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freizeit
01/10/2015

Der Arzt in uns

Winzige Roboter im Körper. Sie erstellen Diagnosen, werden selbstständig aktiv und spritzen Medikamente in kranke Zellen. Michael Horowitz über Nanobots – vielleicht die Hausärzte von morgen.

von Michael Horowitz

Ist unser Hausarzt bald in unserem Körper? Wenn es nach Forschern wie Daniel Levner aus Harvard oder Josef Smolle aus Graz geht, sehen die Ärzte der Zukunft vielleicht anders aus als heute: winzigst kleine Roboter mit beinahe übernatürlichen Fähigkeiten. Die sogenannten Nanobots vollbringen dann wahre Wunder. Mit einer Spritze werden sie in den Körper injiziert. Ihre Bordsensoren steuern den eigenen Computer, die Energieversorgung und ein ausgeklügeltes Navigationssystem. Dabei sind die Mini-Roboter meist nur ein Milliardstel eines Meters, ein Nanometer, groß. Ein Nanometer verhält sich zu einem Meter wie der Durchmesser eines Tennisballs zu dem der Erde: So winzig ist die Dimension, in der sich die Nanomedizin der Zukunft bewegt. Die winzigen Nanobots können problemlos in einzelne Organe und sogar Zellen eindringen. Dort erstellen sie präzise Diagnosen, werden selbstständig aktiv und steuern dann zielgenau Tumore an – um sie zu zerstören oder Medikamente direkt in die kranken Zellen einzuspritzen. Vor allem im Kampf gegen Krebs hoffen Ärzte auf die zügige Weiterentwicklung der Nanomedizin. Mit ungeahnten Möglichkeiten, die man sich bisher nicht vorstellen konnte: Statt Flächenbombardements mit oft unangenehmen Nebenwirkungen werden dann winzige Präzisionswaffen zielgenau im Körper arbeiten – und das Krebsgewebe abtöten. Mittels Kohlenstoff-Nanoröhrchen, die mit einem Chemotherapeutikum beladen sind und im Drug Targeting, dem zielgerichteten Transport in unserem Körper, wirken.

Mancher wird meinen, die Natur hat nicht vorgesehen, dass wir Roboter in uns tragen ...

Auch Prof. Josef Smolle, Rektor der Medizinischen Universität Graz, setzt große Hoffnungen auf die Nanomedizin von morgen: „Diese Kleinheit, die in Summe zu großer Oberfläche bei minimalem Volumen führt, gibt den Partikeln spezifische physikalische Eigenschaften, die die gleichen chemischen Verbindungen in größerer Ausdehnung nicht haben.“ Schon heute profitieren Patienten von den Vorteilen der Nanotechnologie: Mehr als 200 pharmazeutische Produkte befinden sich auf dem Markt oder in klinischer Prüfung. Doch gilt es, Risiken wie die Immunreaktion – aber auch ethische Bedenken – auszuloten. Denn mancher wird meinen, die Natur hat nicht vorgesehen, dass wir Roboter in uns tragen, die auch in das weiterhin größte Rätsel des Menschen, das Gehirn, vordringen. Die Nanobots könnten dann dort direkt mit unseren biologischen Neuronen interagieren, uns intelligenter machen, unser Gedächtnis verbessern und unser Denken beeinflussen. Ein Science Fiction-Szenario, das schon heute zum Nachdenken zwingt. Nanomedizin und Nanomedikamente – die Next Generation der Heilkunde – werden in Zukunft jedenfalls großen Einfluss auf die Gesundheit der Gesellschaft haben. Und unser Leben verändern. Bereits im vergangenen Jahr ist es Wissenschaftlern der Harvard University gelungen, einen Nanoroboter erfolgreich in einem Lebewesen zu testen: Ein winziger Roboter mit DNA wurde in eine Küchenschabe eingeführt. Der Prozessor mit einer Leistung eines Acht-Bit-Rechners – wie ein Computer aus den 1980er-Jahren – könnte die Krebstherapie revolutionieren. Das ambitionierte Ziel der Forscher ist es, mit solchen winzigen Robotern eines Tages Krankheiten mit nie dagewesener Raffinesse zu diagnostizieren – und zu behandeln. Nach Angaben des Harvard-Bioingenieurs Daniel Levner ist es möglich, die Computerleistung in Küchenschaben noch zu steigern. Bei der Nutzung im Körper von Menschen existiert allerdings die Gefahr der Immunreaktion. Doch man ist zuversichtlich, auch dieses Problem zu lösen: Der Computer im Körper soll stabil genug gemacht werden, um die Abwehrreaktion zu überleben. Die Forscher versprechen bereits erste Tests an Menschen innerhalb der nächsten fünf Jahre.

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