Der kühne Salt-Yacht-Entwurf soll alle Dimensionen des Schiffbaus sprengen: Mit einer Glasbox im Zentrum und Treppen ins offene Meer – in den größten Swimmingpool der Welt

© Lujac Desautel

So leben wir morgen
10/24/2015

Hemmungslos

Schwimmende Paläste als bizarres Spielzeug der Milliardäre: MICHAEL HOROWITZ über Yachten von morgen, den größten Pool der Welt und Leonardo DiCaprios Freizeit-Vergnügungen.

von Michael Horowitz

Mit 67 Metern Länge und einer Segelfläche von mehr als 5.300 m² ist die dunkelblaue Vertigo eine der spektakulärsten Yachten, die die gewohnten Dimensionen eines Segelschiffes sprengt. Für etwas mehr als 300.000 Euro wöchentlich kann man das schwimmende Hotel mieten. Leonardo DiCaprio leistete sich den Spaß und umsegelte auf der Vertigo Australien.

Je mehr Menschen über immer größere Vermögen verfügen, desto öfter werden Werften, die auf den Bau von Mega-Yachten spezialisiert sind, immer längere und luxuriösere Schiffe bauen. Design und Ausstattung der maßgeschneiderten Interieurs auf See sind längst analog zu den Villen an Land geplant. Wie auf der futuristischen Maltese Falcon, einer 88-Meter-Yacht, die für 60 Millionen Pfund an die griechische Hedgefonds-Managerin Elena Ambrosiadou verkauft wurde. Eine ehemalige BP-Angestellte, die zu einer der hemmungslosesten Figuren der Finanzwelt aufgestiegen ist.

Bis zu 200 Meter lange Yachten sollen in Zukunft als Spielzeug der Superreichen auf den Weltmeeren unterwegs sein. Mit spektakulären Details. Für chinesische Milliardäre wird auf ihren schwimmenden Luxusschiffen sogar der Kino- und der Karaoke-Salon nach Feng-Shui-Richtlinien eingerichtet. Selbstverständlich dürfen die Betten nicht mit dem Kopfende zum Fenster stehen. Designer Ken Freivokh ist einer der Ersten, der Feng-Shui-Vorgaben bei der Planung von Yachten der Zukunft berücksichtigt. Momentan ist er allerdings von seinem Ghost-Projekt besessen: Ein Schiff, das Konventionen durchbricht. Der britische Designer schwärmt von kontrolliertem Chaos, die Trennung von Strukturelementen und Außenhaut sei auf der geplanten Ghost optimal effizient. Eine 144 Meter lange Yacht, deren Mega-Salon einen Glasboden für die Beobachtung der Unterwasser-Welt bietet.


Glas ist auch das Hauptelement beim kühnen Salt-Yacht-Entwurf von Lujac Desautel. Ein Schiff, das alle Dimensionen des Schiffbaus sprengen soll. Mit einer riesigen, zu öffnenden Glasbox im Zentrum. Aus dieser führen hydraulisch ausfahrbare Treppen ins offene Meer – in den größten Swimmingpool der Welt. Die See sollte dann allerdings nicht zu rau sein … Der amerikanische Designer Desautel, der in San Francisco am California College of the Arts studiert hat, will vor allem, dass die zukünftigen Eigner und ihre verwöhnten Gäste an Bord von fast überall freien Blick auf das offene Meer haben. Die Salt – ein Luxushotel mit einer unübertroffenen Aussicht auf den Ozean.


Visionär Vasily Vasilievich Klyukin, ein exzentrischer Banker und Yachtdesigner, denkt in ganz anderen Dimensionen. Der russische Milliardär mit Wohnsitz Monte Carlo will eine Yacht bauen, die auch fliegen kann: Auf seiner geplanten Monaco 2050 wird das Oberdeck als Helikopter verwendet. Hat er eine Höhe von mehr als 1000 Meter erreicht, werden die Triebwerke gestartet – aus dem Hubschrauber wird ein Düsenjet, der wesentlich weitere Strecken zurücklegen kann. Spätestens in 35 Jahren, versprach er in einem CNN-Interview, will Klyukin auf seinem Meeres-Hybrid unterwegs sein.

Davor fliegt er mit Virgin Galactic noch schnell in den Weltraum: Wie Leo DiCaprio soll er bereits 1,4 Mio. Dollar für den ersten privaten Flug ins All bezahlt haben.

michael.horowitz@kurier.at

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