Eduard Josef Wimmer-Wisgrill (1882 bis 1961, hier 1929): Pariser Couture passte seiner Meinung nach nicht zu Wiener Architektur. Also erfand er die Wiener ModeWimmer-Wisgrill entwarf Mode, Hüte, Theaterkostüme, Stoffe und Schmuck, machte damit die Wiener Mode.

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Wiener Mode-Weltmeister
11/12/2013

Vollendetes Wollen

Die große, neue freizeit-Serie über die wichtigsten Modeschöpfer Österreichs. Zum Auftakt: Eduard Josef Wimmer-Wisgrill, der geniale Pionier der Wiener Mode.

von BrigitteR. Winkler

Ein Besuch in Brüssel löste 1906 eine Moderevolution aus. Josef Hoffmanns Schüler Eduard Josef Wimmer-Wisgrill besuchte das von seinem Professor errichtete, geniale Palais Stoclet. Und war entsetzt von Madame Stoclet und ihrer Kleidung. Man müsste für die Bewohnerinnen von Wiener Werkstätte-Häusern eine zu diesen passende, moderne „Wiener Mode“ schaffen. Wimmer-Wisgrills Meinung nach harmonierte die dort nach der neuesten Pariser Mode gekleidete Madame „stilistisch“ nicht mit ihrer Umgebung. Hoffmann ging sofort auf diese Idee ein und beauftragte Wimmer-Wisgrill mit der Errichtung einer Modeabteilung der Wiener Werkstätte (von ihm und Koloman Moser 1903 gegründet).

Hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt die Modewelt nach Paris orientiert, stand plötzlich Wien im Vordergrund. Bester Beweis: Der in Paris gefeierte Star-Couturier Paul Poiret (der als erster miederlose Mode entwarf und versuchte, Frauen in Hosen zu stecken) kam zwei Mal nach Wien, um Wimmer-Wisgrill und die Wiener Werkstätte zu besuchen. Begeistert und inspiriert von diesen „neuen Ideen“ fuhr er zurück nach Paris. Wimmer-Wisgrill entwarf nicht nur Mode, er stattete auch Filme mit Attila Hörbiger und das „Cabaret Fledermaus“ aus, arbeitete für Theater in Wien, Budapest und New York, kleidete Maria Jeritza dort für die Met ein. Schrieb Modekolumnen in der Neuen Freien Presse. Wurde „Pionier der Wiener Mode“ und „geheimer Modezar“ genannt.

Sein Arbeitsstil: Das Beste ist gerade gut genug. Das mussten später auch seine Studenten erfahren. „Das ist aber garstig,“ hörten sie oft von ihm. Und wer das zu hören bekam, wusste, schlimmer geht's nicht. „Entwerfen Sie ein Cocktailkleid“, hatte zum Beispiel der Auftrag am Montag geheißen. Bis Freitag hatten die Studenten Zeit. Dann kam Professor Eduard Josef Wimmer-Wisgrill wieder an die Akademie für angewandte Kunst, setzte sich vorne an den Tisch, ließ die Studenten antreten und sortierte das Ergebnis. Zeichnungen, die nach rechts geschoben wurden, auch einmal zu Boden fielen, waren garstig. Links landeten maximal fünf Exemplare.

„Das Beste vom Besten“, analysiert es heute Wimmer-Wisgrills ehemalige Studentin Monika Tilley. „Er hat nicht viel darüber geredet, aber man hat gewusst, dass er immer das Höchste erwartet“, erinnert sich ihr Kollege Sepp Moosmann. „Durch ihn ist man einfach sehr gewachsen. Wenn man ihn verstanden hat. Sein Geschmack war ein vollendetes Wollen.“

Angesprochen wurde man beim Vornamen, aber immer mit Sie. Monika und Sepp, den Wimmer-Wisgrill Beppo nannte, weil ihm Sepp nicht gefiel, gehörten zu den Besten. Dann hieß es: „Ach das ist aber schön, kommen Sie mit uns“, und er nahm Sepp „Beppo“ Moosmann zur Belohnung mit zum Demel auf eine Tasse Tee. Arbeitete dort doch sein ehemaliger Lieblingsstudent, Federico von Berzeviczy-Pallavicini. Als genialer Auslagengestalter und für die Verpackung der weltberühmten Süßigkeiten verantwortlich.

Da saß schon wartend Josef Hoffmann. Sepp „Beppo“ wurde ihm vorgestellt und sank scheu auf eines der goldenen Sesselchen neben dem großen Architekten. Moosmann: „Ich habe es nicht gewagt, nach etwas Süßem zu fragen.“ So geschehen im Jahr 1954. Monika Tilley: „Wir waren seine letzten Studenten. 1955 wurde sein Vertrag nicht mehr verlängert.“

Und was wurde aus Monika und „Beppo“? Monika Tilley ging der Liebe wegen nach New York. In den 1970er-Jahren feierte Amerika sie als „beste Bademode-Designerin“, Sie stattete die Olympische US-Winter-Mannschaft aus, hatte als Designerin Erfolge, was ihr bis heute die Mitgliedschaft beim Council of Fashion Designers of America einbrachte.Josef Moosmann schloss sein Studium mit Auszeichnung ab. Nach Arbeitsaufenthalten folgte er ab 1967 seinem Lehrer nach und leitete an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien als Professor die Meisterklasse für Textiles.

Modepostkarten um 1914

Der Meister und sein Weg

Geboren wurde Eduard Josef Wimmer-Wisgrill 1882 in Wien, wo er 1961 auch starb. Er war Privatschüler von Koloman Moser, studierte von 1901 bis 1907 an der Wiener Kunstgewerbeschule bei Josef Hoffmann. 1907 gründete er die Mode-Abteilung der Wiener Werkstätte, die er von 1910 bis auch 1922 leitete. Von 1918 bis 1921 führte er auch die Werkstätte für Mode und Modezeichnen an der Kunstgewerbeschule in Wien, war von 1922 bis 1925 Zeichner für Mode, Textil und Theater in New York und Leiter der Modeklasse am Art Institut in Chicago. 1925 kehrte Wimmer-Wisgrill an die Kunstgewerbeschule zurück (ab 1941 Hochschule, von 1948 bis 1970 Akademie für angewandte Kunst, jetzt Universität), an der er bis 1955 die Meisterklasse für Mode und die Werkstätte für Textilarbeiten leitete. 1962 organisierten Studenten eine Gedächtnisausstellung. Zur Eröffnung entsandte weder das Unterrichtsministerium noch die Akademie Vertreter.

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