© Heidi Strobl

freizeit
10/21/2014

Striezelpaschen

Im östlichen Weinviertel – von Stammersdorf bis Drasenhofen – wird alljährlich am 31. Oktober um die Allerheiligenstriezel gewürfelt. Ein lebendiger Brauch, dessen Wurzeln niemand so genau kennt.

Die einen spielen Mäxchen, die anderen würfeln von hundert auf null hinunter, wieder andere zählen nur die doppelten Würfe, die „Paschs“. Aber alle haben eines im Sinn: möglichst viele kleine Striezel zu gewinnen, um dann gegen die anderen Tischsieger im Lokal um den vom Wirt gesponserten Riesenstriezel zu spielen. Den Abend, an dem die Welt Halloween feiert, verbringen die Weinviertler seit Generationen im Wirtshaus.

Früher war der Brauch Männern vorbehalten, seit den 1970er Jahren haben sich zunehmend Frauen dazugesellt. Heute würfeln Jung und Alt in kleineren oder größeren Runden. Jeder Ort hat seine eigenen Spielweisen, jeder Wirt seine eigene Ausrüstung, die genau ein Mal pro Jahr zum Einsatz kommt. Der Wein fließt, der Schmäh rennt. Gegessen werden bereits ausgespielte Striezel, besonders nette Wirte servieren Butter und Marmelade dazu. Zu später Stunde dann nimmt mancher Gast so viele Striezel mit nach Hause, dass wohl tagelang Scheiterhaufen gegessen wird, andere gehen leer aus. Der Held ist derjenige, der es schafft, den ein bis eineinhalb Meter langen Riesenstriezel zu erwürfeln. Die Tradition des Striezelflechtens reicht wahrscheinlich bis in antike Kulturen zurück, in denen Haaropfer gebracht wurden, nachgeformtes Gebäck ersetzte später die abgeschnittenen Zöpfe. Allerheiligenstriezel bzw. Allerseelengebäck, haben in ganz Österreich Tradition und dienten Paten als Geschenk für ihre Schützlinge. Wie daraus der Brauch des Striezelpaschens entstanden ist, darüber gibt es nur Spekulationen. Aber egal – er lebt und er macht Spaß.

Hier wird am 31. Oktober gepascht: Veltlinerhof, Poysdorf Heuriger Jauk, Falkenstein Gasthaus Nagl, Altlichtenwarth Gasthaus Neunläuf, Hobersdorf Gasthaus Zesch, Schrattenberg Gasthaus Zur Alten Schule, Riedenthal

Ingrid Aigners Allerheiligenstriezel aus dem Eisenhut-Haus/Poysdorf

Ca. 1/3 der Milch erwärmen, Germ darin auflösen. Je eine Prise Zucker und Mehl unterrühren, 4-5 Minuten stehen lassen, bis das Ganze aufgegangen ist und an der Oberfläche Risse entstanden sind. Restliche Milch, Butter, Zucker und Dotter handwarm erwärmen, mit Mehl, dem fertigen Dampfl (der aufgegangenen Germ-Mischung) und den restlichen Zutaten mit einem Kochlöffel zu einem weichen Teig rühren bzw. schlagen (dauert nur ca. 2 Minuten). Zum Schluss die eingeweichten Rosinen druntermischen. Den Teig ca. 2 Stunden zugedeckt an einem warmen Platz (auf der Heizung oder in einer Plastikschüssel im Wasserbad) aufgehen lassen. Wie aus dem Teig Striezel werden, zeigt Lilli in der Rubrik „kinderleicht“.