Die Puente de la Muerte von Architekt Santiago Calatrava in Puerto Madero.

© © PHILIPPE WIDLING/*/DESIGN PICS/CORBIS CORBIS/Philippe Widling

Freizeit-Serie
11/12/2013

Buenos Aires: Die Vielseitige

Das Paris Südamerikas zeigt sich leidenschaftlich-lebendig und mutig-melancholisch. Pulsierend zwischen Party und Poesie, Tango und Tristesse. Und zwischen Cartoneros und schicken Trendvierteln entstehen City-Graffiti der Keith Harings von heute.

von Florentina Welley

Hier spürt man sie sofort, die Lebensfreude. Alles ist neu – ein ganzes Viertel kaum älter als 20 Jahre. Bis auf die alten Docks natürlich. Und in den neuen Parks rundum wurde kürzlich Alicia Keys mit Söhnchen Egypt auf dem Fahrrad gesichtet. Das alte Hafenviertel Puerto Madero ist heute ein boomendes Vergnügungsviertel. Touristen und „porteños“, Einheimische, drängen sich gerne abends auf der Promenade der neuen Waterfront. Leuchtende Glasfassaden, schicke Cafés und unzählige Geschäfte machen das Einkaufs- und Freizeitviertel zum Publikumsmagneten. Der neue Hafen zählt heute zum modernsten Teil der Stadt, nicht nur die legendäre Puente de la Mujer, die Frauen-Brücke, 1991 vom spanischen Architekten, Santiago Calatrava gebaut, bekräftigt das. Auch die Straßennamen rundum, benannt nach berühmten argentinischen Frauen, die politisch aktiv waren, sind Zeugen der neuen Ära. Beim Spaziergang in den alten Hafen La Boca hinüber wird man sanft daran erinnert, dass der Name der Hauptstadt Argentiniens von der Schutzheiligen der Seefahrer, Santa María del Buen Ayre, Heilige Maria des Guten Windes, stammt. Denn an der Mündung des Río de la Plata in den Atlantik spürt man fast immer eine leichte Brise.

Die Waterfront mit Skyline in Puerto Madero

Mit „Don’t Cry For Me Argentina“ im Ohr geht es weiter ins Künstlerviertel, zu den alten Wohnhäusern, die italienische Hafenarbeiter um 1900 bunt bemalten. In der Welthauptstadt des Tangos gibt es natürlich jedes Jahr Tangofestivals und eine Tango-Weltmeisterschaft. Schaulustige drängen sich dann gerne hier in La Boca am Platz Caminito, um die traurigen Töne und leidenschaftlichen Tänze zu erleben. Auch andere öffentliche Plätze und Milongas, Tanzclubs, sind nicht nur unter „Milongueros“ sehr beliebt. Wie etwa La Glorieta de las Barrancas de Belgrano. Fährt man mit einem alten Bus aus den 1970er-Jahren in den Norden des Avantgarde-Viertels Palermo Viejo können Paare in einem schönen alten Open-air-Pavillon im Park das Tanzbein schwingen. Auch die Mode-Woche junger Designer findet in Palermo statt. Und im nahen Einkaufsviertel Florida leben die Cartoneros, Obdachlose, die in Kartonboxen wohnen, gleich neben den teuren Shops auf der Straße – ein trauriger Gegensatz.

Neben La Boca liegt San Telmo. Die Architektur im Gründungsbezirk von Buenos Aires erinnert sofort an einen Mix aus Barcelona und Paris. Auch das nahe Viertel Barracas ist für seine unterschiedlichen Architektur-Stile bekannt. Trendsetter gehen in San Telmo gerne ins Café San Juan oder essen irgendwo typisch antarktische Königskrabben, Centolla, würzige Teigtaschen, Empanadas, oder gar Riñón, gesalzene Leber, etwa im La Brigada. Überhaupt spürt man in den beschaulichen Gassen den Gegensatz zwischen Lebensfreude und Melancholie und den Geist Evita Peróns, die hier lebte. Interessant ist auch die Geschichte des Viertels: Die wohlhabenden „porteños“, Hafenbewohner, verließen um 1900 ihre neobarocken Herrenhäuser, um vor einer Epidemie zu fliehen. So konnten die leeren Häuser nach und nach von den unzähligen Immigranten besetzt werden. In dem pulsierenden Viertel, in dem immer von irgendwo ein Tango erklingt, boomen heute kleine Antiquitätenshops und Märkte, wie der an der Plaza Dorrego.

