© Andreas H. Bitesnich

Andreas H. Bitesnich. 25 Years of Photography
02/27/2014

Andreas H. Bitesnich. 25 Years of Photography

Der österreichische Star-Fotograf Andreas H. Bitesnich feiert seinen 50. Geburtstag und zieht Zwischenbilanz. Im Rahmen einer großen Retrospektive im KUNST HAUS WIEN gewährt er einen noch nie dagewesenen Einblick in sein fotografisches Schaffen.

von Natascha Uccusic

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„Meine Neugierde ist stärker als mein Bedürfnis, zu schlafen“, sagt Andreas H. Bitesnich. Von der Leidenschaft angetrieben, ruhelos und nie ohne Kamera unterwegs, scheint der Künstler sein ganzes Leben ausschließlich der Fotografie verschrieben zu haben. Berühmt geworden ist Andreas H. Bitesnich für seine „Nudes“, mit denen ihm 1998 – zehn Jahre nach Beginn seiner Karriere als Autodidakt – der internationale Durchbruch gelang. Diesen skulpturalen, mit Licht und Schatten perfekt in Szene gesetzten Körpern wird in der Ausstellung viel Raum gegeben. Bitesnichs unverwechselbare Akte strahlen auch zehn Jahre nach seiner ersten Ausstellung im KUNST HAUS WIEN noch Geheimnisvolles aus.

Sie sind aber nur Teil dieser Retrospektive, die den Blick auch auf andere Werke Bitesnichs lenkt: Von Beginn an war Andreas H. Bitesnich auch ein leidenschaftlicher Reisefotograf. Diese andere Seite des Fotografen wurde erstmals in seinem 2001 erschienenen Buch „Travel“ deutlich. Wie auch bei der Akt- kommt auch in der Reisefotografie dem Mittel der Reduktion eine Schlüsselrolle zu, hier allerdings durch die Reduktion der Grauwerte im Bild.

In der Reihe „DeeperShades“ schlägt Bitesnich ein neues Kapitel seines fotografischen Schaffens auf. In bis dato drei Büchern präsentiert er seine Fotografien aus New York, Tokio und Paris und damit seinen speziellen, sehr persönlichen Blick auf die Spuren des Alltäglichen im Urban Lifestyle, die dunklen Ecken der Metropolen und eine gebrochene Sicht auf die Wahrzeichen und Klischees, die untrennbar mit diesen Städten verbunden sind. Ergänzt wird dieser Teil der Schau um vom Künstler selbst gestaltete Kurzfilme über seine Arbeit in den drei Städten.

Ein anderer Teil der Ausstellung widmet sich teils bisher unveröffentlichten Porträtarbeiten Bitesnichs. Mit derselben respektvollen und zugleich schonungslosen Direktheit blickt der Künstler auf die Gesichter der Porträtierten wie auf die Körper seiner Aktmodelle. Auch seine Porträtkunst ist von Reduktion und Intensität gekennzeichnet und von der Offenheit für überraschende Seiten der abgelichteten Person.

„Wenn ich die Arbeit eines Künstlers, wie etwa Wim Wenders, bewundere, möchte ich die Person, die hinter dem Werk steht, kennenlernen. Meine Interpretation fließt dann in die Porträts mit ein“, erklärt Bitesnich dem freizeit-KURIER. Unter den Porträtierten finden sich u. a. Anthony Quinn, Philip Glass, Reinhold Messner, Till Schweiger, Wladimir und Vitali Klitschko, Kruder & Dorfmeister und Pelé.

Für Kurator Andreas Hirsch beweist die nunmehrige „Mid-Career-Retrospective“ der Arbeiten aus 25 Jahren, dass „nach den ,Nudes‘ noch viel gekommen ist und sich Bitesnich nicht auf seinen Lorbeeren ausgeruht hat“. Die Gefahr, dass „das andere“ in seinem Werk „abgeschattet“ wird, sieht er nicht. Für Bitesnich, der heuer seinen 50. Geburtstag feiert, geht es im KUNST HAUS WIEN auch um Unterhaltung. „Ich glaube, dass man den Spaß, den ich an der Arbeit habe, in den Fotos spürt“, sagt der Künstler, der in sich ein „Feuer für neue Türen“ spürt, die in den vergangenen Jahren aufgegangen sind.

„Die ältesten Fotos dieser Schau sind hundert Jahre alt“, sagt Kurator Hirsch und sorgt für Verwirrung. Dann klärt er auf: Aktfotos, die Bitesnichs Großvater vor rund hundert Jahren gemacht und die der Künstler kürzlich unerwartet entdeckt hat, werden bei der Ausstellung als Extra gezeigt. Ein weiteres Special sind die Einblicke in Bitesnichs Arbeitsprozess wie etwa Kontaktbögen oder Making-of-Szenen von Fotoshootings. Kunsthaus-Direktor Franz Patay freut sich über den nie abgerissenen Kontakt des Hauses zu Bitesnich, der in den Räumlichkeiten („nächtens“, wie Bitesnich betonte) auch schon gearbeitet hat. „Was mich beeindruckt hat, ist, dass er vor 25 gesagt hat, er wird Fotograf – und es wirklich geworden ist“, schwärmte Patay. Den Weg, den Andreas H. Bitesnich seit Beginn seiner Karriere gegangen ist, kann man auch chronologisch verfolgen: Im 400 Seiten umfassenden Katalog „So far“ , von Bitesnich im Eigenverlag publiziert, wird das Schaffen vom ersten Porträtfoto bis zum jüngsten Architekturfoto aufgearbeitet (39 €).

Ausstellung bis 9. Juni 2014 täglich von 10 bis 19 Uhr

KUNST HAUS WIEN, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

www.kunsthauswien.at

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