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freizeit
02/28/2015

Rohrpost

Von Wien nach Salzburg in 15 Minuten? Michael Horowitz über die Zukunft des Reisens und Menschen, die durch Röhren flitzen – die Fantasien des Visionärs Elon Musk.

von Michael Horowitz

Erfinder Elon Musk hat einen neuen Traum. Der Schöpfer der Tesla-Elektroautos und Chef des Raumfahrt-Unternehmens SpaceX will den Verkehr von morgen revolutionieren. Mit einem völlig neuen, futuristischen Transportsystem, seinem Hyperloop-Projekt, will er mit Flugzeugen und Hochgeschwindigkeitszügen konkurrieren: Menschen sollen – wie früher Briefe – in Rohrpostschächten durch Stahlröhren flitzen. Für Ängstliche, die schon im Aufzug Schweißausbrüche bekommen, nicht unbedingt zu empfehlen … Mit bis zu 1.220 Stundenkilometern – schneller als im Flugzeug – sind die mutigen Menschen dann „sanft, als ob man auf Luft fährt“ (Elon Musk) unterwegs. Von Luftkissen stabilisierte Kapseln, in denen pro Abteil 28 Passagiere entspannt und zurückgelehnt sitzen, schießen dann durch eine Röhre. Alle 30 Sekunden soll eine neue Kapsel an einem der Bahnhöfe auf die rasante Reise gehen. Um den bei einem Wahnsinnstempo von mehr als 1.200 km/h massiven Luftwiderstand zu verringern, wird der Druck in der Röhre abgesenkt und ein Mega-Propeller vorne an der Kapsel die Luft wegschaufeln.

Mit diesem Gefährt, das allerdings noch weit von der Realisierung entfernt ist, könnte man die knapp 600 Kilometer lange Strecke San Francisco – Los Angeles in nur 35 Minuten zurücklegen. Heute braucht man für die Reise mit dem unattraktiven Amtrak-Zug inklusive zweimal Umsteigen etwa neun Stunden.

Doch die Visionen des schillernden Selfmade-Millionärs Musk bekommen Konkurrenz: Vor kurzem haben die Bauarbeiten für die California High-Speed Rail, eine Superschnellzugstrecke begonnen. Das 60 Milliarden Euro teure Bahnprojekt soll Reisende nach der Fertigstellung in rund fünf Jahren mit 320 km/h in weniger als drei Stunden von San Francisco nach Los Angeles bringen. Ein längst fälliges Projekt im total veralteten Bahnnetz der USA. Elon Musk kontert: Der von der kalifornischen Regierung forcierte Schnellzug sei langsamer und unsicherer als das Flugzeug – und vor allem etwa zehnmal so teuer wie sein Röhrenflitzer-Projekt. „Das scheint nicht klug für einen Staat, der kürzlich noch vor der Pleite stand“, meinte Musk vor kurzem vollmundig. Und gab bekannt, in Texas eine Hyperloop-Test- strecke zu bauen. Fest steht, dass die Hochgeschwindigkeitszüge der Zukunft für Strecken bis rund 1.000 Kilometer als Alternative zu Auto und Flugzeug die beste Wahl sein werden. Fliegen wird aufgrund der steigenden Sicherheitskontrollen immer mühsamer und der weltweite Verkehrsinfarkt auf Monster-Highways immer kritischer. Mit dem teuersten Zugprojekt aller Zeiten (die Kosten betragen rund 80 Milliarden Euro) will Japan schon bald die Welt beeindrucken: Die Maglev-Magnet- schwebebahn soll in rund zehn Jahren mit bis zu 581km/h unterwegs sein. Ab einer Geschwindigkeit von 150 km/h beginnt der Zug zu schweben – bis dahin rollt er auf einziehbaren Rädern. In nur 92 Sekunden erreicht die Schwebebahn ihre Höchstgeschwindigkeit. Zwischen Tokio und Osaka ist man dann nur mehr etwas mehr als eine Stunde unterwegs – nicht einmal halb so lange wie heute. Phantast Elon Musk plant jedenfalls – sollte sein Hyperloop-Projekt in den USA jemals realisiert werden – auch in Europa neue Reisemaßstäbe zu setzen. Dann würde man in seiner Hochgeschwindigkeitskapsel in etwas mehr als 15 Minuten von Wien nach Salzburg katapultiert werden …

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