
© Roland Unger
25 Jahre Trophée Gourmet
Die Gala anlässlich der Verleihung der Trophée Gourmet gehört zu den wirklich großen Ereignissen der Genuss-Branche.
In einer Zeit, als Österreich gerade zaghaft begann, aus dem kulinarischen Mittelalter zu erwachen und erste Lichtstrahlen in den Dschungel aus Grilltellern, Fertigsaucen und Pastaschutta zu dringen, in einer Zeit, als gutes Essen und Trinkenund die Beschäftigung mit Essen und Trinken überhaupt noch durchwegs als Beschäftigung einer verschmokten, vollkommen abgehobenen Elite betrachtet wurde - in dieser Zeit erfand die damals noch sehr junge Zeitschrift für Essen und Trinken A la carte eine Auszeichnung, einen österreichischen Oscar für die Gastronomie und nannte ihn Trophée Gourmet.
25 Jahre ist das her und allein das Ressort, in dem dieser Beitrag erscheint, spricht dafür, dass sich die Einstellung der Österreicher in punkto Genuss während dieser Zeit doch einigermaßen geändert hat. Der jüngste Event unter diesem Namen fand vergangenen Donnerstag, den 23. Mai statt.
Die Einladungen zu diesem sind seit jeher so begehrt wie ein Tisch im Wiener Steirereck oder im derzeit meistzitierten Restaurant der Welt, dem Celler de Can Roca in Spanien. Na ja, zumindest fast.
Den Küchenchef des Can Roca, Juan Roca, hatten die Veranstalter der Trophée dann auch gleich einmal nach Wien einfliegen lassen, um ihm einen Ehrenpreis zu verleihen.
Die Liste der Ausgezeichneten liest sich wieder einmal wie das Who is Who der heimischen Top-Schaffenden aus Gastronomie, Wein und Produktion. Der oberösterreichische Brotbäcker Helmut Gragger etwa, der schon seit vielen, vielen Jahren in seiner Heimat Ansfelden macht, wofür er erst in Wien richtig berühmt wurde. ("If you can make it there, you can make it anywhere.")
Der Biowinzer Nikolaus Moser, den sie anfangs für verrückt erklärten. Alexander Fankhauser, der mit seinem Restaurant Alexander im Winter Feinschmecker gleich für ein paar Wochen in ein entlegenes Hotel in den Tiroler Bergen anzieht und dort vorkocht, wie man aus Tiroler Klassikern Gerichte des 21. Jahrhunderts machen kann.
Dann Erwin Werlberger, der in Winterstellgut im salzburgischen Abtenau eine unaufgeregte, heimatverbundene Küche hinlegt. Schließlich Simon Xie Hong, dessen On Market sich bereits eine Sekunde nach dem Aufsperren im Frühjahr zum absoluten Renner entwickelte. Als Szene-Gastronom erhielt der Dots-Mann Martin Ho den Preis für das beste Konzept.
Die Moderatorin Barbara van Melle glänzte zum wiederholten Mal mit Charme und Kompetenz. Unter den vielen Größen auf der Bühne fiel der bereits mehrfach ausgezeichnete Heinz Reitbauer sen. auf, der ganz ohne Augenzwinkern tatsächlich den Satz hinkriegte, dass es früher ja viel einfacher gewesen sei, an die guten Produkte zu kommen, sozusagen als "Einäugige unter den Blinden". Da hat das Steirereck ja immerhin große Karriere gemacht, vom Einäugigen zur Nummer Neun auf der San Pellegrino-Liste.
Den zahlreich anwesenden Prominenenten aus der gastronomischen Welt und aus der Welt der Prominenz gefiel das Fest so gut, dass man Mühe hatte, es gegen zwei Uhr früh offiziell für beendet zu erklären.