freizeit
10/27/2014

Das Tier in mir

Wer den Sex erfunden hat, ist eine der großen Themen der Wissenschaft. Neuester Kandidat: Panzerfische – Urtiere, die vor 400 Millionen Jahren miteinander kopuliert haben. Und das „seitlich“. Spannend – weil es auch zu der Frage führt: Wie viel Tier steckt in uns? Und welche sexuellen Strategien wären für Menschen nachahmenswert?

von Gabriele Kuhn

Wer vögelt, fragt meist nicht lang – vor allem die Frage nach dem „Warum“ (im Sinne der Wissenschaft) rangiert unter dem Motto: „Wo ist der Bus mit den Menschen, die das interessiert?“ Das ist im Prinzip recht gut so – wo kämen wir denn hin, würden wir uns bei jedem Akt den Kopf über die DNA der Geilheit zerbrechen? Dennoch: Hie und da stellt sich schon manchmal die Frage: Wer bitte hatte die herrliche Idee? Wer hat den Sex erfunden? Gäbe es einen Thomas Edison oder die Hedy Lamarr des Koitierens, nun ja: Sie hätten gigantische Denkmäler und eigene Gedenktage verdient. Aber so einfach ist das natürlich nicht – wie so oft ist die Antwort darauf ziemlich kompliziert und kommt aus der Welt der Evolutionsbiologie. Begonnen hat alles sehr simpel: Kam Lebewesen der Gedanke, sich zu vermehren, spalteten sie einfach einen Teil von sich ab. Und aus. Auf diese Art wurden aus einem Bakterium zwei Bakterien (und daraus entstand irgendwann ein ganzes Bakterienvölkchen). Einen zweiten brauchte es dazu nicht, was auch insoferne praktisch scheint, als es keine Energie verbraucht, also effizient ist. Und weil sich das erübrigt, was die Menschen unter „Beziehungsstress“ zusammenfassen. Und trotzdem erfand die Natur eines Tages den Sex, obwohl diese Form der Fortpflanzung zwar nett, aber aus rein praktischer Sicht so richtig, richtig kompliziert ist. Umso lustiger, dass es ausgerechnet Fische sein dürften, die den Sex vor 400 Millionen Jahren erfunden haben. Fossilien so genannter „Panzerfische“ weisen darauf hin, dass die wechselwarmen Viecherln es getrieben – also kopuliert haben. Und das, wie es scheint, in einer Art „Löffelchen-Stellung“, also seitlich. Was zur Frage führt: Wie viel Tier steckt in uns? Und: Was an „Sex-Strategien“ haben wir uns von der Natur abgeschaut (oder sollten wir uns abschauen)? Manches macht nachdenklich, nehmen wir etwa den zwittrigen Plattwurm. Das ist ein platter, nur wenige Zentimeter langer Wurm, der sich sowohl geschlechtlich als auch ungeschlechtlich fortpflanzen kann. Zweiteres funktioniert mit Hilfe des „Penisfechtens“ – und bei dem geht’s nicht gerade kuschelig zu. Es wird nämlich darum gekämpft, wer dem anderen sein Ding reinstecken darf. Schließlich kann jeder beides tun – und in der Folge könnte jeder Wurm sowohl Vater als auch Mutter sein. Wer zuerst schafft, den anderen mit seinem Penis zu durchbohren, gilt gewissermaßen als Sieger. Der, der den Nachwuchs „austrägt“ – na ja ... Wie auch immer: Nett klingt das nicht, und es bleibt offen, ob der Gladiatorenkampf der Plattwürmer-Penisse überhaupt Spaß macht. Womit wir bei einem weiteren spannenden Thema wären: Gibt es in der Tierwelt sexuelle Spielarten wie etwa Oralsex? Oft nicht – und wenn, dann nur bei Arten mit ausgeprägtem Sozialverhalten. Wie etwa den Bonobos, die ja höchst sympathische Afferln sind, weil sie wenig streiten, dafür aber viel schnackseln – und das bevorzugt in der „Bauch zu Bauch“-Stellung, um einander tief in die Augen zu blicken. Auf diese Weise lösen die Tiere Konflikte – was zeigt: Sex ist eine schöne Erfindung, es kommt nur darauf an, was man daraus macht. Insoferne gilt: Ein bissl mehr Bonobo wäre keine üble Idee.

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