Apple Campus 2

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So leben wir morgen
04/23/2016

Die Ufo-Machtzentrale

Die Arbeitswelt von morgen. MICHAEL HOROWITZ über das „beste Bürogebäude der Welt“. Zumindest für den Apple-Konzern.

von Michael Horowitz

Ein Raumschiff für 13.000 Mitarbeiter: In einem knappen Jahr wird AC2, der Apple Campus 2, im Silicon Valley eröffnet. Die perfekte Machtzentrale. Ein Gebäude, das größer ist als das Pentagon in Washington. Im Juni 2011, vier Monate vor seinem Tod, präsentierte Apple-Konzernchef Steve Jobs dem Bürgermeister der kalifornischen Kleinstadt Cupertino seine Pläne für das beste Bürogebäude der Welt. Mitarbeiter sollen nicht zur Arbeit gehen, sie sollen hierher pilgern – warb Jobs um die Baugenehmigung.

Erinnerungen an den beklemmenden Bestseller The Circle des US-Kultautors Dave Eggers werden wach: In der Arbeitswelt von morgen, in einem glamourösen Glaspalast mit totaler Vernetzung von Beruf und Privatleben sind alle immer gesund und glücklich, hip und fit – und freundlich. Wer grantig ist, fliegt. Events ohne Ende sollen zusammenschweißen. Ein 24-Stunden-Gratis-Buffet, von Sterne-Köchen zubereitet, Live-Auftritte von Pop-Heroen und diverse Sportmöglichkeiten sollen die Menschen freudig in ihr Büro pilgern lassen.

Auch im totalitären Superkonzern Apple und seinem neuen UFO-ähnlichen 712.000-Quadratmeter-Hauptquartier, einem weithin strahlenden Mega-Koloss, werden für die Pilger, die Mitarbeiter, ein 70 Millionen Dollar teures Fitnesscenter und kilometerlange Jogging- und Fahrradwege angelegt. Die Botschaft ist klar: Du musst nicht mehr nach Hause, du kannst dich auch gleich hier entspannen … Im Zentrum ein gigantischer grüner Innenhof, der auch Platz für den ganzen Petersplatz aus Rom bieten würde – inklusive Petersdom. Das riesige Atrium dient als Begegnungsort für die Apple-Jünger. Hier wird das Circle-Konzept praktiziert. Arbeiten und leben, Beziehungen und Freundschaften sind fast nur mehr hier, innerhalb des inneren Campus-Kreises, möglich. Privatsphäre und eigene Identität gehen immer mehr verloren. Die Arbeitswelt von morgen in den Apple-, Google- oder Facebook-Zentralen erinnert auch beklemmend an Scientology.

Der Entwurf für das gigantische, kreisrunde Gebäude mit dem treffenden Namen Spaceship stammt immerhin vom britischen Stararchitekten Norman Foster, der zuvor schon das Londoner Wembley Stadion und den Berliner Reichstag neu gestaltet hat. Das Apple-UFO hat einen Außenumfang von mehr als eineinhalb Kilometern, es ist ein Ring aus Beton, Stahl und Aluminium – aber vor allem aus sehr viel gebogenem Glas. Würde man die 872 vertikalen Glasscheiben des Gebäudes aneinanderlegen, wären sie mehr als zehn Kilometer lang. Vier Stockwerke stehen über der Erde, drei stecken im Boden. Im Untergrund gibt es ein Auditorium mit Platz für mehr als 1.000 Menschen: eine Art Amphitheater der Zukunft. Hier werden schon bald die neuen Apple-Produkte präsentiert. Die Kosten für den Mega-Bau sind explodiert: Die geplanten knapp drei Milliarden Dollar sind inzwischen auf mehr als fünf Milliarden angestiegen.

Die Arbeitswelt von morgen – mit dem Apple-Raumschiff als strahlendem, seelenlosem Symbol – wird neu definiert. Nicht nur in der digitalen Leistungsgesellschaft, nicht nur in den Zentralen der Silicon-Valley-Riesen wird das Berufsleben für sensible, introvertierte, nicht- angepasste Mitarbeiter immer schwieriger. Schöne, neue Arbeitswelt?

Soeben erschienen:
Michael Horowitz
DIE WELT VON MORGEN
60 Visionen für ein besseres Leben
METROVERLAG 19,90 €


michael.horowitz@kurier.at

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