um sogenanntes Trappistenbier mit dem begehrten, offiziellen Siegel: Das Bier muss in einem Trappistenkloster oder in naher Umgebung hergestellt werden und der Gewinn darf ausschließlich sozialen Zwecken bzw. dem Orden dienen.

Dank des Siegels unterscheidet sich Trappistenbier von "normalen" Klosterbieren wie dem Affligem. Weltweit gibt es nur zehn Trappistenbrauereien, traditionell handelt es sich um obergärige Starkbiere. Die Trappisten sind ein römisch-katholischer Orden, der sich im 17. Jahrhundert aus den Zisterziensern entwickelte.

Griss um Benno und Gregorius

180.000 Liter brauen die oberösterreichischen Mönche im Jahr. Sie stellen aber keinen Braumeister aus ihren Reihen, sondern holen sich Rat von der Brauerei Hofstetten Krammer, die auf 1229 zurückgeht und als älteste Brauerei Österreichs gilt.Vor allem Amerikaner, Belgier und Franzosen dürstet es nach dem Gerstensaft aus dem österreichischen Kloster. Hans Hofer, Diakon des Stifts Engelszell: "Als wir beschlossen, Trappistenbier zu brauen, stand bei uns die mögliche Einnahmequelle für die Kirchensanierung im Vordergrund. Heuer wurde die Sanierung um 1,4 Millionen Euro abgeschlossen, einen Teil konnten wir durch das Bierbrauen finanzieren."
Die beiden Biere sind nach ehemaligen Äbten des Stiftes benannt. Gregorius und ist ein dunkles, vollmundiges Trippel mit 9,7 Prozent Alkohol. In der zweiten Gärung werden 80 Kilogramm Honig dem Sud hinzugefügt. Am Gaumen dominieren würzige Honig-, Malz- und Weinnoten hervor. Benno besticht durch eine helle, rötliche Farbe – im selben Ton "wie sich das Donautal im Herbst verfärbt" – und eine starke hopfige Note.
Noch heuer soll ein Spezialbier dazu kommen: "Dieses wird nach unserem verstorbenen Bruder Pater Nivard benannt. Es wird mit 5,7 Prozent etwas leichter als die anderen beiden, weil die österreichischen und bayrischen Biertrinker lieber leichte Biere trinken."

Und wer sich immer schon fragte, ob die Ordensmänner den Sud in ihre Gebete miteinschließen, der muss enttäuscht werden: "Wir tun es nicht", erzählt Hans Hofer amüsiert.