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Sag's mir!

Nahezu jeder Mensch hat sexuelle Fantasien und Spaß daran, sich mental Orgien, Sex mit Fremden und das im Leder-&-Latex-Outfit herbeizuzoomen. Eine spannende Frage stellt sich allerdings: Darf ich, soll ich, muss ich das Kopf-Kino meinem Partner offenbaren? Unbedingt! Im besten Fall belebt das die Sinne.

von Gabriele Kuhn

11/11/2014, 10:07 AM

Dabei sein und zuschauen, wie zwei nackte Beautys Zärtlichkeiten austauschen. Mit offenen Augen und leicht erhöhtem Puls davon träumen, wie es wäre, mit einem Unbekannten im Aufzug zu vögeln. Leder, Peitschen, Orgien, Unterwerfung, Dunkelheit. Erotische Sehnsüchte und Fantasien haben nahezu alle Menschen, wie eine kürzlich veröffentlichte Studie zum Thema zeigt. In deren Rahmen versuchten Forscher der „Université du Québec à Montréal“ herauszufinden, welche Sexfantasien normal sind und welche ins Krankhafte abdriften. Das Ergebnis: Es gibt beinahe nichts mehr, was nicht der Norm entspricht. Die Bandbreite des Kopfkinos ist so groß wie schon lange nicht mehr – sie reicht vom romantischen Streichel-&-Küsschen-Setting über den klassischen Dreier bis hin zur Orgie. Unterwerfungs- und Dominanzfantasien spielen ebenso eine große Rolle wie Sex mit Fremden an öffentlichen Orten. Und natürlich träumen Frauen wie Männer auch von Affären. Womit ich zu einem meiner Lieblingszitate komme, es ist von William Shakespeare: „Die schmutzige Fantasie ist ein ewiges Fest.“ Wir aber gleichzeitig bei einer Frage gelandet wären, die sich viele Menschen stellen: Soll ich, darf ich, muss ich über die saftigen Bilder im Kopf mit meinem Partner sprechen? Oder ist Diskretion angesagt? Ich bin ja eher „pro“ reden. Vorsichtig halt. Denn natürlich kann’s heikel werden, wenn jene Frau jenem Mann, mit dem sie seit 20 Jahren zärtlich hauchend in der Missionarsstellung herumturnt, plötzlich herausplatzt: „Du, ich träume jetzt schon seit vier Jahren davon, von fünf Männern gleichzeitig im Hinterkammerl einer Vorstadt-Gastwirtschaft genommen zu werden.“ Oder wenn er ihr – umgekehrt – aus heiterem Himmel beim Butterkipferl zum Frühstück seine Unterwerfungsfantasien anvertraut und davon, dass er sich zuweilen einen runterholt, wenn er an Latex denkt. Im schlimmsten Fall verstehen die jeweiligen Partner die Welt nicht mehr und sind schockiert über den Abgrund, der sich da vermeintlich auftut. Gewissermaßen agiert ein Paar auf „sicherem Terrain“ – fad, aber bewährt. Hier passen wüste Phantasmen von fremden Frauen und Männern, Seitensprüngen oder Orgien eher nicht so dazu. Da wird’s dann auch riskant, darüber zu reden. Im besseren Fall aber wird was aus dem Reden. Speziell in Langzeit-Beziehungen stehen die Partner immer wieder vor dem Problem sexueller Fadesse – man hat jeden Quadratmillimeter des anderen beschnuppert und berührt. Die Sehnsucht nach Neuland, nach dem Fremden und Ungewöhnlichen wird groß und größer. Und oft so dominant, dass sie nach Realisierung drängt. Nicht umsonst rangiert Untreue auf Platz eins der häufigsten Scheidungsgründe. Wer den Mut aufbringt, dem anderen einen Einblick in das Boudoir seiner geheimen Fantasien zu gewähren – zumindest ein bisserl – für den öffnet sich eine neue Dimension – und ein neuer Raum. Und der wird im besten Fall zu einem neuen Spiel-Raum mit neuen Spielregeln und neuen Spielarten. Zentrales Element dessen ist das „Fremde“ und „Andere“ am anderen – doch gerade daraus entsteht Reibung und Spannung. Zentrale Elemente, um die Lust zu reanimieren.

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