freizeit
06/12/2014

Mirakel der Natur

Von Kröten, Nattern, Amserln und Igeln.

von Ernst Molden

Ich fuhr letzten Dienstag in den transdanubischen Garten des Herrn Wilhelm, meines lieben Mitmusikanten, um zu proben. Dieser Garten ist klein, aber wunderschön und irgendwie, naja, total üppig. Immer wenn ich dort bin, erlebe ich so etwas wie ein Mirakel der Natur. Als ich im Vorjahr einmal dort war, ließ der gigantische Marillenbaum, der den wilhelminischen Garten überdacht wie ein Dom, seine Früchte auf den Probentisch fallen. Eine Marille nach der anderen plumpste zwischen uns herab, statt zu singen aßen wir. Letzten Dienstag dann, eine neue Segnung: „Mia hom Kaulquappen“ sagte Herr Wilhelm düster. Ein Blick in den kleinen Teich gab ihm recht: Hier hatte Bufo bufo, die Gemeine Erdkröte gelaicht. Eine gefühlte Fünfhundertschaft von Kaulquappen zuckelte feist und bester Laune durch das kleine Gewässer. Doch damit nicht genug: Im Zuge der Quappeninvasion, sagte Herr Wilhelm, sei eine Ringelnatter aufgetaucht, und davor grause sich Frau Roswitha, seine Liebste, noch mehr als vor Erdkröten. – Und ich, dessen faunabezogene Unerschrockenheit ja weithin bekannt sei, ich möge nun helfen, Quappen und Natter abzusiedeln, am besten in die Alte Donau. Ich studierte den Teich genau und hub sodann zu einem ökologischen Vortrag an: Die Kaulquappen, so sagte ich, würden schon in den nächsten Tagen von der Natter und den ebenfalls anwesenden Teichmolchen sowie Gelbrandkäfer- und Libellenlarven um drei Viertel dezimiert werden. Vielleicht würden noch hundert kleine Kröten den Teich verlassen, von diesen würden abermals drei Viertel in den Schnäbeln und Mäulern von Amserln und Igeln enden. Vielleicht bliebe am Ende nur eine einzige Kröte über, und die wäre dann ein perfekter Schutzgeist und Widersacher gegen Nacktschnecken und grausliche Larven. Die Schlange indes würde mit dem Ende der reich gedeckten Quappentafel von selber wieder weiterziehen. Nachdem ich geendet hatte, willigten Frau Roswitha und Herr Wilhelm ein, den Teich einmal so zu lassen und weiter zu beobachten. Meine Mission war erfüllt. Das Proben höchstens kam ein bisserl zu kurz. Dafür werden die Kaulquappen, wenn Herr Wilhelm und ich von der Tour zurück sind, schon Hinterbeine haben.

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