Und auf den Mauern rund um den pinken Präsidentenpalast, der Casa Rosada auf der Plaza de Mayo, findet man die besten Graffiti. Evita-Fans pilgern auch zum Friedhof La Recoleta mit seinen Mausoleen und Tempeln in verschiedensten Baustilen.

Der Friedhof liegt zugleich im elegantesten und teuersten Wohn- und Geschäftsviertel der Stadt. Hier im Paris Südamerikas strömen junge Kunstinteressierte aus der ganzen Welt ins Museum für lateinamerikanische Kunst (MALBA) oder ins Museo Evita.

Auch Jorge Luis Borges lebte in dem Barreo und war lange Zeit Direktor der Nationalbibliothek. Man könnte in der Drei-Millionenstadt, mit den Vororten sind es sogar über 13, auch auf den Spuren österreichischer Immigranten wandeln, etwa zum Architekten Walter Loos. Der Mitbegründer der Wiener Werkbundsiedlung plante hier 1942 auch den Modesalon für seine Frau Friedl.

TO DO

Auf einer Graffiti- und Street-Art-Tour kann man zu Fuß oder auf dem Bike die Keith Harings der Zukunft entdecken, 25 €, www.bikingbuenosaires.comgraffitimundo.com/graffiti-street-art-tours-buenos-aires

Wilde Flamingos schauen gehen im Reserva Ecológica de Buenos Aires, www.reservacostanera.com.ar

Eine Jean Louis-Borges-Tour machen und in den Buchhandlungen nach alten Büchern stöbern, insidebuenosaires.com

TO GO

Auf den Spuren der Immigranten wandeln im Viertel La Boca

Kunst sehen im Museum MALBA, www.malba.org.ar

TO SEE

Puerto Madero und die Puente de la Mujer, Calatravas Brücke in Puerto sowie Architektur in der Avenida de Mayo 25 und den Barolo Palast, Nr. 1370, ansehen, www.gringoinbuenosaires.com www.puertomadero.com

Im Las Cañitas Viertel das Geschehen rund um diezahlreichen Coffee-Shops und Eissalons der Calle Migueletes beobachten

Durch Palermo Soho nach Florida zum Shoppen spazieren

Junge Kunst in der Galerie Orly Benzacar, www.ruthbenzacar.com

TO DATE

Das Tattoo-Studio Welldone Tattoos, Gorriti 4421, ist ein Szene-Künstler-Treff

Beim Picknick im Park Bosque de Palermo oder im Japanischen Garten, Avenida Figueroa Alcorta/Avenida Casares

Im Croque Madame im Museo de Arte Decorativo, croquemadame.com.ar

Im Künstler-Hotspot, der Lounge Isabel, Uriarte 1660 und im Café Rio, Honduras 4772

Tango und Gauchos findet man im Hub Porteño, Rodríguez Pena 1967, www.hubporteno.com

Abfeiern im Dengue Dancing, www.facebook.com/denguedancing

TO EAT

Chef Martín Martitegui kocht im besten Restaurant der Stadt, dem Tegui, zum Beispiel warme Austern mit Austern-Flan, Speck, Haselnüssen und grünen Äpfeln, www.tegui.es

Café Rivas in San Telmo, www.welcomesantelmo.com

Bio-Küche von Koch Luciano Combi gibt es in Palermo-Soho, dem Trendviertel. Hier waren auch Che Guevara und Jorge Luis Borges zu Hause. Restaurant Fifí Almacén, fifialmacen.com.ar

TO SHOP

Junge Mode im Mores Trash Couture, Angel Carranza 1979

Antiquitäten in San Telmo. Jeden Sonntag findet auf der Plaza Dorrego der große Antiquitätenmarkt Feria de San Pedro Telmo statt

Schmuck von der jungen Designerin Carolina Gonzalez Iwanow, www.portamentojewelry.com

TOURISMUS

www.visittangobuenosaires.com

Stadtführungen mit Einheimischen, cicerones.org.ar

Free App: Buenos Aires Subway Lite, itunes.apple.com

Im Tageblatt schreiben Insider über ihre Stadt, www.tageblatt.com.ar

FLÜGE

Billigflüge zu sämtlichen Destinationen unter www.skyscanner.at

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