freizeit
10/27/2014

Kommt gar nicht gut

Von der Flucht aufs Bidet bis zum Ad-hoc-Griff nach dem Flanellpyjama: Auch die Damen sind beim Thema „Verhalten nach dem Orgasmus“ nicht immer frei von „Schuld“ und neigen zum einen oder anderen Sex-Fauxpax. Deshalb heute, hier und jetzt: Ein paar Dinge, die Frauen nach dem Liebesakt unbedingt lassen sollten.

von Gabriele Kuhn

Ein wenig indigniert bis ziemlich angepisst: Irgendwo dazwischen pendelten die Reaktionen jener männlichen Leser, die die Kolumne vor zwei Wochen als „echte Frechheit“ empfanden. Zur Erinnerung und für die, die nicht dabei waren: Es ging um das schöne Thema „Fünf Dinge, die Männer nach dem Sex unbedingt lassen sollten“. Was da drin stand, gefiel manchen Herren gar nicht – etwa, dass es überhaupt nicht opportun sei, eine Sekunde nach dem Orgasmus auf der Dame einzubüseln. Oder aber gleich nach dem Akt zum Smartphone zu greifen, um Mails oder WhatsApp-Nachrichten zu checken. Die Herren empörten sich: „Bitte, wer macht sowas?“ „Alles frei erfunden von dieser dummen Nuss!“ Bis: „Na, und?“ Hie und da fiel sogar der Begriff „depperte Feministin“ in meine Richtung. Manche hegten gar den Verdacht, ich würde mannlos, sexlos und zutiefst frustriert dahindarben. Hui, schon lange nicht mehr so gelacht.


Aber egal, Zeit für ein bisschen Reflexion: Wäre – als ausgleichende Gerechtigkeit für alle Beleidigten – eine ähnliche „Not to do“-Liste für die Damen angebracht? Ja klar. Denn es sind keineswegs nur die Männer, die sich kurz nach dem Höhepunkt der Lust blöd aufführen. Auch Frauen haben da einige Verhaltensweisen in petto, die eher nicht so charmant daherkommen. Sehr unhübsch wirkt etwa das Ad-hoc-Aufgehüpfe kurz „danach“ im Dienste der Hygiene. Zweifellos: Sauberkeit ist wichtig, kann aber auch noch vier, fünf Minuten warten. Weil die Flucht in die Dusche oder aufs Bidet schlicht so wirkt, als wäre das, was da gerade zwischen Frau und Mann passiert ist, ein wenig erregendes Erreger-Pantscherl. Auch nicht so beliebt bei ihm: Frauen, die nach dem Koitus nonstop plauschen. Also: ausschweifend, philosophisch und grundsätzlich werden. Themen im Stile von „Wie könnte die Sandkiste unserer beiden zukünftigen Kinder aussehen?“ oder „Wieso kaufst du mir eigentlich nie Blumen und wenn, dann nur Spraynelken?“ bzw. „Findest du den Sex mit mir besser als mit deiner Ex?“ kommen nach erfolgter Ejakulation nicht so gut und führen rasch zu postkoitalen Streitereien. Ebenfalls nicht super: Frauen, die sich sofort nach dem Akt in einen buntkarierten Flanellpyjama werfen und dabei murren: „Brr, ist das kalt hier!“ Könnte sein, dass der Mann daraufhin Fußball schaut oder eben (ein)schlafend die Flucht ergreift. Vor allem aber wird es ihn kaum zum oft ersehnten „Grooming nach dem Orgasmus“ animieren.


Die Realität ist so: Frauen und Männern passieren Fehler im intimen Umgang miteinander. Das ist nicht wahnsinnig schlimm. Schlimm ist aber, wenn keiner was sagt und sich alle denken: Öd, blöd, dumm, gemein. Sexuelle Entwicklung – also die Verfeinerung der Fertigkeiten, Fähigkeiten und des intimen Umgangs miteinander – ist nur möglich, wenn zwei miteinander sprechen. Und sagen, was geht, was nicht geht, was gefällt und was nicht gefällt. Speziell für Langzeitpaare gilt: Denkt nie, ihr seid „fertig“ mit dem Sex! Das Lernen und Justieren hört nicht auf. Nein: Es soll – um Himmels Willen – nicht aufhören. Zumal das Verlangen nach neuen sexuellen Erlebnissen niemals endet – die Lust auf einen Nachschub neuer sexueller Attraktionen schlummert nämlich in so gut wie allen Menschen.

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