© Getty Images/Coneyl Jay

So leben wir morgen
12/19/2015

Traum & Wirklichkeit

Der Computer als Freund und Helfer. Michael HOROWITZ über elektronisches Papier und Liebesleben mit der Wand.

von Michael Horowitz

Ein Smartphone von heute verfügt über mehr Leistung als die gesamten Computer der NASA 1969 – in jenem Jahr, in dem die ersten Menschen den Mond betraten. Unser Leben der Zukunft wird vom Tempo der Computer bestimmt. Etwa alle eineinhalb Jahre verdoppelt sich deren Rechenkapazität. Computer von morgen sind als solche nicht mehr zu erkennen: Sie werden überall und nirgends sein, in jeder Wand, im Auto, in allem, was uns umgibt, werden sich rechnende Chips befinden, die permanent mit dem Internet verbunden sind. Beim Telefonieren erscheinen unsere Gesprächspartner als 3D-Hologramme, ein Universalübersetzer sorgt dafür, dass sich Menschen in aller Welt miteinander unterhalten können.

Unsere intelligenten Autos der Zukunft sind ohne die Mitwirkung des Fahrers unterwegs. Mit einem Computer als Chauffeur, der nie einschläft und nie betrunken ist. Verkehrsunfälle sind dann extrem gering. Die Urlaubsreise nach Jesolo oder das Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Zuhause ist entspannt, ein Zentralcomputer mit in den Straßenbelägen eingelassenen Chips verfolgt die Bewegungen sämtlicher Autos, Radarsysteme lenken ohne Staus sicherer durch den Verkehr, als es ein Mensch jemals könnte.

Auch die Kommunikation wird einfacher: Wenn man Sehnsucht nach Gesellschaft hat, wird der Wandbildschirm einfach aufgefordert, irgendwo in der Welt einen adäquaten Bridge-, Poker- oder Schachpartner zu finden. Nach wenigen Sekunden erscheint der Spieler aus Hamburg, Hongkong oder Hollabrunn an der Wand. Natürlich plant der Wandcomputer auch Geschäfts- oder Urlaubsreisen, sorgt für die Vernetzung des Haushaltes und organisiert Familienfeste mit weit entfernt lebenden Verwandten: Die ganze Familie versammelt sich vor und an den Wandbildschirmen. Teils real, teils virtuell. Oder man kann mittels Kontaktlinsen die Bilder aller Kinder und Enkel sehen, als würden sie wirklich vor uns stehen – auch wenn sie tausende Kilometer entfernt sind. Telefonkonferenzen sind durch Telepräsenz ersetzt, die vollständigen 3D-Bilder werden auch auf Kontaktlinsen erscheinen.

Mit dem Internet verbundene Kontaktlinsen können die Gesichter von Menschen erkennen, ihre Biografie anzeigen und ihre Worte in Form von Untertiteln übersetzen. Touristen werden mit Hilfe solcher Linsen antike Bauwerke wiederauferstehen lassen – Ruinen werden wieder zum Leben erwachen. Fantasie und Realität verschmelzen miteinander, die Möglichkeiten für den Einsatz einer solchen erweiterten Realität sind praktisch unbegrenzt, meint Michio Kaku, einer der bekanntesten Wissenschaftler der Welt und Autor des Buches Die Physik der Zukunft.

Die Computer von morgen als Mega-Flachbildschirme, die ganze Wände bedecken, werden OLEDs – organische Leuchtdioden – haben und daher flexibel und hauchdünn sein. Jedes Pixel auf dem Schirm ist mit einem Transistor verbunden, der Farbe und Leuchtkraft des Lichts steuert. Der Laptop der Zukunft könnte einfach ein Blatt mit OLEDs sein, das man zusammenfalten und in die Brieftasche stecken kann. Statt den gelben Post-its von heute wird es vielleicht elektronisches Papier, eine Art Wegwerf-Computer, geben. Und man wird nicht mehr auf der winzigen Tastatur des Handys tippen müssen: Das Smartphone von morgen wird einen flexiblen Bildschirm enthalten, der wie eine Rolle herausgezogen wird.

Computer der Zukunft werden lautlos und unauffällig unsere Wünsche erfüllen. Auch das Liebesleben einsamer Menschen: Ihr Computer-Wandbildschirm fungiert als Kuppler und organisiert virtuelle Partner für gewisse Stunden. Er kennt alle Vorlieben, die man bei einem Date schätzt und durchsucht in Windeseile das Internet nach einem geeigneten Wunschpartner. Da manche bei ihrem Profil schwindeln, werden die Lebensläufe blitzschnell überprüft, um falsche Angaben zu entdecken. Und dem Liebesabenteuer mit der Wand steht nichts mehr im Wege …


Die nächste Folge von „So leben wir morgen“ erscheint am 9. Jänner

michael.horowitz@kurier.at

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