A gun owner displays a Glock 20, 10 mm Auto pistol in Vienna

© REUTERS / HEINZ-PETER BADER

freizeit trending
08/18/2020

Mann schießt sich in Hoden und wird "König" einer FB-Gruppe

Ein US-Amerikaner folgte Facebook-Trend und schoss sich vor laufender Kamera selbst in seine Hoden.

von David Holzmann

Es gibt für wirklich alles eine Facebook-Gruppe. Das zeigt die private Gruppe "Loaded Guns pointed at [B]enis" ("geladene Waffen auf Penis(e) gerichtet"), in der ein aktueller Fall für Aufmerksamkeit sorgt. Seit Juni posten User Fotos und Videos, in denen die "Waffen-Enthusiasten" ihre Schusswaffen auf ihr bestes Stück halten. Vice berichtete bereits im März darüber. 

An eine solche zu gelangen, ist in den USA bei den aktuell geltenden Waffengesetzen ein leichtes Spiel. Erwachsene, die einen Ausweis oder Führerschein vorzeigen, können in Waffenläden – die es in den USA fast fünfmal öfter gibt als McDonald’s-Fillialen – an eine solche kommen. An manchen Orten kann man Schusswaffen sogar in Supermärkten kaufen.

Am 11. August passierte in einem der Videos das, was vermutlich nur eine Frage der Zeit war: Ein Schuss löste sich.

"Hey Bois, I might have fucked up" ("Hey Leute, ich könnte verkackt haben"), schrieb der User, der vermutlich aus San Diego, Kalifornien (USA) stammt über ein Foto, auf dem seine nackten Beine und Blutspritzer auf Teppich, sowie Boden zu sehen sind.

"I’m not kidding, I just shot myself" ("Ich mache keine Witze, ich hab mich gerade angeschossen"), fügte er hinzu.

In den nächsten Stunden kommentierte er fortlaufend den Vorfall und postete Updates über seinen Zustand. Unter anderem soll die Kugel seiner M1911 (.45-Kaliber) seine Kronjuwelen, die Matratze, das Boxspring-Bett und den Boden durchdrungen haben. Zuerst habe er gedacht, seine Hoden nur gestreift zu haben, sein Krankenhausbesuch zeigte allerdings, dass sowohl eine Eingangs- als auch eine Ausgangswunde vorhanden war.

Wenig später folgte das letzte Posting, das den Geschädigten im typischen, grünen Krankenhaus-Einteiler zeigte. Zusätzlich zielte er mit seinen Fingern, eine Pistole imitierend, in die Richtung seines Genitals.

Dennoch soll er schon am nächsten Tag zu "100% okay" gewesen und bereits zur Arbeit gegangen sein.

Das Original-Video samt Kommentaren wurde zwar gelöscht, andere Facebook-Nutzer speicherten es allerdings und verbreiteten es im ganzen Internet. Daraufhin feierten die Gruppen-Mitglieder das Unfall-Opfer als "King" und machten ihn zum Gruppen-Admin. Ob das als Ersatz eines intakten Hodens ausreicht ist fraglich.

Außerdem stellt sich die Frage, warum Menschen solche Dinge tun und posten. Denn wie man, wenn man genug Zeit im Internet verbringt, sieht, liebt so mancher Waffenbesitzer nichts mehr als Fotos mit seiner Pistole zu machen. Normalerweise passiert dies allerdings nicht, während man diese ungesichert an seinen Genitalbereich hält. Dieses Verhalten stößt auch bei anderen Waffen-Besitzern auf Verwirrung.

 

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Der Grund hinter den Postings liegt allerdings, anders als von vielen Außenstehenden vermutet, nicht darin, Liberale oder Waffengegner zu ärgern. Vielmehr geht es um Shitposting und den Streit zwischen zwei Lagern innerhalb der Pro-Gun-Community.

Auf der einen Seite stehen "Normies", wie die einfachen Waffenbesitzer genannt werden, welche auf Sicherheit zählen und sich an die Waffengesetze halten. Auf der anderen Seite stehen die "fudds", die eher verrückten Waffen-Narren. Letztere Gruppe bekommt scheinbar nicht genug davon, die anderen zu nerven oder sie auf den Arm zu nehmen. So vermutlich auch mit diesem Trend.

Dass es diese zwei Lager gibt, zeigt auch ein Statement von Brandon Curtis, Waffenblog-Autor, der auf der Seite der "verantwortungsvollen Waffenbesitzer" steht: "These gun owner do not represent us" ("Diese Waffen-Besitzer repräsentieren uns nicht!")

Die gleichen Ansichten vertreten Mitglieder der Facebook-Gruppe gegenüber den "braven" Waffen-Besitzern: "Gun People who hate Gun people" ("Waffen-Menschen, die Waffen-Menschen hassen").

Wie ernst all das letzten Endes gemeint ist? Darüber lässt sich streiten.

Denn zwischen Ernst und Internet-Meme verschwimmen die Grenzen häufig genug. Blöd nur, wenn man seine Waffe zwar nur "ironisch" an seine Kronjuwelen hält, sie dann aber losgeht: Schuss im Hoden, bleibt Schuss im Hoden, egal wie ernst es gemeint war.

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