freizeit
12/05/2014

Hilfe, Spieleabend!

Über merkwürdige Rituale der Ödnis.

von Guido Tartarotti

Dieser Tage konnte ich nicht anders, als eine Gruppe junger Menschen zu belauschen, die einander von früher bekannt waren und nun in einem Wagen der U4 zufällig wieder aufeinandertrafen. Das Gespräch folgte dem für solche Gelegenheiten zwingend vorgeschriebenen Verlauf: „Bist du eh noch mit dem Ruksi zamm?“ – „Echt? Psychologie? Hat man da Jobchancen?“ – „Mach dir nichts draus, du wirst schon wieder jemanden finden.“ Als man sich fünf Minuten später anschickte, bei der Station namens „Wir müssen uns un-be-dingt öfter...“ auszusteigen, kam etwas für mich völlig Überraschendes: a) Tauschten die tatsächlich Telefonnummern aus, meinten es also ernst mit dem „Unbedingt öfter“; b) Verabredeten sie sich allen Ernstes zu einem „Spieleabend“. Also zu einer Veranstaltung, die für mich eine gefährliche Drohung darstellt, habe ich sie doch als Hochamt der Ödnis und der Resignation vor dem Leben erlebt. Was treibt Menschen um die 20 dazu, sich dem freiwillig auszuliefern?

Diesen Gedanken postete ich auf Twitter – und erntete heftigen Widerspruch: Spieleabende seien lustig, was ich denn habe? Und da war ich zum zweiten Mal schwerst verblüfft. Denn ich hatte wirklich gedacht, „Spieleabend“ sei ein rein kabarettistisches Sujet, so wie „Prostatauntersuchung“ oder „Frank Stronach“, etwas, das nur in Form seiner satirischen Ablehnung existiere. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es jemanden gibt, der sich gerne auf einem Spieleabend aufhält. Ein Fehler, der mir oft passiert: Zu glauben, die anderen seien so wie ich.

PS: Habe bei meiner Freundin nachgefragt. Sie findet, Spieleabende seien schlimmer als Zahnarzt. Aber sie ist ja auch eine Frau, die Schuhe-Einkaufen hasst. Der Verdacht liegt nahe, dass sie auch nicht so ist wie die anderen.

"Das war 2014 ... Ein Jahr im Rückspiegel": Kabarattistischer Jahresrückblick mit Guido Tartarotti, Gerald Fleischhacker, Leo Lukas, Joesi Prokopetz und Verena Scheitz.

10. 12.: Klosterneuburg, Babenbergerhalle (20 Uhr)

12. 12.: Salzburg, Oval (19.30 Uhr)

27. bis 30. 12.: Wien, Stadtsaal (jeweils 20 Uhr, am 28. zusätzlich um 15 Uhr)

www.klosterneuburg.at

www.oval.at

www.stadtsaal.com

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