© Andrea Schraml

freizeit
06/13/2014

Die Exotin

Egal ob Sommer oder Winter – ihre duftende Blüte lieben nicht nur Parfümeure. Dass aber Orchideen auch auf unseren Wiesen zu finden sind und nicht nur in Palmenhäusern, wissen nur wenige.

von Florentina Welley

Sie zieren Brautsträuße, Bettwäsche, Kimonos und Kunst. Und natürlich, mit ihren zauberhaften Blüten, fast jedes Wohnzimmer. Dabei wachsen echte Orchideen großteils in Bäumen, brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, warmes Klima – und blühen dennoch auf nahezu allen Kontinenten, vom Nordpol bis zu asiatischen Tropenwäldern und Südamerika. Warum aber finden wir Orchideen so faszinierend und dekorativ? Früher waren sie ein Symbol für Reichtum, dienten als Dekoration in Kaiserhäusern, Schlössern oder auf feinen Bällen. Dass man sie heute in jedem Supermarkt bekommt, lässt ihren Zauber nicht schwinden. Im Gegenteil, der Boom um die schönen Topfpflanzen ist ungebrochen und dank neuer Hybrid-Züchtungen sind sie auch preiswert geworden. Dabei war es Baron Nathaniel Meyer Freiherr von Rothschild, der um 1870 auf der Hohen Warte einen prächtigen Park mit zahlreichen Orchideenhäusern anlegen ließ. Die weltberühmte Sammlung exotischer Orchideen wurde später den Wiener Bundesgärten vermacht und ist heute noch teilweise in der Orchideenschau in den Blumengärten-Hirschstetten, Schönbrunn und Klosterneuburg zu sehen.

„Auf der Welt gibt es ca. 130.000 Arten. 30.000 davon sind reine Naturformen, Hybride ergeben nochmals 100.000. Alte Züchtungen brauchen oft vier bis sieben Jahre, um wieder zu blühen“, sagt Gärtnermeister Josef Bauer, der im Stift Klosterneuburg eine der größten Orchideensammlungen betreut und schon jetzt die Pflanzen für die nächste Ausstellung im Konventgarten mit der von Architekt Joseph Kornhäusel geplanten neoklassizistischen Orangerie sammelt.

Motto der Ausstellung im nächsten Frühjahr: Düfte und Farbenzauber nach Ittens Farbpalette. Man sollte Geduld mit abgeblühten Orchideen haben – sie blühen meist wieder. Nur Spezialorchideen wie Cattlayen oder Oncidien brauchen besondere Pflege. Sonst sind sie Anpassungskünstler. Kalthausorchideen, die Cymbidien, haben große Rispen und blühen bei 7 oder 8 Grad im Dezember und Jänner und werden im Sommer ins Freie gestellt. Die meisten Arten sind Warmhausorchideen und entfalten bei rund 20 Grad ihre volle Schönheit. Aber nicht nur Insekten werden von den Orchideen verführt. Auch die Parfümindustrie lässt sich vom Duft der Blüten inspirieren. Dabei meiden Parfümeure von Guerlain bis Tom Ford sicher eine Orchideen-Art: die Stinker. Diese locken mit ihrem Nektar nämlich nur Aasfliegen an. Manche Orchideen enthalten wiederum Halluzinogene, die bei Ritualen vom Stamm der Tarahumara als Ersatz für Peyote verwendet werden. Zum Glück finden Naturliebhaber Orchideen auch auf heimischen Wiesen. Man muss nur wissen wie sie aussehen, denn gelber Frauenschuh, Knabenkraut und Kuckucksblume blühen im Wienerwald genauso wie in Mariazell oder Klosterneuburg. Die Plätze werden von den Einheimischen streng geheim gehalten – sonst ist es schnell vorbei mit der Blütenpracht.

Eine erblühende Orchidee im Zeitraffer

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