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freizeit
10/14/2019

Warum werden wir launisch, wenn wir hungrig sind?

Die "freizeit" widmet sich Fragen, deren Antworten überraschen.

von Elisabeth Mittendorfer

Der geeignetste Zeitpunkt, den Redaktionsfrieden zu stören, ist kurz vor der Mittagspause. Wenn die Mägen bereits knurren, ist es wenig ratsam, eine heikle Diskussion anzuzetteln – die kleinste falsche Bemerkung kann dann für Zündstoff sorgen. Doch Hunger reizt nicht nur Journalisten: Den Gemütszustand dürften die meisten auch schon einmal an sich selbst beobachtet haben. Im Englischen gibt es dafür sogar eine Wortschöpfung: "hangry"; eine Zusammensetzung aus "angry" (wütend) und "hungry" (hungrig), die in den 1950ern zum ersten Mal aufgetaucht sein soll. Im Jahr 2015 wurde die Kreation ins "Oxford Dictionary" aufgenommen.

Was also viele aus eigener Erfahrung kennen, griff ein Schokoriegelhersteller mit dem Werbeslogan "Du bist nicht du, wenn du hungrig bist" auf. Keine bloße Einbildung: Zahlreiche Studien konnten einen Zusammenhang zwischen Hunger und Wut feststellen. Diesem zugrunde liegt im Wesentlichen der Blutzuckerspiegel. Er beeinflusst nicht nur die Gehirnleistung, sondern auch, in welchem Ausmaß Stresshormone und der Botenstoff Neuropeptid Y freigesetzt werden. Letzterer reguliert neben Hunger- auch Angst- und Wutgefühle. Nicht nur Hunger entsteht, wenn der Blutzucker sinkt: 2014 konnten US-Forscher belegen, dass auch die Aggression zwischen Partnern steigt. Ablesen konnten sie das an Voodoo-Puppen, an denen die Studienteilnehmer mit Nadeln negative Gefühle zu ihrem Geliebten zum Ausdruck bringen sollten. Das Ergebnis: Am häufigsten durchbohrt wurden die Puppen, wenn der Blutzucker am niedrigsten war.

Schokolade besänftigt

Neueren Erkenntnissen zufolge reicht ein leerer Magen allein für schlechte Laune nicht aus. Kombiniert mit einer ohnehin schon unangenehmen Situation kann uns Hunger aber zu temporär unangenehmen Zeitgenossen machen. Um dem vorzubeugen, empfehlen Ernährungsexperten regelmäßige und ausgewogene Mahlzeiten. Der Schokoteller am Besprechungstisch, der sich ganz zufällig immer wieder wie von selbst befüllt, kann manchmal aber auch Wunder wirken. Das besänftigt selbst den launischsten Kollegen.