freizeit
01/10/2015

Alles neu

von Vea Kaiser

Das Jahr 2015 liegt noch in den Windeln und schon wird alles neu. Mein neuer Roman ist fertig, die Freundinnen suchen neue Herzbuben, meine Herzensheimat Griechenland wählt ein neues Parlament, die Niederösterreicher neue Bürgermeister, jeder hat einen neuen Vorsatz oder eine neue Frisur, doch die allergrößte Neuerung gibt es in meinem kleinen Dorf: einen neuen Pfarrer. Unser alter Herr Pfarrer ging in Pension, er dachte, wenn der Papst das darf, darf er auch. Und unser neuer Pfarrer gönnte sich zu Amtsantritt alsgleich ein neues Auto. Er hatte zuvor in der Stadt gelebt, musste jedoch einsehen, dass sein Stadtflitzer in den Voralpen keine Chance hat. Um alle Schafe zu erreichen, braucht man das Wunder eines Allradantriebs. Doch manchmal dauert es, bis Neuerungen in allen Ecken wahrgenommen werden, und so musste unlängst die Polizei ausrücken. Ein hysterischer Gemeindebürger entdeckte nämlich ein Auto mit ungarischem Kennzeichen auf dem Greißler-Parkplatz. Und als er sah, dass zwei Schwarze Männer darin saßen, rief er die Polizei. Die Polizei rückte tatsächlich aus und fand das ungarische Auto schließlich auf dem Kirchenparkplatz. Am Vorplatz der Kirche wiederum standen nicht zwei, sondern drei Schwarze Herren, woraufhin die Polizisten sofort aus dem Auto sprangen: „Personenfeststellung! Wer sind Sie, was wollen Sie hier?“ „Ich bin der neue Pfarrer. Das sind meine Freunde, sie holen mein altes Auto und bringen es in ein Sozialprojekt in Ungarn.“ Die Polizisten versprachen, von nun an im Gottesdienst vorbeizuschauen und fuhren beschämt zurück auf die Wache. Unser neuer Pfarrer lernte auch etwas Neues und zwar, dass nicht nur des Herren Wege, sondern auch die der Polizei manchmal unergründlich sind.

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